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Honda: Aufstiegskandidat

Der neue Honda Legend will mit technischen Finessen in der Oberklasse punkten. Doch nicht alles überzeugt.

Honda hätte es schwer ohne Wunibald Kamm. Der war Professor in Stuttgart und erfand eine grafische Darstellung darüber, wie Allrad-Antriebskräfte während der Fahrt an den Autoreifen zerren und arbeiten. Dieser "Kamm'sche Kreis" ist ein verzwicktes Gebilde aus Pfeilen, Winkeln und Rechtecken im gezeichneten Rund. Für Laien etwa so prickelnd wie ein Schnittmusterbogen. 40 Jahre lebt Wunibald schon nicht mehr, doch jetzt braucht Honda dringend den Geometrie-Klassiker des Professors.

Denn ohne die Zeichen im Kreis könnte Walter Tief, Hondas oberster Techniker in Deutschland, die Vorzüge des neuen Allradantriebs namens SH-AWD nur schwer erläutern. Das Kürzel steht für Super Handling All-Wheel-Drive, der im ebenfalls neuen Modell Legend zu haben ist. Diese Technik verteilt die Antriebskraft nicht nur wie üblich zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern zusätzlich auch zwischen den beiden Rädern der Hinterachse. Die Methode ist mutig, wirkt sie doch wie ein umgekehrtes ESP: Während elektronische Stabilitätsprogramme bei drohendem Kursverlust das durchdrehende Hinterrad abbremsen, gibt der Computer im großen Honda in brenzligen Kurven sogar noch Power drauf. Effekt: Er bleibt in der Spur, fährt dem drohenden Ausrutscher davon.

Mit derlei Fahrhilfe will Honda beim Spitzentrio der oberen Mittelklasse um Kunden und Markenwechsler buhlen. Die angepeilten Gegner heißen Audi A6, 5er-BMW und Mercedes E-Klasse. Jetzt ist der Legend im Rennen, ohne Aufpreisliste: Vollausstattung für 54 600 Euro.

Doch die Vorzüge des derzeit einmaligen Vierradantriebs dürften für die Kunden im Alltag zumeist nur von theoretischer Natur sein. Denn die flotte Technik wirkt erst bei hohem Tempo in engen Kurven. Außerhalb von Renn- und Erprobungspisten eine eher seltene Gangart. Zudem gibt es einen deutlichen Nachteil. Nicht zuletzt wegen der drei Verteilergetriebe an der Hinterachse (für die Antriebskraft) wiegt der Wagen 1920 Kilogramm - rund 250 Kilo mehr als der ebenfalls allradgetriebene BMW 530xi. Die üppigen Pfunde zusammen mit der museumsreifen Fünfgang-Automatik treiben den Verbrauch der amerikanischbequemen Reiselimousine zuweilen auf knapp 15 Liter Super je 100 Kilometer.

Dagegen ist CMBS wieder eine technische Pionierleistung. Hinter der Abkürzung für "Collision Mitigation Brake System" steckt ein elektronisches Assistenz-system, das vor Auffahrunfällen warnen und notfalls einen drohenden Crash automatisch verhindern soll. Dazu tasten Radarstrahlen ständig die Strecke vor dem Kühlergrill ab. Erfasst die Peilung ein Hindernis, reagiert CMBS je nach Abstand zum Vordermann in drei Stufen. Zuerst ertönt ein Warnsignal. Pennt der Fahrer, bremst der Honda von selbst leicht ab. Gleichzeitig zupft der Gurtstraffer als fühlbares Wecksignal kurz am Sicherheitsgurt. Nutzt das nichts, haut der Bordrechner automatisch in die Bremsen. Mit einer Wucht, die etwa zwei Dritteln einer Vollbremsung entspricht. So wird der drohende Crash verhindert oder zumindest deutlich gemildert.

Theoretisch. In der Praxis gibt's noch Kinderkrankheiten zu kurieren. Bei Testfahrten des stern auf einem abgesperrten Prüfgelände in der Nähe von Salzburg patzte die Radarortung. Der Legend mähte den simulierten Radfahrer, eine mobile Attrappe an einem Blechgestänge, in voller Fahrt nieder. Vorwarnung und automatische Notbremsung funktionierten erst nach mehreren Versuchen fehlerfrei. Allerdings auch dann nur, wenn der Personen-Dummy genau in der Mitte vor dem Auto auftauchte. Grund: Das Suchradar ist auf große Flächen wie Mauern oder Autohecks abgestimmt und strahlt in einem engen Winkel spitz geradeaus. Schmale Hindernisse rechts und links davon bleiben unerkannt.

Bei der Marktnische klappt die Zielerfassung besser. In der Klasse "Alternativ Premium" ist die große Honda-Limousine schon Spitzenreiter. Kein Wunder, denn dieses Segment schufen die Wortschöpfer im Legend-Marketing für sich selbst. Konkurrenten gibt es nicht.

Peter Weyer / print
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.