Königsegg CC Projektil mit Guckloch


Seit gut einem Jahr müssen sich schwedische Polizisten mit einem heftigen Kaliber herumschlagen. Der Königsegg CC ist - ganz unschwedisch - klein, leicht und praktisch konkurrenzlos schnell.

Das Weltbild schwedischer Autofans war bisher recht übersichtlich. Fahrzeuge aus dem hohen Norden waren groß, schwer und praktisch unzerstörbar. Seit gut einem Jahr müssen sich schwedische Polizisten nun mit einem ganz anderen Kaliber herumschlagen. Der Königsegg CC ist - ganz unschwedisch - klein, leicht und praktisch konkurrenzlos schnell.

Ultimative Fahrmaschine

»Ich habe mir schon immer ein Auto gewünscht, das dem Anspruch der ultimativen Fahrmaschine bis ins letzte Detail entspricht«. Das sagt nicht irgendein größenwahnsinniger Autobauer aus Italien. sondern Christan von Königsegg - Gründer, Chef und Visionär der Firma, die den scharfen Schweden seit diesem Jahr in Serie baut.

Königsegg CC

Motor

V8-Mittelmotor mit Turbolader

Hubraum

4,6 Liter

Leistung

655 PS / 482 kW

Länge/Breite/Höhe

4.190/1.990/1.070 Millimeter

Leergewicht

1.175 Kilogramm

0-100 km/h

3,5 Sekunden

Topspeed

390 km/h

Preis

ab 300.000 Pfund

Wenig Konkurrenten

Ob man nun gleich vom perfekten Auto sprechen möchte, wie es Königsegg auf der eigenen Homepage tut, muss jeder Fan und Fahrer selbst entscheiden. Klar ist nur, dass es im übersichtlichen Regal der Supersportwagen derzeit nur sehr wenig Konkurrenten gibt, die mit der nordischen Flunder mithalten können.

Windkanal tauglich

Das gilt natürlich für die Fahrleistungen, erst recht aber für das Design des schnellen Schweden. Nicht erst seit dem IKEA-Siegeszug ist klar, dass schwedische Designer mit optischer Effekthascherei nicht viel am Hut haben. Dementsprechend schlicht fiel das Karbonkleid des CC dann auch aus. Gespannte Flächen ohne viele Ecken und Kanten, aggressive Linien mussten Windkanal tauglichen Schwüngen weichen. Selbst der bügelartige Heckspoiler versteckt sich zwischen den hohen Rückleuchten.

Diktat des Luftwiderstands

Selbst die Frontscheibe unterlag dem Diktat des Luftwiderstands. Bei geschlossenem Dach (der CC ist eigentlich ein Targa) bleibt lediglich ein enger Seh-Schlitz, der den Königsegg zum Projektil mit Guckloch werden lässt. Damit man beim Einparken dennoch nirgends aneckt, steht ein Park-Abstandswarner auf der Aufpreisliste...

Rennsport unter der Hightech-Haut

Unter der hauchdünnen Haut aus Verbundwerkstoffen ist es mit der vornehmen Schlichtheit schnell vorbei. Im Königsegg ist so ziemlich alles verbaut, was man an sündhaft teuren Bauteilen aus dem Rennsport bekommen kann. So besteht das Chassis zum größten Teil aus leichten Karbon-Elementen, der mächtige Achtzylinder V-Motor ruht in einem Käfig aus Aluminium. Um den schnellen Schweden auch bei hohen Geschwindigkeiten auf der Straße zu halten, ist der Unterboden mit einem so genannten »Diffusor« ausgestattet. Der erzeugt einen Unterdruck, der das Fahrzeug an die Straße saugt. Geschaltet wird sequentiell in sechs Gängen, eine Kupplung gibt es nicht.

Tür-Theater

Um bei einer Fahrzeughöhe von 1,07 Metern unfallfrei hinters Lenkrad zu gelangen, mussten sich die Königsegg-Designer einen ganz besonderen Türmechanismus einfallen lassen. Wo bei einem herkömmlichen Supersportwagen Flügeltüren zum Einsatz kommen, wartet der Königsegg mit einer Besonderheit auf. Seine Portale sind wie bei einem normalen Serienauto vorne angeschlagen. Sie öffnen sich jedoch nicht zur Seite, sondern klappen nach oben auf. Im geöffneten Zustand stehen die Türen also fast senkrecht zu den Vorderrädern und geben den Weg auf einen kargen, aber luxuriösen Innenraum frei.

Neben dem unverzichtbaren Leder kommen auch im Cockpit Karbon und Aluminium zum Einsatz. Ein echtes Highlight ist die Sitzpolsterung. Sie besteht aus Tempur - einem Material, das sich dem Körper anpasst und bisher nur in Raumfahrzeugen der NASA zum Einsatz kam. Wie im Rennsport üblich, sind Lenkrad und Pedalerie individuell einstellbar.

Ford-Motor mit Schweden-Power

Um an das Herz des Königsegg zu kommen, muss die halbe Karosserie nach oben geklappt werden. Der 655 PS starke V8 sitzt praktisch direkt auf der Hinterachse. Ursprünglich stammt das Triebwerk aus einem Ford. Von der schnöden Großserientechnik ist jedoch nur noch wenig übrig. Der Kraftprotz schaufelt nach dem schwedischen Power-Lifting bis zu 750 Newtonmeter Kraft aus seinen 4,6 Litern Hubraum. Das reicht, zumindest theoretisch, für 390 Sachen Spitze. Was fehlt, sind lediglich Reifen, die diesen Top-Speed auf Dauer verkraften.

Wer die mindestens 350.000 Euro aufbringen kann, die man für einen CC an Königsegg überweisen muss, braucht sich übrigens um seine Sicherheit keine Sorgen zu machen. Bevor man im schwedischen Olofström vom Hof rollen darf, verpassen die hauseigenen Testfahrer den neuen Königsegg-Besitzern den letzten, fahrtechnischen Schliff.

Jochen Knecht


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