HOME

Mercedes CLC: Breitreifen für Eva

Zum Auftakt der Fashion Week in Berlin hat Mercedes den neuen CLC vorgestellt. Als Paten haben die Stuttgarter Autobauer dabei Topmodel Eva Padberg und Ex-Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen aufgeboten. Kein Wunder, denn unter der schicken Hülle werkelt die technische Basis von gestern.

Von Kai Behrmann

Sie kommt im schlanken Weißen, er im sportlichen Schwarzen. Trommelwirbel, treibender Bass, gleißendes Scheinwerferlicht. Im Schritttempo steuern Eva Padberg und Mika Häkkinen den neuen Mercedes CLC auf die Bühne im Berliner E-Werk. Normalerweise sind das Topmodel und der Ex-Formel-1-Star es gewohnt, alleine im Blitzlichtgewitter zu stehen. Doch an diesem Abend müssen beide die Aufmerksamkeit der Fotografen mit dem jüngsten Star in der Sportcoupé-Familie des Stuttgarter Autobauers teilen.

Der neue CLC baut auf der alten Basis auf - was sagen Sie dazu?

Ich bin hier der Boss!

Das Licht der Öffentlichkeit erblickt der CLC auf dem Laufsteg. Weltpremiere zum Auftakt der Berliner Fashion Week, deren Titelsponsor Mercedes seit vergangenem Jahr ist. An Selbstvertrauen mangelt es dem "Youngster" dabei nicht. Kaum auf den Reifen, legt er sich auch schon mit dem "Boss" - genauer gesagt mit Hugo Boss - an. Während die Models des Modeschöpfers mit ernster Mine und sicheren Schritten einen Vorgeschmack auf die neueste Kollektion geben, strahlt der elegante Zweitürer mit seiner pfeilförmigen Schnauze keck ins Publikum. PS fordert Haute Couture. Doch was haben Mode und Autos überhaupt gemein?

Sehr viel, findet Dr. Klaus Maier, in der Geschäftsfeldleitung Mercedes-Benz Cars verantwortlich für Vertrieb und Marketing. "Einen unverwechselbaren Stil, der die eigene Individualität und Lebensart unterstreicht - das wünschen sich Menschen sowohl von Mode als auch von Autos", sagt er. Diese Meinung teilt auch Häkkinen. "Mode gibt einem ein gutes Gefühl, verleiht Selbstbewusstsein und Energie", erklärt der zweifache Formel 1-Weltmeister aus Finnland. Und genauso gehe es ihm hinter dem Steuer des CLC. Sein Urteil über den Star des Abends: "Sehr sportliches Aussehen, insgesamt ein sehr stylisches Auto."

"Du fährst das Auto und nicht umgekehrt"

Noch mehr als die äußeren haben es dem 39-Jährigen jedoch die inneren Werte des CLC angetan. Sicher und komfortabel fühle er sich im Cockpit. "Du fährst das Auto und nicht umgekehrt", betont Häkkinen. Besonders lobt der Auto-Experte dabei die "präzise Lenkung" des Baby-Sportlers: "Einfach fantastisch." Große Vorschusslorbeeren für einen, der sein Können bisher nur bei Testfahrten unter Beweis gestellt hat. Ob der CLC ihnen gerecht werden kann, wird sich ab Juni zeigen. Dann kommt er in den Handel. Geplant sind dabei sechs Motorisierungen: vier Benziner (143, 184, 204, 272 PS) und zwei Diesel (122, 150 PS). Der Preis startet bei knapp über 28.000 Euro.

Das Kalkül von Mercedes Benz ist klar: Der CLC ist eine Kampfansage. Als günstiges Einsteigermodell soll das neue Sportcoupé vor allem bei jungen Käufern punkten. Optisch geht das Kalkül auf. Es rächt sich allerdings, dass A- und B-Klasse nur sehr eingescghränckt als Einstieg in die Mercedes-Welt gelten können. Der erste "richtige" Mercedes startet so in der 30.000-Euro-Zone. Ein Einstiegs BMW dagegen unter 20.000 Euro.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Die Messelatte liegt dabei sehr hoch. Das Vorgängermodell, das C-Klasse Sportcoupé, hat so viele neue Mercedes-Kunden gewonnen, wie kein anderes. Die Bilanz des "Eroberungschampions": 70 Prozent der seit 2001 weltweit 320.000 Käufer hatten vorher noch nie einen Mercedes. Von dem CLC erhoffen sich die Stuttgarter jetzt sogar noch eine Steigerung. Einfach wird das nicht. Plattform und Rohkarosserie stammen vom Vorgänger, von der neuen Generation der C-KLasse profitiert der CLC nicht. Alles, was für die neue C-Klasse spricht, spricht damit gegen den CLC. Ein Manko, dass die Verkäufer im Showroom vermutlich nicht an die große Glocke hängen werden. Und zum Trost erwirbt der Kunde ein Fahrzeug, das von Start weg "ausgereift" sein dürfte.

Wissenscommunity