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Mercedes SLK: Luxus und Sonnenschein

Hier gibt's heiße Luft gegen Aufpreis. Der neue Mercedes SLK bietet eine Neuerung, die zum Beispiel den Damen enorm Zeit spart.

Hier gibt's heiße Luft gegen Aufpreis. Der neue Mercedes SLK bietet eine Neuerung, die zum Beispiel den Damen enorm Zeit spart. Sie können bei offenem Dach mit feuchten Haaren losbrausen und sich den Schopf von einer Warmluftdusche aus der Kopfstütze trocknen lassen. Der Föhn für beide Sitze kostet 458 Euro extra.

Was wie überflüssiger Schickimicki-Kram klingt, hat durchaus Sinn. Gusseiserne Cabrio-Fans kennen das Problem: Es ist noch zu früh oder bereits zu spät, offen zu fahren, und der Nacken schmerzt vom kühlen Fahrtwind. Dagegen gibt es jetzt Airscarf (Luftschal), der im SLK als Prophylaxe gegen steife Hälse wirkt. Dank der Warmluftzufuhr, die kein Mercedes-Konkurrent hat und die sich automatisch Tempo und Außentemperatur anpasst, kann nun die Freiluftsaison eher begonnen und später beendet werden.

Das ist nicht die einzige Besonderheit. Der SLK (Sport, Leicht, Kurz), der seit seiner Markteinführung 1996 zu einem Drittel von Frauen gekauft worden ist, trägt ein Erkennungszeichen im Blech, das auf die Verwandtschaft zum Formel-1-Sport hinweist: In der Motorhaube ist der schlanke Bug des McLaren/Mercedes-Renners angedeutet. Dieser Design-Kniff soll imagemäßig die Brücke schlagen vom elitären High-Tech-Zirkus zur Serie. Optisch bringt dieses Gestaltungselement durchaus etwas. Im Rückspiegel des Vordermanns kann der SLK (Basispreis 33 524 Euro) schnell mit dem raren Markenbruder und Supersportwagen SLR (Basispreis 435 000 Euro) verwechselt werden.


Länger ist der Neue geworden (plus 7,2 Zentimeter). Auch breiter (plus 6,5 Zentimeter). Der Radstand ist weiter (plus drei Zentimeter), was einen Tick mehr Beinfreiheit bringt. Und in den Kofferraum passt mehr rein (plus 63 Liter). Aber eigentlich interessiert all dies nicht wirklich. Bei Open-Air-Fahrzeugen wie diesem geht es vor allem ums Offenfahren und um die Schau, die sich mit solch einer Kiste abziehen lässt. Und zwar im Stand. Man sitzt im Straßencafe und will den dicken Max machen? Oder die dicke Marie? Kein Problem. Fernbedienung raus, auf den Knopf drücken, und in 22 Sekunden öffnet oder schließt sich das Metallklappdach in Hollywoodmanier. So was ging beim Vorgänger nicht.

Das Fahrwerk ist natürlich klasse, die Lenkung ebenso wie das Sechsgang-Schaltgetriebe. Und die Eleganz dieses Schmuckstücks verbietet, dass man damit vollgas brettert. Unwichtig daher, welcher Motor unter der Haube steckt, ob der 163- PS-Kompressor oder der Achtzylinder mit 360 Pferdestärken. Nebensächlich, dass sich der SLK mit dem schärfsten Triebwerk in nur 4,9 Sekunden von 0 auf 100 jagen lässt. Bestenfalls ist man damit Erster an der nächsten roten Ampel - und womöglich liegt das runtergerissene Toupet an der letzten.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Durchschnittlich 46 Jahre ist der Fahrer des alten Modells. Für den neuen SLK will man Jüngere erwärmen. Unter denen gibt es sicher die eine oder andere Frostbeule, die sich nicht nur über den Airscarf freut, sondern auch über ein weiteres Detail der Aufpreisliste: das beheizbare Lenkrad.

Peter Groschupf

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