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Früher beliebt, heute Ladenhüter Cabrios - eine Gattung stirbt aus

Cabrios gehören in der Kompaktklasse der Vergangenheit an.
Cabrios gehören in der Kompaktklasse der Vergangenheit an.
© Volkswagen / PR
Einst verkörperten sie Freiheit und Sonnenschein, jetzt sind sie Ladenhüter. Außer im Luxussegment sterben die Cabriolets aus.

In den Modell-Listen der Hersteller werden die Cabriolets immer mehr zusammengestrichen. Dahinter stehen immer die gleichen Gründe: Wenig Kunden und viel Aufwand. Volkswagen stellte den Beetle ein, der vielleicht nicht der größte Verkaufserfolg war, aber zumindest in den USA ein Image- und Sympathieträger. Mercedes hat SLC / SLK aus Altenteil geschoben. Mittelfristig wird es oben offen auch nicht mehr in C- und E-Klasse gleichzeitig geben, eine Variante wird wegfallen.

Andere Hersteller sind noch radikaler und geben die Sonnenschein-Autos einfach komplett auf, auch wenn sie jahrelang damit Erfolge feiern konnten: Ford, Opel, Volvo, Nissan und sogar Peugeot. Die Marke, die mit 306 Cabrio, 307 cc und 206/207 cc die unangefochtene Cabriomarke Nummer Eins war. Auch der Versuch, das Golf Cabrio wiederzubeleben, wurde sang- und klanglos eingestellt.

Jahrzehntelang waren die offenen Autos beliebt. Ihr Image von Freiheit, Sonnenschein und einem Hauch Unvernunft lockte die Kunden an. Wer in der Stadt das Dach öffnete, fühlte sich fast wie im Urlaub. Doch das funktioniert heute nicht mehr, für die meisten Fahrer hat das Cabrio seinen Reiz verloren. Wenn überhaupt überlebt das Cabrio als luxuriöser Zweit- oder Drittwagen, der nur bei Sonnenschein bewegt wird. Außer bei den Premiummarken gibt es kaum noch Anbieter.

Je teurer, umso mehr Cabrio

Jaguar bietet seinen F-Type auch als schicken Roadster an, BMW lockt mit Z4, 8er und bald auch dem neuen 4er ebenso Kunden verschiedener Preisklassen wie Audi mit seinen A5 und S5. Und Porsche bietet den 718 ebenso als Boxster wie den Klassiker 911 auf Wunsch auch ohne Dach. Weitere Cabrios gibt es bei Nobelmarken wie Lexus (LC), Aston Martin (DB11 / Vantage), Ferrari (Portofino), Bentley (Continental GTC) oder Lamborghini (Huracan / Aventador). Groß und vergleichsweise günstig sind die beiden amerikanischen Exoten Ford Mustang und Chevrolet Camaro, die jeweils nicht nur als Cabrio, sondern auch als Coupé angeboten werden.

Unterhalb dessen wird das Angebot dünn. Es gibt noch den offenen Smart Fortwo oder das Mini Cabriolet. Bezahlbar bleibt auch der Mazda MX-5, seien italienische Variante, der Abarth 124, wurde nach kurzer Zeit eingestellt. In der Kompaktklasse werden der offene Audi A3 ebenso verschwinden wie der Audi TT-Roadster, das BMW 2er Cabrio oder das VW Eos. Dass die Klappdachcabrios unterfangen sind, dürfte Puristen eher freuen. Genauso, dass der neue BMW Z4 wieder ein Stoffdach bekommt. Langfristig gerät das Segment der echten Cabrios weiter unter Druck. Die SUV-Form frisst alle Konkurrenten. Aber sie eignet sich nicht für einen Cabrio-Ableger. Modelle wie das VW T-Roc-Cabrio, der offene Nissan Murano oder das Range Rover Cabrio versprühen nicht die Eleganz, die man mit einem Cabrio verbindet, und werden daher kaum über Nischenpublikum hinwegkommen.

Größere Eingriffe am Fahrzeug

Für geringe Verkaufszahlen ist der Aufwand für ein echtes Cabrio groß. Als Grundlage benötigt man eine ebenso echte Coupé-Variante ohne Säulen zwischen den Türen. Was im Markt bleiben wird, sind günstige Lösungen, bei denen einfach das Dach zwischen den Holmen für ein Verdeck oder ein gigantisches Schiebedach weggelassen wird. Das sind zwar keine Cabrios, doch Sonnenschein lassen sie auch herein.

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kra / mit Pressinform

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