Mit Erdgas unterwegs Für 150 Euro zum Kreml


stern.de Autor Felix Bauer ist mit seinem Erdgas-VW in Moskau angekommen. Geld hat die Tour wenig gekostet, Nerven manchmal schon.

Der letzte Abschnitt unserer Tour mit einem Gas-Auto von Stuttgart nach Moskau steht bevor: Auch im weißrussischen Minsk riecht es beim Tanken immer mal wieder nach Gas, das beim Ansetzen des Adapters in der Luft verpufft. Die Tankwarte halten großen Abstand und fordern auch uns immer wieder auf zurückzutreten. Spät am Abend erreichen wir die russische Grenze. Diesmal müssen wir nicht so lange warten wie am polnischen Grenzübergang nach Weißrussland. "Ihr wurdet angekündigt", erzählt uns ein Zollbeamter.

Nach 70 weiteren Kilometern auf russischer Seite bis zur Stadt Smolensk, kommen wir um 2 Uhr nachts im Hotel an. Natürlich gibt es keine warme Mahlzeit mehr, aber an der Bar hilft man uns mit kleinen Snacks aus: Getrocknete Fischlein, die wie Zierfischfutter riechen, und Chips. Dazu schmeckt uns ein russisches Bier. Mit knurrendem Magen trotten wir ins Bett, denn schon um 7 Uhr starten wir die letzte Etappe Richtung Moskau.

Die Reifeprüfung

Und dann folgt die eigentliche Reifeprüfung für den Erdgas-Caddy: Mindestens 430 Kilometer ohne Stopp sind nun Pflicht, als wir die letzte Tankstelle in Smolensk verlassen - eine Chance zum Nachfüllen gibt es angesichts des dünnen Tankstellennetzes erst wieder in der Hauptstadt.

Gut, dass uns der Tankwart die Flaschen mit Überdruck füllt. 250 statt 200 Bar - das sind immerhin 20 Prozent mehr Druck als geplant. Prompt reagiert auch der Bordcomputer, euphorische 510 Kilometer Reichweite zeigt das Display an. Doch schon nach wenigen Kilometern baut sich der Überdruck ab, die Reichweite sinkt von Minute zu Minute. Um Gas zu sparen, schalten wir zur Sicherheit mal wieder Klimaanlage, Lüftung und Radio aus. Außerdem haben wir den Reifendruck erhöht. Weniger Widerstand, so glauben wir, bringt uns wertvolle weitere Kilometer. Wir drücken nur noch sanft aufs Gaspedal. Konstante 90 km/h versprechen laut Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 kg/100 Kilometer – damit müssten wir so gerade nach Moskau kommen.

Abenteuer russische Autobahn

Die Fahrt führt uns vorbei an Straßenhändlern, Birkenwäldern und Radarfallen - vor denen wir keine Angst haben müssen. Trotz des moderaten Tempos überholen wir immer wieder abenteuerlich aussehende, uralte LKWs. Sie sind wild beladen mit Ziegelsteinen und anderen Gegenständen. Als wir einen alten Transporter überholen, haben wir Glück, dass wir dem Ersatzreifen, den er verliert, gerade noch ausweichen können. Immer wieder halten wir an, um letzte Berechnungen anzustellen: Schließlich herrscht am frühen Abend um Moskau herum meist ein enormer Stau - und den müssen wir vermeiden, um unseren Verbrauch nicht unnötig in die Höhe zu treiben.

Je näher wir in die Nähe der russischen Metropole kommen, desto häufiger wandert unser Blick auf die Gasanzeige. Unsere Spar-Tricks scheinen gewirkt zu haben. Am Ortsschild berührt der Zeiger das Reservefeld. Als wir dann nach sechs Stunden Fahrt an die Gas-Tankstelle am Moskauer Autobahnring fahren, haben wir laut Bordcomputer sogar noch Treibstoff für 30 Kilometer an Bord.

Glückliche Ankunft im Zielort Moskau

Ein Grund, am Abend in Moskau das glückliche Ende der langen, pannenlosen Gas-Tour zu begießen und Bilanz zu ziehen: Der Fünf-Tages-Trip hat gezeigt, dass man mit guter Planung durchaus auch mit einem Gas-Auto in entlegene Gegenden fahren kann. Nach insgesamt 2865 Kilometern haben wir 204 Kilogramm Gas verbraucht - und einen Durchschnitt von etwa 7,1 Kilogramm je 100 Kilometer bei 70 km/h erreicht. Die gut 40-stündige Fahrt hat uns umgerechnet circa 150 Euro gekostet. Damit dürfte unsere Abenteuer-Reise ein bisschen mehr als halb so teuer wie mit einem Benzin-Fahrzeug gewesen sein - genauer lässt sich das aufgrund der unterschiedlichen Drücke beim Betanken und der gerundeten Mengen und Preise in Weißrussland und Russland nicht sagen.

Das Auto selbst hat den ersten Langstreckentest seit der Markteinführung im Mai gut überstanden. Wir haben lediglich die zu weiche Lenkung, die unbequemen Sitze mit den zu kurzen Sitzflächen und die nur ab Lüftungs-Stufe drei gut funktionierende Klimaanlage zu bemängeln. Der zugschwache 80-KW-Motor - der ordentlich gedreht werden will, wenn man auf der Landstraße überholt - störte auf dieser Strecke nicht sehr, denn Geschwindigkeiten über 110 km/h waren ab Polen ohnehin nicht erlaubt.

In Deutschland hat die fehlende Kraft manchmal zu Verärgerung am Berg geführt: Ein Absacken auf 120 km/h im Überholvorgang ist ganz schön störend. Dafür gab es beim Tanken Grund zur Freude: Die Hände blieben auch im Ausland sauber, Benzin wurde keines eingeatmet und im Geldbeutel blieb dank moderater Preise für den nun anstehenden Shopping-Ausflug entlang der Moskwa mehr übrig, als ursprünglich gedacht.

Felix Bauer

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