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"Monster Trucks" auf Europas Straßen?: Warum die Riesen-Lkw bei uns vielleicht niemals fahren

Verkehrsminister Dobrindt glaubt unbeirrt an den Erfolg des Gigaliners. Doch vermutlich bleiben uns die überlangen Lkw erspart: Weder EU noch Experten sehen einen Nutzen.

Wenn der Monster-Truck einbiegt, sollte Radfahrer ihre Vorfahrt besser vergessen.

Wenn der Monster-Truck einbiegt, sollte Radfahrer ihre Vorfahrt besser vergessen.

Neben der Auto-Maut verfolgt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein weiteres umstrittenes Verkehrsprojekt: den Gigaliner. Beide sind ähnlich unbeliebt. Derzeit sind die Riesen-LKW als großer Feldversuch zugelassen. Dobrindt verspricht, der überlange LKW würde Sprit sparen und die Straßen entlasten. Sein Vorgänger Raumsauer schwärmte vom "Öko-Liner". Durchgesetzt hat sich dagegen das Wort "Monster-Truck".

Außer dem Bundesverkehrsminister scheint niemand die Riesen-Lkw zu mögen. Selbst die EU blockiert das Projekt. Bereits im vergangenen April hatte das Europaparlament Pläne des früheren EU-Verkehrskommissars Siim Kallas ausgebremst, sogenannte Gigaliner in der gesamten EU zuzulassen. Diese Entscheidung wurde in der vergangenen Woche bestätigt. Hauptgrund der Ablehnung ist das extreme Gewicht dieser Fahrzeuge, für das viele Straßen in Europa nicht geeignet sind. Politiker fürchten nun, dass, sollte die Monstertrucks erst einmal auf den Straßen rollen, die Verkehrswege auf die Bedürfnisse der Riesen angepasst werden müssten. Der Umbau würde Milliarden Euro an Steuergeldern verschlingen.

Mehr LKW-Verkehr

Während Dobrindt den Erfolg seines Projektes beschwört, hat sich eine Reihe von Verkehrsexperten gegen die Zulassung der Riesen-Lkw gewandt. Hauptargument gegen die bis zu 44 Tonnen schweren Brummis: Sie würden eine Rückverlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße auslösen.

Hauptvorzug der Grund der Gigaliner ist, dass sie deutlich kostengünstiger eingesetzt werden können als herkömmliche Lkw. In Relation zur Ladung sparen sie Sprit, doch vor allem sparen sie Lohnkosten ein: anstatt drei Fahrer benötigt man nur noch zwei. Dadurch könnten sie, so der Verkehrsexperte Hans-Paul Kienzler, einen Preisdruck auf das gesamte Transportgewerbe auslösen. Die Folge: "Wir haben ermittelt, dass durch den Einsatz von Lang-Lkw bis zu 35 Prozent der Verkehrsleistung des Einzelwagenverkehrs von der Schiene zurück auf die Straße verlagert werden würde", so Kienzler zur Allianz pro Schiene.

Auch die ökologische Unbedenklichkeit der Riesen-Brummis wird von den Kritikern angezweifelt. Verkehrswissenschaftler Claus Doll vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung: "Da es in der Praxis unter bestimmten Bedingungen zu Verlagerungen von der Schiene kommen wird, können Riesen-Lkw zu mehr statt zu weniger Kohlendioxid-Ausstoß führen."

Klimafreundlicher ist der Gigaliner nur, solange er das Transportvolumen anderer Lkw übernimmt. Tatsächlich muss aber von einem zusätzlichen Impuls und Wettbewerbsvorteil für den Lkw-Transport ausgegangen werden. Anstatt weniger Lkw wird es mit Gigaliner eher mehr Lastwagen auf den deutschen Straßen geben.

Gernot Kramper mit Agenturen
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