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Fahrradmesse Eurobike: Zweiradmarkt steht unter Strom

Radfahren ohne Mühen – das begeistert die Kunden. Elektroräder sind der Megatrend auf der größten Fahrradmesse der Welt. Die Radsportler stehen auf ihrer Hausmesse nur in der zweiten Reihe.

Von Gernot Kramper

Alles ganz einfach in Friedrichshafen. Stefan Limbrunner vom Fahrrad- und Motorradhersteller KTM fasst die Fahrradtrends auf der Eurobike, der größten Fahrradmesse der Welt, so zusammen: "Elektroräder, Elektroräder und noch einmal Elektroräder." Im Rennen um die Aufmerksamkeit können höchstens noch die neuen Mountainbikes mit großer Bereifung mithalten, die sogenannten Twenty-Niner.

Doch für massenhaft leuchtende Augen an den Messeständen sorgen die Räder unter Strom. Die E-Bikes stoßen auf ein gewaltiges Interesse: 200.000 Stück wurden im vergangenen Jahr verkauft, in diesem Jahr rechnet der Zweiradverband mit 300.000, in fünf Jahren könnten es 600.000 Elektroräder sein. Auch der Preis der Stromräder freut die Industrie: Für ein Markenrad mit E-Motor muss der Kunde etwa 2000 Euro einplanen. Solche Summen investieren sonst nur Sportler für ein Fahrrad.

Neue Kundengruppe

Dabei sind die Käufer von Elektrorädern meist keine begeisterten Radsportler, die sich alle zwei Jahre ein neues Top-Rad gönnen. Es sind normale Freizeitradler, bei denen die marginalen Verbesserungen herkömmlicher Räder nicht reglmäßig zu einem Neukauf verführen. Den Kaufimpuls löst das Elektrorad aus, das müheloses Fortkommen auf Radwanderungen oder bei täglichen Besorgungen verspricht. Mit einem zusätzlichen Motor verlieren Strecken von zehn bis 15 Kilometer ihren Schrecken, Elektrofahrräder eignen sich daher auch für den Weg zur Arbeitsstelle. Auch deshalb sind die Stromer längst nicht mehr nur in der urspünglichen Zielgruppe der Senioren begehrt.

Und so verändern sich auf der Leitmesse für Zweiradkultur auch die Leitbilder der Werbung. Die Käufer von Elektrorädern kann man mit dem "Quäl dich"-Stolz der Sportradler nicht ansprechen, stattdessen wird anstrengungsfreies Fahrradfahren propagiert.

Zukünftige Entwicklungen

Verbesserungspotential ist allerdings auch bei den Elektrorädern noch vorhanden: Die Akkus werden kleiner und preiswerter, sodass sie unauffälliger in das Rad integriert werden können. Die Reichweite ist übrigens kein Problem, schon heute sind Akkus verfügbar, die 130 Kilometer Stromradeln garantieren. Auch die Motoren werden schrumpfen, die klobigen Metallklötze auf Dauer verschwinden. Voraussichtlich wird der Stromantrieb sogar die Radschaltungen revolutionieren, anstelle der heute üblichen Gangschaltung wird die Automatik treten. Nur bei der Motorenleistung besteht wenig Handlungsbedarf. Bei mehr als 95 Prozent der verkauften Elektroräder ist die Geschwindigkeit gesetzlich auf 25 km/h limitiert - mehr Power als heute benötigen die Räder daher nicht.

Daher dürften die Preise für die neuen Kultfortbewegungsmittel in den nächsten Jahren auch noch ständig sinken - und den Boom noch weiter anfachen.

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