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Inflation Gebrauchtwagenmarkt spielt verrückt – Preissteigerung von 25 Prozent

Wenn der Alte nicht mehr will , ist es derzeit schwer Ersatz zu bekommen.
Wenn der Alte nicht mehr will , ist es derzeit schwer Ersatz zu bekommen.
© Mixetto / Getty Images
Neuwagen sind kaum zu bekommen, also stiegt die Nachfrage nach Gebrauchten. Das treibt die Preise in die Höhe, 25 Prozent Steigerung in nur einem Jahr sind keine Seltenheit.

Die Chipkrise hat den Automarkt im Griff. Bei den gefragten und hoch subventionierten Elektromodellen sieht der Kunde die Versorgungsengpässe nicht so sehr, denn die Hersteller teilen die knappen Halbleiter bevorzugt den E-Autos zu, denen die Zukunft gehört. Bei den Verbrennern bemerkt man die Lücken dann umso stärker. Sie sind nur mit langen Lieferzeiten zu bekommen, wenn man dann überhaupt sein Wunschmodell erhält.

Erwartungsgemäß schlägt die Krise bei den Neuwagen nun auch mit ein paar Monaten Verspätung im Gebrauchtwagenmarkt zu. Kunden, die neun Monate und länger auf einen Neuen warten sollen, wenden sich den jungen Gebrauchten zu. Mit dem Ergebnis, dass hier die Preise steigen.

Monatliche Steigerungen

In Ländern wie Deutschland oder Österreich wurden die Gebrauchtwagen von Monat zu Monat teurer. Bei besonders beliebten Modellen legten die Zahlen auf den Preistafeln sogar um bis 30 Prozent zu – bei deutlich kleinerem Angebot. Einziger Vorteil beim Gebrauchtwagenkauf: Mit der Unterschrift unter dem Vertrag kann man das Fahrzeug mitnehmen. Im Neugeschäft sind Wartezeiten von über einem Jahr keine Seltenheit mehr. Autoscout24, eine der größten Onlinebörsen Europas, verzeichnete im abgelaufenen Jahr europaweit einen Preisanstieg von acht Prozent. Gleichzeitig reduzierte sich das Angebot um elf Prozent.

Aber diese Zahlen beschönigen die Lage noch. Denn sehr alte und billige Wagen sind von der Preissteigerung kaum betroffen. Ganz anders sieht es bei neueren und beliebten Modellen aus. Die Preise für einen Golf stiegen in einem Jahr um 21 Prozent.

Europaweiter Effekt 

"Der Blick auf die europäischen Märkte zeigt ein ähnliches Bild wie der auf Deutschland: Die Preise steigen im zweistelligen Prozentbereich, während das Angebot europaweit sinkt", sagt Dr. Michael Luhnen, Vertriebschef bei AutoScout24. "Aufgrund der Pandemie bevorzugen Verbraucher europaweit verstärkt das Auto gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr. Die steigende Nachfrage trifft dabei auf ein reduziertes Angebot, denn durch den Halbleitermangel stehen oder standen derzeit viele Fabriken still. Wer sich eigentlich einen Neuwagen kaufen wollte, weicht zunehmend auf Gebrauchte aus."

Bei Mobile.de zeigt sich das gleiche Bild. Bei den Modellen der Kleinwagen-, Kompakt- und Mittelklasse stiegen die Preise um mehr als 25 Prozent. "Den andauernden Preisaufwärtstrend können wir auf die nach wie vor angespannte Lage im Neuwagenmarkt zurückführen", so Martin Fräder, Head of Sales bei Mobile.de, "allerdings sehen wir auch, dass die Laufleistungen über alle Segmente hinweg seit Juli 2021 rückläufig sind. Zudem ist das Durchschnittsalter im Jahresvergleich um 5,6 Prozent gesunken. Und weniger gefahrene Kilometer sowie ein jüngeres Alter machen sich vermutlich auch in höheren Preisen bemerkbar."

Deutsche Hersteller besonders beliebt

Mit leichten Unterschieden zeigt sich Preisanstieg in allen europäischen Märkten. Mit zwei Prozent Steigerung lagen die Franzosen 2021 zurück, doch sie hatte die Preiswelle bereits 2020 erwischt. Die Durchschnittspreise haben wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der Fahrzeugflotten wenig Aussagekraft. Hier ist Italien – das Land der Kleinwagen – sehr günstig. Über alle Länder hinweg sind deutsche Marken besonders beliebt. Volkswagen platzierte sich auf Rang eins, gefolgt von Mercedes auf dem zweiten Platz vor BMW auf Rang drei und Audi auf dem vierten Platz. Nach dem Bestseller VW Golf belegte der Audi A4 Platz zwei vor seinem kleinen Bruder Audi A3. Der VW Polo auf Platz vier ist mit einem Durchschnittspreis von 14.082 Euro das günstigste Fahrzeug unter den Beliebtesten; mit einem Plus von nur einem Prozent hält er seinen Preis nahezu stabil.

Elektroautos spielen im Gebrauchtwagenmarkt nur eine Nebenrolle. Das liegt an den hohen Subventionen beim Neukauf, aber auch daran, dass es schlicht nur wenige ältere Stromer gibt. Die Fahrzeuge von Tesla sind naturgemäß nicht billig. Das beliebteste gebrauchte E-Auto ist der Renault Zoe mit einem Durchschnittspreis von 16.400 Euro.

Einen echten Ausweg aus der Preisspirale gibt es derzeit nicht. Außer den praktischen Rat, den eigenen Alten einfach länger zu fahren, wenn es möglich ist. Diese Methode führt natürlich dazu, dass sich das Angebot junger Gebrauchter nur noch weiter verknappen wird – die Preise also weiter steigen werden.

Kra mit Press-Inform

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