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Goodwood Revival: Autokarneval

Jedes Jahr im September treffen sich nahe der kleinen Ortschaft Goodwood im Südosten Englands an die 200.000 Menschen, um die alte britische Rennsporttradition zu zelebrieren - und sich selbst.

Nick Mason hat so gar nichts mehr von einem Rock-Heroen. Der Drummer der britischen Kultband Pink Floyd, der an diversen legendären Stücken zumindest mitgeschrieben hat und seit den Anfängen 1965 dabei ist, macht eher den Eindruck eines humorvollen älteren Herrn mit schütterem Haar, Doppelkinn und tiefen Falten im Gesicht. Das letzte Studioalbum der Band stammt von 1994, der letzte gemeinsame Auftritt war 2005. Der mittlerweile 69jährige Mason hat längst eine andere Passion gefunden: Er sammelt Autoklassiker.

Die automobilen Schmuckstücke, darunter ein Ferrari 250 GTO, verstauben allerdings nicht in Masons Garage - sie dürfen immer wieder mal an die frische Luft und auf die Rennstrecke. Der ideale Parcours: das Goodwood Revival, das jährlich im September im britischen West Sussex, südöstlich von London stattfindet.

Knapp 200.000 Besucher reisen zu dieser mittlerweile wohl größten europäischen Veranstaltung für klassische Rennwagen aus ganz England und dem Kontinent an. Die Hotels sind im Umkreis von hundert Kilometer ausgebucht, der Zielort ebenso weit voraus ausgeschildert und der Stau vor den Einfahrten der Parkplätze kilometerlang. Bis man an der Rennstrecke angekommen ist, muss man erste einmal durch eine veritable Kirmes mit alten Fahrgeschäften, Imbissbuden und diversen Verkaufszelten.

Auf den Ländereien des Earl of March and Kinrara in der Nähe der ansonsten eher verschlafenen Städtchen Chichester und Westerton lebt nicht nur lustvoll Britanniens Automobiltradition auf, sondern auch der Glanz des alten Empire. Denn es herrscht nicht nur Kostümwunsch auf dem weitläufigen Gelände - in manche Bereiche wie das Fahrerlager kommt man ohne 50er-Jahre Outfit und Krawatte gar nicht erst hinein.

Vor allem die britischen Besucher zelebrieren das mit Inbrunst. Tweet-Sakkos ist das mindeste, die Damen tragen Petticoat und durchgestylte Frisuren, Nylons und Handtasche. Die Hutmacher der Gegend müssen Überstunden schieben, eine Schlägermütze ist das Mindeste. Ringsum auf den zu Parkplätzen umgemodelten Wiesen und Äckern stehen an dem Wochenende mindestens ebenso viele Oldtimer und Edelschlitten wie im Fahrerlager: Von Alfa bis Bentley, Jaguar, Ferrari, Maserati oder MG über Rolls Royce bis hin zum Citroen-Gangsterauto - alles da und alles von den Ordnern in die vordersten Parkreihen durch gewunken.

Das Outfit alleine allerdings reicht in Goodwood nicht: In einem großen Zelt wird zur Musik der 1940er bis 1970er Jahre getanzt, Mütter schieben ihren Nachwuchs in Kinderwagen über den Rasen, die im Raketen-Stil der 50er Jahre gestylt sind, angeheuerte jugendliche Kricket-Teams marschieren in Schuluniformen über die Wege und schmettern Kampfparolen in die Menge. Dazwischen immer wieder Kleinkunst, passend zurzeit: Eine Gruppe von Tennisspielern, Straßensänger oder Trupps von Freizeit-Soldaten, die mit geschultertem Gewehr und Weltkriegsuniformen über das Gelände marschieren. Hier im tiefsten England mag man den Verlust der alten Größe noch nicht so ganz akzeptieren.

Ach ja: Mit alten Rennwagen hat das Ganze natürlich auch zu tun. Wohl an kaum anderswo auf dieser Welt findet man so viele klassische Rennwagen an einem Ort vereint. Im Paddock parken säuberlich nach Marke und Baujahr geordnet Seite an Seite ganze Reihen von roten Alfa Romeo, grünen Aston Martin, von Lolas, Maserati oder Lotus. Dazwischen Corvettes, Cobras und Galaxy aus den USA, vereinzelte Mercedes, einen kleinen Pulk von Minis - kurz: Alles, was das Herz eines Fans klassischer Automobile so zum Hüpfen bringt. Im besonderen Focus dieses Jahr: Der Ford GT. Unter den Zeltdächern in Goodwood sollte dieses Wochenende aus Anlass des 50. Geburtstages des Ford-Boliden so ziemlich die Hälfte der weltweit noch existierenden GT-Flotte gestanden haben. Insgesamt dürften Rennwagen im Wert von einigen hundert Millionen Euro den Rasen des Lords plattgedrückt haben.

Eine Besonderheit von Goodwood: Die Zuschauer dürfen ganz nah ran. Kein Problem, gleich ins Cockpit zu fotografieren, einem ausgebauten Zylinderblock zuzusehen, wie er sich in einem Bottich voll Öl wieder erholt oder unter das aerodynamische Blechkleid eines alten Formel 1-Boliden zu blicken. Das Publikum in Goodwood ist Teil der Show - nicht nur in Sachen Outfit. Dabei geht es nicht nur darum, die Rennfahrzeuge "nett" zu präsentieren - in den Rennen wird den rasenden Vermögensanlagen nichts geschenkt. Ihre Fahrer, darunter zum Beispiel Jochen Maas und Tom Kristensen jeweils in einem Ford Galaxie 500, Rauno Aaltonen auf einem Austin Mini Cooper S, Johnny Cecotto im BMW 1800, Mark Blundel oder "Mr. Bean" Rowan Atkinson im Ford-Lotus, oder eben Nick Mason in seinem Frazer Nash - sie alle wollen gewinnen. Vom Blech- bis zum Totalschaden reicht die Spanne im ungünstigsten Fall: Da wird ein Mini Cooper von der Piste geputzt und überschlägt sich ein halbes Dutzend Mal. Oder einen silbernen Grand Prix-Renner schlägt frontal in einem Reifenstapel ein. Pardon wird nicht gegeben. Publikum wie Restauratoren freut\'s.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.