HOME

Lamborghini Huracan LP 610-4: Hurra, er kann!

Lamborghini macht sich an die schwere Aufgabe, den Besteller Gallardo abzulösen. Da der Hurracan ein globaler Erfolg werden soll, muss er den Spagat zwischen kompromissloser Sportlichkeit und Komfort schaffen.

Die Vorgabe ist gigantisch. Der Gallardo ist mit 14.022 verkauften Modellen der Bestseller in der Lamborghini Geschichte. Jetzt soll der Huracan diese große Lücke füllen. Und zwar global. Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann nennt den Boliden pathetisch einen "Wendepunkt in der Lamborghini-Geschichte." Sprich: Der Huracan soll allen Spaß machen, ob im Okzident, im Orient oder auf der anderen Seite des Atlantiks. Mit dieser Prämisse im Lastenheft ist der Charakter, oder auch die Seele des Autos schon klar umrissen. Im italienischen heißt Seele übrigens "Anima" und genau so nennt Lamborghini seinen Fahrerlebnisschalter, der unten im Lenkrad auf die Befehle des Piloten wartet. Drei Alternativen schimmern auf Knopfdruck rötlich: "Strada" (Straße), "Corsa" (Rennstrecke).

Lamborghini Huracan LP 610-4: Hurra, er kann!
Der "Anima"-Schalter mit den verschiedenen Fahrmodi

Der "Anima"-Schalter mit den verschiedenen Fahrmodi

Das Prinzip ist das Gleiche wie bei allen anderen Automobilen mit verschiedenen Fahrmodi: Ja nach Wahl schaltet Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schneller, sind die optionalen magnetischen Dämpfer härter oder die Gasannahme ist direkter. Doch wer von einem Lamborghini spricht, meint Motor und der ist auch beim Huracan eine Wucht. Akustisch und leistungsmäßig. Sägt der 5,2-Liter-V10-Sauger im "Strada"-Modus bei höheren Drehzahlen noch angriffslustig vor sich hin, öffnen sich bei "Corsa" und "Sport" alle Schleusen, sprich die Auspuffklappen und das Grummeln der zehn Trompeten aus Sant\' Agata Bolognese geht in ein ungezügeltes Kreischen, nur unterbrochen vom tiefen bollernden Zwischengas-Knurren beim Runterschalten über. Da das maximale Drehmoment von 560 Newtonmeter erst bei 6.500 U/min anliegt, gibt es bei sportlicher Fahrweise gehörig auf die Ohren.

Doch die italienische 610-PS-Triebwerks-Sinfonie ist nicht nur ein akustischer, sondern auch ein Bewegungsschmaus: Nach 3,2 Sekunden zeigt der digitale Tacho des Huracan 100 km/h an und nach nur 6,7 weiteren Sekunden ist der Flitzer aus der Emilia Romagna doppelt so schnell. Die Tachonadel stoppt erst jenseits der 325-km/h-Marke. Damit das Aggregat möglichst wenig Sprit konsumiert und dabei möglichst viel Drehmoment zur Verfügung stellt, setzen die Ingenieure auf eine Kombination aus Direkt- und Multipointeinspritzung (MPI), garniert mit einem Start-Stopp-System. Das resultiert in einem Durchschnittsverbrauch von lediglich 12,5 l/100 km.

Geradeaus ist keine Kunst. Doch wenn es zügig nach links und rechts geht, trennt sich auch bei den Supersportwagen die Spreu vom Weizen. Um in dieser Kerndisziplin gut abzuschneiden, haben die Italiener einiges in an Technologie in die Sportflunder verbaut. Bei der "Lamborghini-Piattaforma-Inerziale"-Technik (LPI), die aus der Luftfahrt stammt, berichten neun Sensoren ohne Verzögerung den Bewegungsstatus des Fahrzeugs an die diversen Regelsysteme, wie ESP oder den Allradantrieb. "Wir müssen nichts berechnen. Bei uns geschieht alles in Echtzeit", erklärt Dennis Schmitz, Leiter Gesamtfahrzeug bei Lamborghini. So können Roll-, Wank und Neigbewegungen schon im Keim erstickt werden. Zwei zusätzliche Kreiselkompasse im Fahrzeugschwerpunkt überwachen die Drehbewegungen im Raum. Bei konventionellen Anordnungen ist nur ein solcher Sensor verbaut.

Auch der Allradantrieb ist besser. Dank des neuen elektronisch gesteuerten Vorderachsdifferentials fließen nun mit Hilfe der Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent der Antriebskraft nach vorne. Nach hinten sind sogar 100 Prozent möglich. Auch das war bisher nicht drin. Im Normalfall ist der Huracan mit einer Verteilung von 70:30 ohnehin hecklastig ausgelegt. Die Verbesserungen zeigen deutliche Wirkung: Der neue Bulle hat die ausgeprägte Untersteuer-Neigung des Gallardo abgelegt und lenkt freudig ein. Vor allem, wenn die Reifen Betriebstemperatur erreicht haben.

Das Chassis besteht aus einer Hybridbauweise aus Aluminium mit Carbon, ist um 50 Prozent steifer als das des Gallardo und mit einem Gewicht von 1.422 Kilogramm um zehn Prozent leichter. Der Lamborghini ist der erste Sportwagen, der auf dieser neuen MSS-Plattform (Modular Sportscar System) basiert, die zusammen mit Audi entwickelt wurde. Das Resultat dieses Technik-Mix\' ist grandioser Fahrspaß. Musste man den Gallardo noch an den Hörnen packen und notfalls um die Ecke zwingen, lässt sich der Huracan leicht sehr schnell fahren. Die präzise Lenkung könnte allerdings etwas mehr Rückmeldung geben. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für reibungslose Schaltvorgänge. Insgesamt fehlt die Lamborghini-typische Kompromisslosigkeit. Jetzt ist der Stier keine große Herausforderung mehr. Ein Tribut an eingangs erwähnten die globalen Ambitionen.

Der Innenraum macht mit Nachdruck einen auf Flugzeug-Cockpit: Erst, nachdem man einen kleinen Bügel hochgeklappt hat, erreicht man den Startknopf. Bei den Infotainment-Bedienelementen ist die Audi-Verwandtschaft nach wie vor sichtbar. Das frei programmierbare digitale Kombi-Instrument mit dem 12,3-Zoll-TFT Display ist dank der Auflösung von 1440 mal 540 Pixel leicht ablesbar. Auch an das etwas überfrachtete Lenkrad, auf dem sich alle notwendigen Bedienelemente befinden, gewöhnt man sich nach kurzer Zeit. Weniger allerdings an den Hartplastikanteil bei den Belüftungsdüsen und an der Mittelkonsole. Das passt nicht zu einem 202.000-Euro-Sportwagens. Immerhin sind die Sportsitze grandios und das Raumgefühl dank der schmaleren Mittelkonsole luftiger.

Press-Inform / pressinform

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.