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Mercedes B-Klasse: Große Stern-Schnuppe

Die neue Mercedes B-Klasse sieht zwar aus wie ein aufgeblähtes A-Modell, bietet aber mehr Sport-Qualitäten.

Die Unterstellung ärgert Jörg Prigl. "Nein, die B-Klasse ist keine auf geblähte A-Klasse, sie ist eine komplette Neuentwicklung mit längerem Radstand", sagt er. Man merkt, dass Prigl als Entwicklungsleiter für beide Baureihen im Daimler-Chrysler-Konzern auf den Punkt schon öfter angesprochen worden ist.

Muss nervig sein, wo doch die optische Verwandtschaft der B-Klasse zum 43 Zentimeter kürzeren A-Bruder selbst bei oberflächlichem Hinsehen offenkundig ist. Und überhaupt: In welche Kategorie gehört das Auto, das es seit Anfang Juni zu kaufen gibt? Weil keine bekannte Klasse so recht passte, hat das Marketing eine neue erfunden. Es ist ein "Compact Sports Tourer", der die "Weichen stellt für ein junges Marktsegment mit interessanter Zukunft".

Ohne Wortschminke ist die Wahrheit die: Mercedes suchte nach einer Abgrenzung zum härtesten Konkurrenten, dem Golf Plus von Volkswagen. Das ist ein vor allem in der Höhe gewachsener Golf, der vom Raumangebot her dem neuen Mercedes nahe kommt.

Was von der B-Klasse zu halten ist, klärt ein stern-Fahrbericht.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Glanz & Gloria:

mittelprächtig. Die keilförmig nach hinten ansteigende Fensterlinie macht den Wagen zwar schwungvoll-elegant, doch die Mandelaugen-Scheinwerfer vorn sind merkwürdig. Sie sind sehr groß, bilden eine Art Verlängerung des Kotflügels und passen nicht recht zur großen Stupsnase.

Gleiten & Geniessen:

gut. Man fühlt sich wohl auf den Sitzen. Da ist nichts zu weich. Vor allem die Hinterbänkler können sich ordentlich lang machen. Das Fahrwerk (Parabel-Hinterachse) ist angenehm straff. Jedoch gibt's schon mal von Querfugen auf der Straße einen kräftigen Schlag ins Kreuz. Wenig zu meckern ist in Sachen Fahrgeräusche. Die meisten werden prima weggefiltert. Bis auf eins: Wer sich für einen Dieselmotor entscheidet, der hört das charakteristische Nageln des Triebwerks deutlich.

Gas & Spass: überzeugend. Der 200 CDI (Diesel) legt schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig los. Sechsganggetriebe und Lenkung sind klasse. Nichts hakt oder ist irgendwie indirekt. Man spürt den sportlichen Gesamtcharakter, der eine Menge Fahrfreude bringt. Das Geheimnis liegt in der Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk. Die ist so gut, dass sie demnächst auch in der kleineren A-Klasse übernommen wird. Neu sind die Stoßdämpfer, die sich automatisch der Fahrsituation anpassen. Auf der glatten Autobahn sind sie bei Normaltempo in der Komfortstellung. Sobald jedoch ein Zahn zugelegt wird und der stets wachsame Bordcomputer bemerkt, dass es auch in Kurven forsch zur Sache geht, schaltet er um auf straff.

Kind & Kegel: zwiespältig. Einerseits bietet die neue B-Klasse viel Platz. Hinten gibt's Kniefreiheit wie in der S-Klasse. Andererseits hätte die Variabilität im Innenraum besser gelöst werden müssen. So ist die Rückbank nicht, wie bei dem einen oder anderen Konkurrenzprodukt, im Boden versenkbar. Wer auch nur einmal viel Platz braucht, muss sie ausbauen und in die Garage oder gar in den Keller schleppen. Das ist lästig und für einen Mercedes-Van nicht mehr zeitgemäß.

Fazit:

Die B-Klasse hat die Stärke der A-Klasse (viel Innenraum bei kurzer Außenlänge) mitbekommen und zugleich deutlich an Fahrspaß gewonnen. Eine neue Fahrzeugklasse, so wie sich Mercedes das vorstellt, ist dabei jedoch nicht herausgekommen.

Albert Königshausen / print

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