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Nissan 350Z: Windsbraut

Ganz klar: Der neue Nissan 350Z ist ein Machogerät. Wie mag es wohl einer Frau am Steuer des knackigen Roadsters ergehen?

Scharfer Hintern - schön rund, knackig und männlich. Richtig was zum Anschauen und mit nach Hause nehmen. Ein Blick unter die Gürtellinie: zwei silberne Auspuffrohre, dick wie Unterarme. Auf den Reifen prangen die Buchstaben "Potenza". Angeber!

Der Nissan 350Z Roadster ist der Macho unter den Cabrios. Weil Frauen zuweilen auf harte Jungs stehen, bekommt auch er eine Chance. Zur Sicherheit aber nur in Begleitung. Beim Einsteigen plumpse ich mehr in den Sitz, als dass ich mich setze. Die Ingenieure von Nissan nennen das eine "sportlich tiefe Sitzposition". Die harten Lederpolster pressen sich eng an Schultern und Oberschenkel. Innen viel schwarzes Leder, dunkler Kunststoff und Pedale aus gebürstetem Aluminium. Auf dem Armaturenbrett thronen drei kleine Höcker, in denen die Anzeigen für Bordcomputer, Öldruck und Voltmeter stecken. Sieht ein wenig bieder aus. Modern hingegen ist die digitale Stoppuhr. Sie dürfte vor allem verspielte Burschen ansprechen, die zu Hause an der Playstation den Schumi geben. Ebenso ein anderes Detail, das von TV-Nahaufnahmen aus dem Formel-1-Cockpit bekannt ist: Im Armaturenbrett blitzt immer dann eine Lampe rot auf, wenn geschaltet werden soll.

Jetzt das Verdeck auf und los! So schnell geht's leider nicht, denn es ist lästige Fummelei angesagt. Der Knopf für das elektrische Dach liegt versteckt im Fußraum - irgendwo zwischen anderen Schaltern, dem Lenkrad und den eigenen Knien. Sogar kleine Frauenfinger greifen ins Leere. Der erste Versuch: knack, zwar einen Schalter getroffen, aber dennoch daneben gegriffen. Das ESP ist aus, der Schleuderverhinderer. Beim zweiten Anlauf öffnet sich der Tankdeckel. Erst der dritte Griff landet im Ziel. In nur 20 Sekunden geht das Stoffverdeck auf, und der Blick auf den Himmel ist frei.

Nun aber den Motor an. Was für ein Krach! Es röhrt und brummt. Nicht ausgeschlossen, dass Ärger droht, wenn man in einer ruhigen Siedlung wohnt und spät nachts mit dem Roadster heimkommt. Nissan sagt: "Das ist der Sound, den unsere Kunden wollen."

Der Platz im 350Z ist knapp. Ab 170 Zentimeter Körpergröße wird es eng. Ein Handschuhfach gibt es nicht. Nissan sagt: "Die Entwickler haben nicht daran gedacht." Stattdessen ein abschließbares Staufach hinter dem Beifahrersitz. Da passt zwar eine Handtasche rein, aber vor dem Griff nach dem Puderdöschen muss die Beifahrerin oder der Beifahrer aussteigen. An der Mittelkonsole komme ich meinem Mitfahrer nahe. Unsere Arme liegen dicht nebeneinander. Plötzlich wird mir warm am Po. Aus Versehen hat sich der Mann an meiner Seite mit dem Ellenbogen auf den Schalter für die Sitzheizung gestützt.

Auf der Autobahn reizt der Roadster mächtig. Nämlich andere. Die, meist männlich und in eleganten Edelkarossen sitzend, fordern ihn gern zu Wettfahrten heraus. Sie heften sich an die Stoßstange, scheren nach links aus, ziehen gleich und schauen nach rechts. Es folgt der große Auftritt des kleinen 280-PS-Nissan. Einmal kurz auf das Gas tippen, und die Konkurrenten verschwinden im Rückspiegel. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit fährt er wie auf Schienen und beschert Glücksgefühle. Schnell durch enge Kurven? Der Nissan quietscht zwar, bleibt aber sicher in der Spur. Nur bei Unebenheiten fehlt ihm das Feingefühl. Jede noch so kleine Bodenwelle fühlt sich wie ein Schlagloch an. Shiro Nakamura, der Vizepräsident von Nissan, sagt: "Wir wollten, dass die Insassen im Kontakt mit der Straße sind."

Auf dem Parkplatz zieht der Flitzer viele Blicke auf sich. Mit Fotohandys werden Bilder gemacht. Männer streicheln über die Kotflügel oder starren die goldenen Bremssättel an, die durch die Felgen blitzen. Kein Wunder, hat doch die Universitätsklinik für Psychiatrie in Ulm herausgefunden, dass der Anblick von Sportwagen bei Männern dieselbe Hirnregion stimuliert, die auf sexuell anregende Bilder reagiert.

Zum Schluss die Frauenfrage: Wie viel passt in den Kofferraum? Nur eine Golftasche. So steht es auf der Innenseite der Kofferraumklappe. Auf Englisch wird dort erklärt: "How to store a golf-bag." Und Koffer? Nur einer. Etwas schlapp für ein 36 500-Euro-Auto. Aber der 350Z ist eben ein Macho - kein Frauenversteher.

Alexandra Kraft / print
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