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Rücksichtslose Autofahrerin: "#Scheißradfahrer vom Sattel geholt"

Emma Way verursachte einen Unfall, beging Fahrerflucht und brüstet sich damit auf Twitter. Von der Netzgemeinde wurde sie danach gegrillt, vielleicht fiel ihre Strafe darum auch milde aus.

Von Gernot Kramper

Zu rücksichtslos zum Autofahren und zu dumm zum Twittern - das ist Emma Way. Die Britin drängte einen Radfahrer von der Straße und brüstete sich damit auf Twitter. Unter dem hashtag #bloodyciclist - zu Deutsch: #Scheißradfahrer - verkündete sie stolz: "Ich habe vorhin einen Biker von seinem Sattel geholt - Ich hatte Vorfahrt, der zahlt nicht einmal Steuern!"

Emmas Tweet sicherte ihr nicht die erwünschte Bewunderung im Freundeskreis. Er wurde weltweit retweetet und über die junge Frau brach der Zorn des ganzen Netzes herein. Wütende Radfahrer alarmierten Polizei und Medien. Es kam zur Anzeige und die junge Frau verlor ihren Arbeitsplatz.

Harmlose Unfallfolgen

Emma Way hat ihren Fehler sofort eingesehen. In der Gerichtsverhandlung in der letzten Woche zeigte sie sich einsichtig. Vor Gericht in Norfolk bezeichnete sie ihren Tweet als "größten Fehler in meinem Leben". Ihr Glück war auch, dass sie in Wirklichkeit nicht so ein Auto-Rambo ist, wie der Tweet vermuten ließ. Der Radfahrer, Toby Hockley, wurde nur leicht verletzt. Er befand auf sich den letzten Meilen einer langen Trainingsrunde, als er von Emma überholt wurde. Ihr Wagen streifte sein Rad und seinen Arm. Hockley landete in der Hecke, darum blieb es bei kleinen Blessuren.

Twittern ohne nachzudenken

Vor Gericht entschuldigte sich Emma Way für ihren Tweet. Sie sagte, sie sei erst 22, da twittere man schon mal ohne vorher groß nachzudenken. Auf einer Blödheitsskala von eins bis zehn, würde sie sich selbst eine glatte Elf geben. Ob es wirklich Reue war oder nur die richtige Strategie, kann man schwer entscheiden. Vor Gericht kam sie jedenfalls mit einem blauen Auge davon, auch weil sie vorher nie als gefährlicher Fahrer in Erscheinung getreten war. Emma Way wurde zwar zu einer Geldstrafe von insgesamt 667 Pfund verurteilt und erhielt Strafpunkte auf ihrem Führerscheinkonto, aber von der Hauptanklage des rücksichtslosen Fahrens wurde sie freigesprochen.

Im Schneetreiben fährt ein SUV der Polizei mit Blaulicht auf einer Autobahn. Auf der Gegenfahrbahn steht ein Autotransporter.

Das Opfer, Toby Hockley, sagte in der Verhandlung, er sei froh, dass nicht mehr passiert sei. Dass sie damals nicht gehalten habe, habe ihn zwar geärgert, aber auch nicht weiter berührt. Dass die junge Frau wegen des Vorfalls ihre Arbeit verlor, hatte er schon zuvor öffentlich bedauert. Britische Fahrradaktivisten wie Carlton Reid sind weniger zufrieden. Er sagte dem "Independent": "Sechs Monate Fahrverbot wären wohl das Minimum gewesen!”

Richtig zornig wäre Reid gewesen, wenn er schon gewusst hätte, warum Emma Way nach der Verhandlung kein Wort zur anwesenden Presse sagen durfte. Sie konnte ihren Tweet #Scheißradfahrer inzwischen nämlich in einen exklusiven Fernsehdeal verwandeln.

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