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Umfrage Smartphone-Anbindung beim Autokauf wichtiger als Marke

Mit solchen Visioen wollen die Autohersteller zurückschlagen, doch in Massenmodellen werden solche Cockpits unbezahlbar bleiben.
Mit solchen Visioen wollen die Autohersteller zurückschlagen, doch in Massenmodellen werden solche Cockpits unbezahlbar bleiben.
© PR
Das Auto ist nicht mehr das Maß der Dinge. Vor allem jungen Kunden ist die Einbindung von Smartphones und digitalen Diensten wichtiger als der Glanz einer Marke.

Das digitale Erlebnis schlägt die Straßenlage – so einfach kann man die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage interpretieren. Mehr als 1000 Personen über 16 Jahren wurden zum Neuwagenkauf befragt. Digitale Dienste sind demnach kaufentscheidend. Die Umfrage wurde zwar vom Bundesverband Bitkom in Auftrag gegeben, aber das Ergebnis bestätigt einen globalen Trend, der im Automarkt China noch stärker ausgeprägt ist.

Im Auto-Cockpit ist es vor allem wichtig, wie die Benutzeroberfläche des Autos mit dem eigenen Smartphone zusammenarbeitet. 69 Prozent sagen, das sei sehr wichtig oder zumindest wichtig. Vor drei Jahren hatte dieser Anteil schon bei respektablen 55 Prozent gelegen, der Zuwachs ist enorm. Wirklich verwundern kann das nicht. Schließlich findet die Kopplung jedes Mal statt, wenn man sich ins Auto setzt. Wenn es hier hapert, ist das ein ständiger Frustrationsfaktor. Einleuchtend, dass die jüngeren Autofahrer bis 29 Jahre und die 30- bis 49-jährigen besonderen Wert auf die Smartphone-Kompatibilität ihres Wagens legen. Hier steigt der Wert auf 80 Prozent. Nur mit der Freisprechanlage zu telefonieren, genügt nicht. Vor allem die jungen Kunden wollen die ganze Bandbreite des Smartphones nutzen. Ihnen leuchtet nicht ein, dass sie die teure und schlechtere Navigation des Autoherstellers nutzen sollen, die bessere des Smartphones aber nicht auf die Screens der Autos bekommen.

Software ist das neue Herz des Autos

"Das Smartphone ist für viele Menschen zentral für die Organisation ihres Alltags. Wer darauf zum Beispiel seine Kontakte gespeichert hat, möchte diese auch unkompliziert im Auto nutzen und wer zu Hause die Route geplant hat, möchte die Navigation sofort im Fahrzeug auf dem Bildschirm haben“, sagt Dr. Christopher Meinecke, Leiter Digitale Transformation beim Bitkom. "Für alle Fahrzeughersteller gilt: Der Software kommt eine immer größere Bedeutung zu. Nicht nur bei der Steuerung des Fahrzeugs, sondern auch bei der Interaktion."

Für die Autohersteller ist das eine schwer verdauliche Botschaft. Ihre hochpreisigen Autos sind nicht mehr das Maß der Dinge, entscheidend ist, wie sehr die Autos mit einem vergleichsweise billigen Smartphone zurechtkommen.

Die Bedeutung der Marke nimmt dagegen weiter ab. Sie ist 65 Prozent aller Befragten noch ein wichtiges Kaufkriterium. Doch bei den Jüngeren bis 29 Jahre verblasst die Strahlkraft der Marke langsam. Hier finden sie nur 60 Prozent wichtig. Die Autohersteller arbeiten seit Jahren an der Digitalisierung und wollen so nicht nur jüngere Kunden für sich gewinnen. Eine große Herausforderung bleibt es, die Kompatibilität mit den verschiedenen Smartphone-Herstellern und Versionen der Betriebssysteme über die Lebensdauer eines Autos zu erreichen.

Autonomes Fahren ist kein Thema

Doch kommt den klassischen Kriterien wie Marke, Design, Sicherheit oder Preis immer noch eine zentrale Bedeutung beim Autokauf zu. Das Thema Sicherheit war mit 98 Prozent besonders wichtig, dann kamen Komfort, Anschaffungspreis und die Umweltverträglichkeit mit 92, 90 und 89 Prozent. Die Befragten gaben zudem an, dass ihnen auch Navigationsdienste, Fahrerassistenzsysteme oder Stauassistent am Herzen liegen. Hier muss man berücksichtigen, dass die Umfrage in Bezug auf die Bevölkerung repräsentativ ist. Es wurden aber nicht ausschließlich Neuwagenkunden unmittelbar vor einer Kaufentscheidung befragt. Tatsächlich berichten viele Autohändler, dass sich optionale Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme wegen des Aufpreises nur schwer verkaufen lassen. Anders sieht es bei materiellen Extras wie spezielle Farben, größere Felgen oder Ledersitze aus.

Auffällig: Gerade einmal 37 Prozent der Befragten ist das automatisierte Fahren besonders wichtig. Für 79 Prozent ist die Antriebsart des Fahrzeugs ein wichtiges Entscheidungsmerkmal, also die Frage, ob das zukünftige Neufahrzeug mit einem Verbrennungs- oder mit einem Elektromotor ausgerüstet ist. Das Design des Fahrzeugs spielt für 71 Prozent eine wichtige Rolle. Aber die Bedeutung verschiebt sich, das Design soll nicht vorrangig die Marke repräsentieren. "Heute möchte der Kunde mit Designprodukten vornehmlich seine eigene Persönlichkeit unterstreichen und seinen eigenen Lifestyle präsentieren", sagt Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener, "es geht also um die Untermalung der eigenen Individualität und auch um das Selbst-Belohnen und Gönnen des Besonderen."

64 Prozent der befragten Interessenten machen ihre Entscheidung heute von staatlicher Förderung abhängig, eine direkte Folge der momentanen Förderung von E-Mobilen. Die Umfrage bestätigt, dass nach wie vor auch klassische Kauffaktoren eine Rolle spielen. Doch die Bedeutung von Vernetzung und Entertainment nimmt rasant zu. Bei den Jüngeren wird sie zum dominanten Faktor – nach der Sicherheit. Das Sicherheitsversprechen des Fahrzeugs bleibt unangefochten das stärkste Kriterium.

Kra mit Pressinform

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