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Photovoltaik: Warum Chinas Solarautobahn nicht mal eine Woche durchhielt

In China wurde eine Autobahn mit Solarmodulen eingeweiht. Doch schon wenige Tage nach der Eröffnung hatten Diebe die ersten Paneele aus dem Beton gefräst. Die Behörden glauben an Technikspionage.

Bei Straßen mit Solarpanelen muss man mit Schwierigkeiten rechnen. Fällt überhaupt genug Licht auf die Straße? Halten die Paneele es aus, wenn schwere Lkw über sie hinwegdonnern? Zerstören Regen und Frost auf Dauer die Elektronik? 

In China entdeckte man nun, dass zu diesen komplexen technischen Schwierigkeiten auch ganz profane Probleme hinzukommen. Nur wenige Tage nachdem der Solarabschnitt einer Autobahn freigegeben wurde, haben Diebe Teile der Photovoltaik aus dem Straßenboden gehebelt und entwendet. Der nagelneuen Anlage fehlen fast zwei Meter Solarpanel. "Dieser Abschnitt der Anlage wurde inzwischen vom Regen verunreinigt und wir haben aufgeräumt", sagte Bauarbeiter Xu Dehao der Zeitung "Qilu Evening News". Ein Bau-Experte ergänzte: "Sehen Sie sich die sauberen Nähte an, das wurde nicht von Hand gemacht wird, das war ein professionelles Team."

Das Konzept von Straßen mit integrierten Sonnenkollektoren gibt es schon seit Jahren, aber erst seit kurzem haben Städte begonnen, erste Testprojekte zu bauen. In Amsterdam wurde 2014 ein Radfahrweg eröffnet, ein Dorf in Frankreich eröffnete 2016 eine ein Kilometer lange Solarstraße. erprobt nun die Belastung durch schweren Verkehr. Diese Straße wurde mit transparentem Beton übergossen und soll das Gewicht von Kleinfahrzeugen und mittelgroßen Lkw aushalten.

Teure Anlagen

Der etwa ein Kilometer lange Abschnitt der Autobahn kann bis zu einer Million Kilowattstunden pro Jahr erzeugen, genug, um etwa 800 Haushalte mit Strom zu versorgen, so die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. China hat mit 78,1 Gigawatt weltweit die höchste installierte Solarleistung. Leider sind diese Straßen relativ teuer. Auch in China kostet ein Quadratmeter Solar-Autobahn etwa 350 Euro. Der Hersteller rechnet mit deutlich sinkenden Kosten, wenn mehr Solarabschnitte gebaut würden. Unklar ist, aus welchem Grund jemand das Bauteil geklaut hat. Die Anlage einer Solarstraße ist zwar aufwändig und teuer, die eigentlichen Sonnenkollektoren sind dagegen günstig. 

Industriespione in China am Werk

Wegen des professionellen Vorgehens hält die örtliche Transportbehörde  Technologie-Spionage für möglich. Durch den Diebstahl könnte ein Konkurrent das spezielle Know-How in der Ausführung erbeuten. Insbesondere die Schutzschicht aus transparentem könnte interessant sein.

"Die oberste Schicht besitzt eine gute Flexibilität, die sowohl dem Druck großer Fahrzeuge standhalten kann als auch die darunter liegenden zerbrechlichen  Siliziumplatten schützt", sagte Zhang Hongchao, leitender Wissenschaftler bei der Firma Shandong Pavenergy, dem Hersteller der Straße.

Schon bevor die Autobahn eröffnet wurde, gab es Versuche, Komponenten und Technologie zu stehlen, ergänzte ein anderer Mitarbeiter von Shandong Pavenergy. Fremde Männer seien oft auf der Baustelle herum gewandert und hätten das Projekt fotografiert. "Selbst nachdem das Projekt gebaut ist, stehlen die Leute immer noch", sagte er. "Das finden wir sehr beunruhigend."

Kra
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