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Abgasskandal: Wer bei VW zahlen muss? Die Mitarbeiter

Vor dem Diesel-Skandal konnten VW-Werker stolz auf ihr Unternehmen sein: gute Produkte, gute Arbeitsbedingungen, guter Lohn. Das war einmal. Jetzt zahlen sie den Preis für die Unehrlichkeit einiger Führungskräfte.

Die Mitarbeiter von Volkswagen leiden unter den Fehlentscheidungen des Managements

Die Mitarbeiter von Volkswagen leiden unter den Fehlentscheidungen des Managements

Erst im März profitierten die Volkswagen-Mitarbeiter von den hohen Gewinnen ihres Unternehmens: 5900 Euro Gewinnbeteiligung erhielt jeder der 115.000 Beschäftigten, die unter dem deutschen Konzerntarifvertrag arbeiten. In vielen anderen Ländern, in denen Volkswagen Menschen beschäftigt, gab es ähnliche Regelungen.

Die Gehaltsabrechnung mit dieser Zahlung sollten sich die VW-Werker in Wolfsburg und anderswo einrahmen. Es dürfte vorerst der letzte Bonus gewesen sein. Die Prämien für Mitarbeiter werden (anders als beim Management) üblicherweise an den Unternehmensgewinn gekoppelt. Und der ist seit gestern anderweitig verplant: 6,5 Milliarden Euro stellt Volkswagen im dritten Quartal zurück, nur um die Kosten "notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen", abzudecken. Der Betrag ist "ergebniswirksam" - das heißt, der Gewinn wird um die Höhe der Rückstellung gemindert. Angesichts rund elf Millionen betroffener Motoren scheint die Summe nicht zu hoch gegriffen.

Bei Volkswagen geht es um viele Milliarden

Das Bewusstsein, dass man für ein Unternehmen arbeitet, das offenbar mutwillig seine Kunden und auch die Behörden betrügt und aktiv die Umwelt schädigt, ist schlimm. Ganz konkret müssen die VW-Mitarbeiter wohl für längere Zeit auch auf ihre lieb gewonnene Gewinnbeteiligung verzichten. Denn die 6,5 Milliarden Euro sind nur der Anfang:

-  Bußgelder in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar drohen an die US-Umweltbehörde EPA.

-  Außerdem wird es wohl noch Strafverfahren vor US-Gerichten gegen den Konzern geben, möglicherweise verbunden mit empfindlichen Strafen.

-  Nach dem Verlust von fast 50 Prozent des Börsenwertes in nur wenigen Tagen sammeln Anwälte bereits Aktionäre für Schadensersatzklagen, ebenfalls in den USA. Der Konzern habe seine Anteilseigner zu spät über die Probleme informiert, argumentieren sie. Der verlorene Börsenwert erreicht inzwischen höhere zweistellige Milliardenbeträge. Und an diesem Verlust würde der Schadensersatz bemessen.

-  Außerdem prüfen Anwälte Klagen von Kunden, die enttäuscht sind, dass sie mit ihren VW-Dieselfahrzeugen jahrelang unwissentlich die Umwelt verschmutzt haben, obwohl der Konzern sie ihnen mit dem Slogan "Clean Diesel" verkauft hatte. Auch dabei geht es um hohen Schadensersatz.

-  Völlig offen ist außerdem die Höhe des Image-Schadens: Ob auch künftig ein VW teurer verkauft werden kann, als ein Renault oder Fiat, ist völlig offen. Die Nachfrage nach VW-Dieselfahrzeugen brach in Deutschland jedenfalls schon um 30 Prozent ein.

Auf welche Beträge sich das alles summieren wird, kann niemand sagen. Doch in den Familien Porsche und Piech, die über die Porsche SE die Mehrheit der Anteile am Konzern halten, sorgen sich die ersten gar um den weiteren Bestand von Volkswagen. In jedem Fall dürften auf absehbare Zeit die Gewinne weg sein. Ein Debakel für die Mitarbeiter, die nun unter den Manipulationen einiger weniger Konzernverantwortlicher leiden.

Mitarbeiter zahlen für Manager

Ein Beleg dafür, dass ein zu großer Korpsgeist in Konzernen gefährlich ist: Hunderte Mitarbeiter müssen von den Manipulationen zumindest gewusst haben. Sie schwiegen, um der Firma nicht zu Schaden – und erreichten das Gegenteil.

Offenbar wagte es niemand, Kontrollgremien wie Betriebsrat oder Aufsichtsrat rechtzeitig zu warnen. Und auch an die Medien drang von den Problemen nicht mal ein Gerücht. Das System VW hat das verhindert. Mitarbeiter, Kunden und Öffentlichkeit können daher nur hoffen, dass nicht auch in anderen Bereichen des Konzerns manipuliert, geschönt und verheimlicht wurde. Selbst nach der Aufklärung des Diesel-Falles dürfte ein ungutes Gefühl bleiben: Kommt da noch mehr?

Wenn Sie selber Hinweise auf Manipulationen in der Autoindustrie haben, erreichen Sie uns unter politik@stern.de

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.