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Oldtimer Grand Prix: Im Mekka der Rennlegenden

Manche haben 80 Jahre auf dem Blechrücken und gehören trotzdem nicht zum alten Eisen. Nostalgische Karosserieformen, faszinierende Technik und ein unbeschreibliches Motorengeräusch: Beim Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring rollen die Rennlegenden von einst an den Start.

Von Christian Gebhardt

"Wir beide feiern zusammen beim diesjährigen Oldtimer Grand Prix unser 30-jähriges Jubiläum", strahlt Heinz Stege stolz, während er sich über das Herzstück seines Lieblings beugt. Letzte Handgriffe vor dem Start am historischen Aggregat seines Elva 100 "Formel Junior"-Rennwagens. "1975 habe ich das Fahrzeug als Schrotthaufen gekauft und Stück für Stück wieder aufgebaut." Der Beginn für eine ungebrochene Leidenschaft. Seit 1976 hat der Rentner aus Altensteig mit seinem Formel-Boliden aus dem Jahr 1959 keinen Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring verpasst. Steges 90-PS-Bolide startete einst in der ersten preiswerten Einsteiger-Rennserie. Die Formel Junior fördete den Motorsportnachwuchs und gilt auch nach ihrer Namensänderung 1964 in Formel 3 als eines der wichtigsten Sprungbretter auf dem Weg ins "Formel 1"-Cockpit. "Ich wollte mir eigentlich einen richtigen Sportrennwagen kaufen, Porsche, Ferrari, Maserati, aber die sind viel zu teuer", beschreibt der 68-Jährige seine Entscheidung für den damals günstigen Formel-Rennwagen.

Heilig's Blechle

So günstig ist der historische Schatz von Peter Iversen nicht. Der dänische Porsche-Liebhaber schätzt den Wert seiner Rennflunder auf eine runde Million Euro. "Vom 907 wurden auch nur zwölf Fahrzeuge gebaut." Als Chef einer Porsche-Klassikwerkstatt legt Iversen am edlen Blech täglich Hand an. "Den 907 haben wir komplett restaurieren müssen, allein der Neuaufbau des Motors hat über 240 Stunden gedauert." Offenbar keine Stunde zuviel, wenn man das Strahlen in den Augen des gelerntes VW-Mechaniker sieht. Als er eine Flügeltür des Sportwagens aufschwingt, wird der Blick auf den spartanischen Innenraum mit der unbequem anmutenden Sitzschale frei. Eingezwängt in die enge Schaltzentrale des Achtzylinder-Boliden, kurvten die Piloten 1968 bei mehrstündigen Langstreckenrennen mit 260 PS über die Rennpisten. "Hauptsache es passiert nichts!", ist Iversen größte Sorge heute. Sein geliebter Porsche rollt nicht mehr bei 24-Stunden-Rennen an den Start. Aber auch zwei Rennen à 30 Minuten können bei regnerischem Eifel-Wetter Sorgenfalten produzieren.

Lebende Legende

Rallye-Legende Walter Röhrl liebt das wechselhafte Wetter und den nassen Asphalt um die Nürburg. "Leider gehe ich in diesem Jahr nicht an den Start. Das ist genau mein Wetter und dann raus auf die Nordschleife", bekennt der Drift-Champion und zweifache Rallye-Weltmeister. "So kann man sich mal in Ruhe mit alten Bekannten unterhalten", gewinnt der heutige Porsche-Repräsentant der fahrerischen Flaute etwas Positives ab. Dabei schlendert er durch die versammelte Modellhistorie des Stuttgarter Sportwagenbauers. Vom kugeligen Typ 356, über sämtliche 911er-Modelle, bis hin zum nagelnden Porsche Diesel Traktor mit 14 PS ist alles vertreten. Zahlreiche Porsche-Clubs präsentieren ihre Raritäten, egal ob Rennsportwagen oder Serie.

Schon 1954 fuhren die Flügelflitzer 250 km/h

Neben den Freunde der Zuffenhausener Sportwagen zeigen die "Sternfahrer" ihre Schätzchen. "Als Student hab ich so ein Auto mal über die Maximilianstraße in München rollen sehen, und ich wusste, später willst du so etwas auch mal fahren", erzählt Hans Kleissl. Damals wurde eine lebenslange Leidenschaft zu den schnittigen Automobilen mit den markanten Flügeltüren geweckt. Heute steht Hans Kleissl dem "Mercedes 300 SL"-Club vor. "Diese Autos sind 1954 schon 250 Sachen gefahren, eine unvorstellbare Geschwindigkeit zur damaligen Zeit!" Sein Jurastudium brachte Kleissl noch zu Ende, aber dnach musst es ein Automobil-Beruf sein. 1984 gründete er den Restaurationsbetrieb "HK-Engineering" für "Mercedes 300 SL"-Fahrzeuge. "Früher habe ich die alten Fahrzeuge gekauft, als sie noch günstig waren. Habe die Autos dann öfters an Münchner Filmstudios verliehen", blickt der SL-Enthusiast zurück. Heute hat seine Firma, neben 30 Mitarbeitern, die in mühevoller Handarbeit die alten Wagen warten und restaurieren, sogar eine eigene Rennsportabteilung. Das Kalkül ist schwäbisch und sparsam: "Das Unfallrisiko bei Oldtimer-Rennen ist sehr hoch, wir bauen daher schrottreife Fahrzeuge mit neuen Karossen wieder auf und gehen mit diesen an den Start bei historischen Rennveranstaltungen."

Das beste Fahrzeug aller Zeiten

Auch Franz Seidl fürchtet Unfallschäden an seinen BMW M1-Modellen. Zwar fehlen den BMWs vom Team ah-racing, die der Motoren-Techniker aus München betreut, noch wenige Jahre bis zum dreißigsten Geburtstag und dem Aufstieg vom Youngtimer in das Oldtimer-Dasein, kostbar sind die flachen Rennwagen mit dem ausladenden Heckflügel schon jetzt. "Der M1 ist ein fantastisches Auto, die Kurvenlage ist unbeschreiblich. Für "Ex-Formel 1"-Pilot Nelson Piquet ist der BMW M1 das beste Fahrzeug, das er je gefahren ist", freut sich der Motorenspezialist. "Die 470-PS-Motoren sind gescheit gemacht und sehr haltbar", verrät der Münchner. Die BMW-Aggregate liefen zwischen 1979 und 1980 in der Procar-Serie im Rahmenprogramm der Formel 1. Damals traten die fünf trainingsschnellsten "Formel 1"-Piloten und ausgewählte Privatfahrer in technisch identischen M1-Boliden gegeneinander an.

Hommage an längst vergangene Rennsporttage

Die Angst um die kostbaren Automobil-Schätze wird beim sogenannten Le-Mans-Start vergessen. Startfreigabe - dann sprinten die Oldtimer-Freunde, wie einst die Piloten beim legendären 24 Stunden Rennen, auf ihre Boliden zu. Hechten hinein, rasen mit ohrenbetäubendem Motorengeräusch los - alles ist so wie früher. Auch wenn das Fahrerfeld aus Sicherheitsgründen in der ersten Kurve anhält und sich für den heute üblichen Grand-Prix-Start aus dem Stehen entscheidet. Sicher ist sicher.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.