Rolls-Royce "Phantom" Englischer Lord mit BMW-Genen


Die Nobelmarke Rolls-Royce, Inbegriff von englischem Luxus, wird jetzt von BMW gebaut. Der neue «Phantom» wird von einem 338 kW/460 PS starken V12-Motor mit 6,75 Liter Hubraum angetrieben.

Die Nobelmarke Rolls-Royce, der Inbegriff von englischem Luxus, wird jetzt von BMW gebaut. Am Freitag enthüllte der Münchner Konzern im englischen Goodwood das neue Modell erstmals vor der Fachpresse. Der bisher unter dem «Decknamen» RR 01 bekannte «Phantom» wird von einem 338 kW/460 PS starken V12-Motor mit 6,75 Liter Hubraum angetrieben. Die Briten, die 1998 beim Verkauf an VW noch lautstark protestiert hatten, nahmen es diesmal mit Fassung. Schließlich fährt inzwischen sogar Prinz Charles Audi, und die Queen hatte sich zum Goldenen Thronjubiläum von VW einen Bentley spendieren lassen.

BMW tut aber auch alles, um die britische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Rolls-Royce-Tradition voll gewahrt bleibt. Weißblaue Sitzbezüge, wie die englische Presse einmal gescherzt hatte, wird es nicht geben, auch wenn einige Bauteile in der BMW- Fabrik in Dingolfing hergestellt werden. «Es gibt keine Verbindung zwischen dem Fahrgefühl des neuen Rolls-Royce und dem eines BMW», versicherte Projektleiter Tony Gott. «Wenn jemand einen Rolls-Royce kauft, dann kauft er ein Produkt, das anders als jeder andere Wagen ist.»

Spitze 240 Kilometer pro Stunde

Der «Phantom» wird als «perfekte Verbindung von traditioneller Meisterschaft und moderner Technik» angepriesen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 Kilometer pro Stunde. Das Design orientiert sich mit langer Motorhaube und mächtigem Kühlergrill an den typischen Rolls-Royce-Formen. Neu sind die Fondtüren, die gegenläufig zu den Vordertüren öffnen und ein bequemes Ein- und Aussteigen ermöglichen sollen. Die geflügelte Silberlady über dem Kühlergrill («Emily»), die den Geist der Ekstase verkörpern soll, ist erhalten geblieben. Der Preis beträgt - ohne alle Extras - 320 000 Euro. Gern verweist BMW auf den Leitspruch von Firmengründer Sir Henry Royce: «Die Qualität bleibt lange, nachdem der Preis vergessen ist.»

Jährlich sollen etwa 1000 «Phantom»-Limousinen in der fast 100 Millionen Euro teuren neuen Fabrik in Goodwood hergestellt werden. Die Fabrik, ein «Musterbeispiel für grüne Architektur», liegt ganz in der Nähe des einstigen Wohnortes von Sir Henry. Im bisherigen Rolls- Royce-Werk in Crewe baut VW nun ausschließlich Bentleys. In einem spektakulären Coup hatte sich BMW 1998 für 40 Millionen Pfund die Namensrechte ab 2003 gesichert, obwohl VW vorher die Firma Rolls- Royce aufgekauft hatte.

Sinkendes Interesse an der Marke

In England hat das Interesse an der Marke seit der Übernahme durch die Deutschen stark nachgelassen. Kritiker haben BMW vorgeworfen, man könne nicht einfach ein völlig neues Auto entwerfen und ihm dann den Namen Rolls-Royce geben. Schon seit vielen Jahren heißt es allerdings, Rolls- Royce habe zwar viele Bewunderer, aber nur wenige Käufer.

BMW hofft, den Absatz durch die Erschließung neuer Käuferschichten steigern zu können. «Die Vorstellung, dass ein Rolls- Royce nur etwas für alte Leute ist, wird über den Haufen geworfen werden», sagte Gott. Doch auch VW zielt mit seinen sportlicheren Bentley-Modellen auf die Zielgruppe gut betuchter über Vierzigjähriger ab. Dazu kommt noch DaimlerChryslers neuer Maybach. Es wird wohl eng im Fuhrpark der Reichen und Schönen.


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