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ADAC-Umweltranking: Erdgas schlägt Hybrid

Eine Revolution beim Eco-Ranking des ADAC. Ein Erdgas-Passat stößt den Toyota Prius mit Hybridantrieb vom Umweltthron. stern.de erklärt, was dieses Ergebnis für den Kampf um den Antrieb der Zukunft bedeutet.

Der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel Trendline konnte als erstes Auto überhaupt fünf Sterne im ADAC EcoTest erreichen. Damit wurde der Dauerspitzenreiter Toyota Prius 1.5 auf den zweiten Rang verweisen. Der ADAC sieht im Passat das derzeit umweltverträglichste Auto in Europa. Der Wolfsburger entzückte die Tester bei der Schadstoffprüfung und beim realitätsnah gemessen Verbrauch.

Zukunft ist offen

Eine Aussage, welches System das größte Potenzial für die Zukunft hat, lässt sich aus dem Ergebnis nicht ableiten. Der Glaubenskrieg der Systeme wird durch eine Momentaufnahme nicht entschieden. Der Prius ist inzwischen in die Jahre gekommen und behauptet immer noch Platz zwei im Ranking. Der Test lenkt den Blick aber auf das Potenzial des Erdgasantriebes, der in den letzten Jahren im Schatten der revolutionären Elektrotechnik stand. Trotz unbestreitbarer Vorzüge ist der Erdgasantrieb immer das hässlichen Entlein geblieben. Für Schlagzeilen ist die Technik vermutlich einfach zu unspektakulär.

"Mit einem Verbrauch 4,9 Kilogramm Erdgas liegt der Passat beim CO2-Ausstoß deutlich vor dem besten gemessen Diesel in seiner Klasse. Unserer Meinung nach ist da bei Entwicklung der Erdgasmotoren noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht", betont ADAC-Sprecher Christian Buric. Der ADAC-Test bewertet Fahrzeuge nach ihrer Klasse. "Der Passat erreicht ein Top-Ergebnis in der Mittelklasse. Aber natürlich ist das ein eher großes Fahrzeug für Langstreckenfahrer. Wenn man nur auf die absolute Belastung der Umwelt schaut, haben kleinere Autos einen natürlichen Startvorteil", erläutert Buric die Logik des Tests. Tatsächlich kann man beim ADAC-Test ein Übergewicht der Mittelklasse bei den guten Ergebnissen feststellen. Den Bedürfnissen der Vielfahrer scheint der ADAC systematisch einen sehr hohen Stellenwert einzuräumen. Klein- und Kleinstwagen tauchen erst im Mittelfeld auf.

Eigene Systematik

Jedes Jahr wird eine Unzahl von Umweltrankings aufgestellt. Der ADAC-Test gehört zu den wenigen Rankings, für die jedes Fahrzeug eigens getestet wird. "Bei uns im Test sind Faktoren dabei, die der Gesetzgeber so nicht vorsieht. Wir schauen auch nicht einseitig nur auf den CO2-Ausstoß, sondern beziehen andere Schadstoffe mit ein", sagt Buric. "Und natürlich haben wir die Möglichkeiten intensiv selbst zu testen, das kann nicht jeder. So kommen wir zu eigenen Werten. Der ADAC ist nicht darauf angewiesen, die Daten der Hersteller zu übernehmen und auszuwerten."

In Zukunft, wenn auch reine Stromfahrzeuge auf dem Markt sein werden, wird sich der Test diesem Antrieb anpassen. "Sobald reine Stromautos am Markt sind, muss man die ganze Bilanz betrachten. Nur zu sagen, da kommt nichts aus dem Auspuff, dann ist alles prima, wird nicht reichen", so Buric. Denn eines ist jetzt schon bekannt. Wenn der Strom aus Kohlekraftwerken kommt, wird ein Stromfahrzeug "dreckiger" sein als ein Diesel. Ein Elektroauto wird nie sauberer sein als der Strom, den es verbraucht.

Wie auch der zweitplazierte Prius ist der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel Trendline ein normales Serienfahrzeug. Im Vergleich zum Technologieträger von Toyota kann der Passat aber nicht nur auf eine ausgezeichnete Umweltbilanz verweisen, er ist obendrein auch noch sehr günstig im Unterhalt. "Unsere Kunden sind Leute, die sehr kostengünstig unterwegs sein wollen. Im Vergleich zum Benziner spart man 50 Prozent der Kosten, beim Diesel sind es noch 30 Prozent", sagt Peter Weisheit, Volkswagen Sprecher für Fahrzeugtechnologie. "Das Einsparvolumen ist auch für Firmenflotten interessant. Aber genau wie bei Einzelfahrern steht auch bei Flottenkunden der Umweltaspekt mehr und mehr im Vordergrund." Die Topplazierung beim ADAC werde helfen, das Thema Erdgas mehr in den Köpfen zu verankern. "Die Euphorie für den Stromantrieb mag zu verstehen sein. Aber Berichte, in denen steht, in 10 bis 15 Jahren fahren wir alle elektrisch, sind unrealistisch. Das stimmt einfach nicht."

Großes Potenzial durch Biogas

Tatsächlich hat der Passat noch gar nicht sein gesamtes Potenzial beim Test entfaltet. Der Motor läuft auch mit Biogas. Wer Bio tankt, bewegt den Wagen weitgehend CO2-neutral. Und auch wenn, wie es bereits geschieht, Biogas dem Erdgas beigefügt wird, verbessert sich die CO2-Bilanz des Wagens entsprechend. Reichweitenprobleme wie mit reinen Batterieantrieben kennt der Passat. Zur Not läuft der Motor mit Benzin.

In Zukunft wird es beim Thema umweltgerechter Mobilität spannend bleiben, schon weil sich in den nächsten Jahren die Zahl der alternativen Antriebsmodelle erhöht, die in Serie gehen. Für den ADAC sagt Buric: "Auch Sicht eines unabhängigen Testers ist nicht entschieden, ob die Zukunft bei Benzin, Diesel, Erdgas, Hybrid oder Strom liegen. Wir sagen klar, die Bemühungen müssen jetzt weiter gehen, sich in jeder Disziplin weiter zu verbessern."

Kra

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