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Auto-Überraschung: Sie machte mich zur Öko-Sau

SUVs sind teuer, unpraktisch und verbrauchen zuviel. Wer kauft diese Dinger überhaupt? stern.de -Redakteur Gernot Kramper weiß, aus welchem Grund die Geländeviecher auf die Straße kommen: Weil man seiner Frau eine Freude machen will.

Zu spüren war es schon länger. Bohrende, geradezu lähmende Unzufriedenheit der Gattin. Zum Glück nur am Steuer, sie schaltete nachlässig, bremste abrupt und haderte ganz im Allgemeinen mit dem Familienwagen. Mit fünf Jahren war er nicht mehr der Jüngste, auch schon etwas angewohnt, eigentlich aber Top in Schuss. Alles in allem, ein Wagen wie ich selbst. Unser Opel Zafira. So praktisch und so zuverlässig - nie gab es einen Grund zur Klage. Und trotzdem: Irgendwie fehlt es dem Guten an Sexappeal.

Ein runder Geburtstag steht ins Haus, was liegt also näher, als "ihr" ein neues Auto vor die Einfahrt zu stellen. Der erste Gang führt zur Opel. Schließlich gibt es keinen Grund zur Klage. Sondermodelle, Extraausstattung und beste Konditionen. Nach einer halben Stunde bin ich überzeugt: Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen. Extrakosten im 36-Monatsleasing liegen unter 100 Euro, die Erdgasvariante für ökologische Sparfüchse kommt kaum teurer und fährt - Steuersubvention sei Dank - praktisch für die Hälfte. Ein schöner Wagen, nach wie vor ist das variable Innenraumkonzept perfekt und die Zweitauflage des Babybombers fährt auch ganz flott.

Papa-Einfallslos

Babybomber. Ihre beste Freundin legt den Finger in die Wunde. "Ach ja, Gernot. Sehr schön, da wird sie sich bestimmt freuen. Aber ist das nicht wieder so ein Hausfrauenauto?" Wumms, das saß. Wo soll die Überraschung herkommen, wenn der Nachfolger in die Garage rollt. Einfallslos, wie nur ein Ehemann sein kann. Der neue Minivan - das ist wie ein neuer Staubsauger zu Weihnachten nur in teuer.

Was tun, um das Licht der Zufriedenheit in "ihr" leuchten zu lassen? Der sparsame Gasantrieb könnte höchstens einen Achtungserfolg einfahren. Wie wäre es dann, mit den vielbeschworenen Ökomodellen? Dem Hybrid-Prius oder einen Mini-Co2-Ausstoß-Wagen von Volkswagen? Die Werbung ist voll mit glücklichen Öko-Fahrern, die harte Realität daheim sieht anders aus. Ich sehe mich schon mit der Gebrauchsanweisung in der Hand: "Du Schatzi, der stößt nur 125 Gramm CO2 aus. Das ist doch toll!" Ein gelangweiltes "Ja sicher, Liebling" wäre alles, was ich erwarten könnte. Nein. das geht nicht, so mache ich meine Frau nicht glücklich. Selbst ein iPod-Anschluss würde mehr Eindruck machen. Es kommt, wie es kommen muss. Die beste Freundin: "Du weißt doch, steht sie nicht auf diese SUVs? Mit so einem Geländewagen .." Jedes weitere Wort ist überflüssig, die Freundin lächelt selig, auch sie ist vom Offroad-Vorstadt-Virus infiziert.

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Würden Sie wegen des Spaßfaktors zum teureren Wagen greifen?

Viagra für die Dame

Große Reifen, der Hauch von Abenteuer, anstelle des Geruchs von Kinderwindeln. Was nützt es da, dass ein Ford S-Max viel Platz bietet und ein Mondeo Turnier toll fährt? An Alternativen von BMW und Audi brauche ich nicht denken, so weit reicht das Redakteursgehalt leider nicht. Alle reden vom Klimawandel, aber im Handel legen die SUVs von Jahr zu Jahr zu. Welche Fahrzeuge haben koreanische Hersteller in der Mittelschicht salonfähig gemacht? Natürlich die grobstolligen Soft-Offroader, bei ihnen mussten die Kunden zeitweise sogar Schlange stehen und lange Lieferzeiten in Kauf nehmen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Für die einen werden die Geländegänger immer gewaltiger wie Jeep Commander, Mercedes GL und Audi Q7. Für die anderen kommt die Offroadpracht demnächst als Billigmodell aus China. Und ganz aktuell: Der Hand zum Edel-Kompakt-SUV. Endlich Gelände für den Single und den Zwei-Personen-Haushalt. Nun also auch ich, aber was nutzt es, sich dem Gang der Dinge entgegenzustellen?

Etwas Pepp im Alltag

Frauen schätzen durchaus nicht nur SUVs, auch Sportwagen und Cabrios werden nicht von der Bordsteinkante geschuppst. Aber sobald der Wagen familiäre Transportpflichten erfüllen muss, lichtet sich das Feld. Zur Wahl stehen Minivans, Kombis und eben SUVs. Die Minivans sind sicher sehr praktisch, aber sei sehen nach "Baby an Bord" aus. Mit ihnen kann weder Frau noch Mann stilecht vor Oper oder Disco vorfahren. "Sexappeal" gibt es leider auch als Extra nicht. Ähnliches gilt für den normalen Kombi. Diese Klasse riecht nach Außendienstler. Kombis mit Statusgewinn (Etwa 5er Touring 535 d) gibt es auch, leider sind sie nicht billiger als ein SUV. Dass sie mehr Fahrdynamik bieten, nutzen die wenigsten Fahrer aus. Ein SUV hingegen strahlt Sicherheit aus und bietet sie auch. Im Zweifel sitzen Hüfte und lebenswichtige Organe höher über der Straße und – ganz gleich was die Testanordnungen sagen – in der Praxis garantiert das schiere Gewicht häufig einen günstigeren Schadensverlauf. Frauen (und ach Männer) schätzen die hohe Sitzposition, die Übersicht über die Straße und das entspannte Fahren, denn zum Rasen verführt ein SUV nicht. Obendrein rangiert man in der inoffiziellen Hackordnung auf den Straßen ganz weit oben. Keiner gibt es zu, aber natürlich ist es wahr: Mit einem alten Golf wird man abgedrängt, nicht reingelassen und sonst wie drangsaliert. Bei einem Q7 oder einem großer Landrover geht kaum jemand freiwillig auf Kollisionskurs. Am Ende spricht für den SUV genau das, was scheinbar gegen ihn spricht: Man braucht ihn nicht wirklich. Und trifft das nicht die Definition von "Luxus"?

Wer fragt nach den Fakten?

Fragen nach Sinn und Nutzen greifen zu kurz. "Von der Sache her.. " Ja, seit wann interessiert sich meine Frau für "die Sache"? Spaß soll es machen, so sieht die Sachlage aus. Nach einem Abend hatte ich mich dann entschieden: ein Suzuki Grand Vitara soll es sein. Immerhin nicht ganz so gewaltig, als ernsthafte Alternative stand immerhin der "Jeep Wrangler Unlimted" vor der Tür. Trotz seiner unbestreitbaren Bestwerte in Disziplinen wie Steigfähigkeit und Wattiefe, ließen 14 Liter Diesel mich dann doch vor dem Amerikaner zurückschrecken. Der Suzuki hat immerhin auch unbestreitbare Vorzüge. Etwa ein von außen angebrachtes Reserverad. Das sieht toll nach Ponderosa aus, aber man kann die Klappe auf einem engen Parkplatz nicht öffnen. Dafür gibt es Geländereduktion und eine Sperre des Mittendifferenzials für "extremes Gelände." Da sehe ich über den rumpeligen Diesel und die Trommelbremse hinten gern hinweg.

Überraschung vor der Tür

Und hat es sich gelohnt? Und wie, der SUV ist mit voller Wucht im Vorgarten eingeschlagen. Am Kompliziertesten war es, das Überraschungsmoment zu wahren. Dazu mussten Fahrzeugpapiere und Ausweise aus der Handtasche entwendet, Unterschriften trickreich organisiert werden, Versicherungen verborgen um- und abgemeldet werden. Damit das geheime Kommandounternehmen nicht vorzeitig aufflog, hat die Gattin-Mutter sogar eine ebenfalls geheime Parallelaktion mit einem zweiten Überraschungspaket - "Strandkorb" - eingefädelt. Und dann, Augen verbinden, raus vor der Tür. Und der Lohn der Mühen: "Was ist das?" Pause, lange Pause. "Ja echt, für mich ja wirklich! Oooh, geil. Du bist ja süß. Oh, nee!!"

Gernot Kramper

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