Autofinanzierung Jetzt kaufen, später zahlen


Benzin geschenkt, keine Zinsen oder null Anzahlung: Die Verlockungen der Autohäuser klingen attraktiv. Doch wer über eine Autofinanzierung nachdenkt, sollte solche Angebote sehr genau prüfen
Von Elke Schulze

"Uns ist es egal, ob Sie bar zahlen oder einen Kredit aufnehmen", sagt die Verkäuferin mit der akkuraten Frisur. Demonstrativ dreht sie den Bildschirm auf die andere Seite des Beratungstisches herüber und sagt: "14 Prozent Rabatt bekommen Sie in jedem Fall." Wow, und das, ohne danach zu fragen. "Es sei denn, Sie möchten die günstigste Finanzierung in Anspruch nehmen, dann müsste ich zwei Prozent abziehen." Aha, dann sind es also nur 12 Prozent Nachlass, weil ein Unterschied gemacht wird zwischen Rabattierung und Finanzierung. Der anthrazitfarbene Golf hinten in der Verkaufshalle eines Hamburger VW-Händlers wäre ohne Feilschen doch nicht so günstig zu bekommen.

"Kleine Neuwagen im Trend liegen"

Die Autohersteller kämpfen mit sinkenden Verkaufszahlen und müssen deswegen demnächst zeitweise sogar Werke schließen. Eine Kennzahl dafür, wie es am Markt aussieht, sind die Zahlen der privaten Neuzulassungen. Nach Berechnungen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sank dieser Wert von 47,4 Prozent im Jahr 2006 auf 38,1 Prozent 2007. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Deutschen ihre Autos so lange fahren, wie es geht. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei 8,3 Jahren. Insbesondere große Spritschlucker sind Ladenhüter. Nur Kleinwagen legen noch zu. Helmut Blümer, Verbandssprecher des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, sagt, dass 2008 "kleine Neuwagen im Trend liegen", während die obere Mittelklasse bei den Neuzulassungen zweistellig verliere. VW versucht daher, beim derzeit nur schleppend verkäuflichen Touran die Spar- und Klimakarte zu spielen, indem der Familienvan auch als Erdgasvariante angeboten wird. Dieser Treibstoff ist deutlich billiger als Benzin oder Diesel.

Günstige Finanzierungsmodelle sind weitere Lockmittel, um Lust auf Neuwagen zu machen. Immerhin werden drei Viertel der Neuwagenverkäufe in Deutschland auf Finanzierungsbasis abgewickelt. Deswegen trommeln die Hersteller in Zeiten des Abschwungs auch stark für diese Form des Autokaufs. Ford beispielsweise bietet eine "Flatrate" an: null Anzahlung, geringe Zinsen, null Wartungskosten. Ähnlich attraktiv klingt das "Barsparen" von Fiat. Wer sich für einen neuen italienischen Flitzer entscheidet, spart ebenfalls die Anzahlung, der Kredit wird zinsfrei gewährt, und in den ersten zwölf Monaten werden noch nicht mal Raten fällig. Motto: "Kaufe jetzt, zahle später". Mazda und Volkswagen verlangen zwar noch Zinsen, aber bei nur knapp zwei Prozent wird man schnell schwach. Kia lockt mit Gratistanken für ein Jahr. Und der Hamburger Autohändler Dello schenkt allen Käufern die Mehrwertsteuer und verstaut sogar noch einen Satz Winterräder kostenlos im Kofferraum. Ratenkredit, Flatrate, Privatleasing oder doch besser bar zahlen? Halten die Traumkonditionen, was sie versprechen? Der stern hat genau hingeschaut.

Ratenkredit und Mischfinanzierung

Die gängigste Methode, ein Auto zu kaufen, läuft über den Ratenkredit. Dabei einigen sich Käufer und Verkäufer auf einen Zeitraum, innerhalb dessen der Kaufpreis mit monatlichen Zahlungen getilgt wird. Nach der letzten Rate gehört einem das Auto. Einige Autobanken lassen sich darauf ein, die Ratenzahlung auf bis zu sechs Jahre zu strecken. Bei niedrigen Zinsen oder solchen Krediten, die sogar auf Anzahlungen verzichten, kann sich das durchaus lohnen, da die Raten umso geringer sind, je länger der Kredit läuft. Andererseits: Wer etwa einen Ford Focus über vier Jahre bei knapp 7 Prozent Zinsen abstottern will, muss monatlich 316 Euro zahlen (siehe Tabelle)!

Auch die Mischfinanzierung aus Kredit und Leasing ist beliebt: die sogenannte Drei-Wege-Finanzierung. Deren Raten betragen nur rund die Hälfte eines klassischen Kredits. Angebote mit besonders niedrigen monatlichen Summen wie zum Beispiel 99 Euro bei VW oder 79 Euro für einen Toyota Yaris nehmen zu. Hier wird zunächst nur für die Nutzung gezahlt. Am Ende der Finanzierungsdauer entscheidet er sich für eine der drei Möglichkeiten:

  • Entweder wird das Auto mit einer Schlussrate abgelöst, dann geht es in den Besitz des Kreditnehmers über;
  • oder es wird ein Folgekredit aufgenommen, um damit die verbleibende Summe weiter zu tilgen;
  • oder der Wagen wird, wie beim Leasingvertrag, einfach zurückgegeben.

Risikolos ist keine der Varianten. Die niedrigen Monatsraten sind zwar verlockend, dafür wird am Ende eine hohe Schlusszahlung fällig, die etwa 40 Prozent des Kaufpreises beträgt. Auch die Restsumme mittels eines Anschlusskredits zu finanzieren hat seine Tücken. In der Regel schnellt der Zinssatz dafür in die Höhe. Grund: Zinskonditionen für einen Gebrauchtwagen sind generell schlechter als bei einem Neuwagenkauf. Bleibt die Möglichkeit, den Wagen zurückzugeben. Ist das Fahrzeug jedoch in einem schlechteren Zustand als bei Vertragsabschluss oder wurden mehr Kilometer abgespult als vereinbart, muss nachgezahlt werden. Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt: "Der Verbraucher trägt das Restwertrisiko."

Nicht von niedrigen Raten locken lassen

Die Stiftung Warentest fand bei einem Finanzierungsvergleich von 25 Anbietern im April heraus, dass der Kunde am Ende nicht viel mehr als beim Barkauf zahlt. Andrea Hoffmann aber warnt: "Man darf sich vor allem von niedrigen Raten nicht locken lassen." Letztlich komme es darauf an, wie viel Auto man sich leisten kann. Die Faustformel lautet: Die monatliche Belastung sollte nicht mehr als 15 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Wer nicht aufpasst, dem wird bei der Günstig-Finanzierung auch eine Restschuldversicherung oder ein Wartungsvertrag untergejubelt. Diese All-inclusive-Nummer hat auch die Dame beim Volkswagenhändler in Hamburg drauf. Sie macht sofort klar, dass es den günstigen Finanzierungszinssatz von 1,9 Prozent für den Golf in der Ecke nur in Verbindung mit einer Vollkaskoversicherung bei der VW-eigenen Versicherungssparte gibt. Kostenpunkt: fast 80 Euro im Monat. Und dann noch das Aktionspaket für Wartung und Inspektion. "Das ist gut kalkulierbar. Wenn Sie zur Inspektion kommen, zahlen Sie nichts mehr extra!" Macht weitere knapp zehn Euro im Monat.

Als Mann wäre man jetzt wohl noch auf das kostenlose Premiere-Abo (sechs Monate Bundesliga) hingewiesen worden, das ebenfalls Teil des Vertrags ist. Aber das verkneift sich die VW-Verkäuferin. Auf Nachfrage räumt sie ein, dass in der Darlehenssumme noch eine Restschuldversicherung einkalkuliert ist. Das ganze Paket kostet zusätzlich zur Kreditrate rund 100 Euro im Monat. Da bleibt von den günstigen 1,9 Prozent nicht mehr viel übrig. Eine Vollkaskoversicherung kostet bei der Deutschen Internet Versicherung für den Golf nur etwa die Hälfte: 42 Euro im Monat

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