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Citroen C6 C6 HDI 240: Mehr Power für den großen Gleiter

Mehr Kraft gab es noch nie beim Citroen. Die Franzosen huldigen nicht dem Leistungswahn der deutschen Nachbarn und so kann der neue Dreiliter-V6-Diesel als stärkstes Citroen-Triebwerk aller Zeiten gelten und doch "nur" überschaubare 241 PS und 450 Nm abliefern.

Mehr Kraft ist auch wirklich nicht nötig, denn bei Citroen hat man aus diesem Triebwerk und dem C6 keine Maschine gemacht, die vor Kraft nicht rollen kann, sondern ein Muster müheloser Gelassenheit.

Der C6 sieht nicht nur anders aus als alle anderen, er fährt sich auch nicht so wie andere Fahrzeuge aus der oberen Mittelklasse. Sicher sind die Zeiten, in denen die hydropneumatische Federung, alle anderen Systeme deklassierte, lange vorbei, aber dennoch: Der C6 schwebt auf ihr mit einer unnachahmlichen Eleganz davon. Angeschoben von einem famosen Triebwerk, das zudem sehr speziell auf den Charakter dieses Wagens abgestimmt wurde. Mitbewerber hätten soviel Power einem Rest an undomestizierter Wildheit belassen – nicht so Citroen. Im Zusammenspiel mit der Sechs-Gang-Automatik treibt dieser Motor den Wagen wahrlich souverän voran. In einem Zug geht es von Tempo 20 km/h bis über die 200 km/h-Marke. Ohne merkliche Anstrengung und ohne Gepolter – eine schöne Art anderen davonzufahren. All zuviel Komfort in der Kurvenlage lässt sich mit der "S"-Abstimmung unterdrücken. Bei Bedarf lässt sich das Fahrwerk in zwei Stufen nach oben fahren, dann ist die Spitzengeschwindigkeit begrenzt, dafür kann das elegante Großschiff aber leichten Fußes über Feldwege wandern, ohne aufzusetzen. Bei ersten Fahrten wirkt die Lenkung sehr indifferent, nach einiger Zeit hat der Wagen den Fahrer "erzogen" und sie wirkt durchaus passend. Der lange Wendekreis bleibt einem erhalten. In engen Parkhäusern fühlt sich der C6 nicht wohl.

In seiner gesamten Lebensdauer wurden etwa 3500 Einheiten des C6 in Deutschland zugelassen, ein nicht geringer Teil davon geht auf Ausstellungsfahrzeuge und Eigenzulassungen. Nicht nur teutonische Ignoranz verhindert den großen Durchbruch des großen Franzosen. Auch innere Schwächen sorgen dafür, dass der C6 etwas für eine Klientel mit besonderem Geschmack bleibt. Zunächst fällt auf, dass dieser ewig lange Wagen (4,91 Meter Länge und 1,9 Tonnen Gewicht) im Innenraum irgendwie kleiner ist, als man es von der oberen Mittelklasse gewohnt ist. Während Wagen wie die neue E-Klasse deutlicher "kastiger" werden, um so mehr Platz aus der Länge herauszuholen, huldigt der C6 der schlanken Linie. Das bleibt nicht ohne Folgen. Insbesondere der Kofferraum gerät sehr klein. Das optionale verstellbare Einzelgestühl im Fond verhindert das Umklappen der Rücklehne, was dann bleibt, ist eine sehr schmale Durchreiche aus dem Kofferraum. Der Knöpfchendschungel, den die Vollausstattung auf der Mittelkonsole hinterlässt, wirkt wenig zeitgemäß und fummelig.

Den Erfolg in Deutschland verhindert auch der Rabauken-Charakter der deutschen Fahrer, die etwas mehr Krawall der puren Eleganz vorziehen. Tut man das nicht, kann man sich vom C6 einwickeln lassen. Beim mühelose Reisen über lange Distanzen zeigt sich die große Stärke des Citroen. Die Kräfte reichen durchaus, dem einen oder anderen germanischen Dienstwagendrängler allein zurückzulassen. Ein Familienauto ist der C6 ohnehin nicht und für zwei Personen reicht der kleinere Kofferraum allemal aus. Für den C6 spricht zudem die Rundum-Ausstattung in der Premium-Ausstattung. Die Listenpreise sehen zwar recht stattlich aus – der Testwagen lag bei etwa 54.000 Euro – aber bei Citroen ist der Listenpreis noch nie das Ende der Welt gewesen.

Gernot Kramper
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