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Elektroantrieb: Die langsame Revolution

Auf Messen drängen sich die Konzeptfahrzeuge mit Elektroantrieb. Tatsächlich verkauft werden jedoch nur wenige Exemplare. Dabei soll die Mobilität aus der Steckdose das Weltklima retten. Nach Ansicht der deutschen Hersteller wird das allerdings noch dauern.

Von Stefan Grundhoff

Zu Recht wird europäischen und besonders den technikverliebten deutschen Autoherstellern vorgeworfen, dass sie den Hybridtrend verschlafen haben. Auch das Thema Elektroantrieb war für viele Entwicklungsabteilungen und Vorstände bis vor kurzem gleichermaßen ein rotes Tuch. Gründe gab es durchaus. Nicht zuletzt, weil sich in der Akkuindustrie wenig tat, setzte man weiter auf solide Verbrennungsmotoren.

Und selbst die lange Jahre unangefochtenen Benzinmotoren gerieten in den 90er Jahren arg ins Hintertreffen. TDI, Commonrail und Co. machten es möglich, dass aus ehemals trägen Dieselstinkern forsche Fahrzeuge mit sportlichen Hochleistungstriebwerken wurden. Neben dem neu gewonnenen Selbstzünder-Fahrspaß gab es obendrein noch einen geringen Verbrauch. Diesel schien das europäische Allheilmittel. Diese Illusion hielt an bis zum Anstieg der Kraftstoffpreise und der Niveauangleichung zu Benzin und Super. Jetzt trommeln Asiaten und Amerikaner für neue Visionen. Spartenmodelle wie ein Tesla Roadster oder ein Chevrolet Volt werben für die E-Mobilität. Die heraufziehende Dämmerung des Ölzeitalters und diese PR-Offensive geht auch an den deutschen Prestigefirmen nicht vorüber.

"Wir entwickeln Mobilität weiter", ließ BMW-Vorstand Dr. Norbert Reithofer jüngst verkünden, "2009 bringen wir mit dem X6 den ersten BMW Hybrid. Den neuen BMW 7er werden wir ebenfalls als Hybrid anbieten. Auch künftige Fahrzeugkonzepte wie der BMW X1 und der PAS stehen gleichermaßen für Freude am Fahren und hohe Effizienz." Zugleich ließe Audi die Autoindustrie aufhorchen, weil der Audi Q7 nun doch nicht als Hybrid auf den Markt kommen wird. "Audi wird den Hybrid-Antrieb erstmals beim Audi Q5 in Serie bringen", blickt Audi-Sprecher Udo Rügheimer in die Zukunft, "Audi überspringt den Zwischenschritt mit einer NiMH-Batterie in einem Q7 Hybrid. Durch die Konzentration der Entwicklungsarbeit auf den Audi Q5 können alle Audi-Modelle, die auf dem modularen Längsbaukasten aufbauen bis hin zum Voll-Hybrid elektrifiziert werden.

Der Weg zur emissionsfreien Mobilität

Doch anders als Amerikaner und Japaner verlieren die deutschen Hersteller den so effizienten Dieselantrieb nicht aus den Augen. Er garantiert geringe Verbräuche, hohe Reichweiten auch bei hohen Geschwindigkeiten. Hier bringt der vergleichweise schwere Hybridantrieb nicht die erwünschten großen Vorteile. Das sieht im Stopp-and-Go-Betrieb in überfüllten Megastädten wie Los Angeles, Tokio oder New York ganz anders aus. Hier kann ein Hybridfahrzeug regelmäßig im Elektromodus fahren und spart so gegenüber den mächtigen Spritschluckern von einst.

Das klappt jedoch auch mit gezieltem Downsizing, Direkteinspritzung, entkoppelbaren Nebenaggregaten oder eine Start-Stopp-Automatik. Die neue Luxuslimousine BMW 730d soll sich auf 100 Kilometern mit kaum mehr als sieben Litern Diesel zufrieden geben. Das bietet derzeit kein anderes Auto dieser Klasse.

Fahrzeuge mit einem rein elektrischen Antrieb dürften mittelfristig allein bei Klein- und Citymobilen eine Chance haben. Entsprechende Modellprojekte wie von Elektro-Smarts in London gibt es bereits. Weitere sollen folgen. "Noch in diesem Jahr fahren 500 Minis mit reinem Elektroantrieb auf den Straßen. Das ist der nächste konsequente Schritt auf dem Weg hin zu einer emissionsfreien Mobilität", erklärt Dr. Norbert Reithofer", wir wollen damit elektrisch angetriebene Mobilität deutlich näher an das heute gewohnte Fahrerlebnis heran bringen. Ein weiterer Schritt soll ein echtes "Mega City Car" sein." Audi malt mit dem geplanten Kleinwagen A1 ebenfalls eine mögliche Elektroversion in den Sand. Mittlere Reichweiten sind nach Ansicht des Elektronik-Zulieferers Bosch für Konzepte mit einem Range Extender geeignet, während gerade bei längeren Distanzen weiterentwickelte Diesel- und Benzinmotoren noch für lange Zeit mit ihrer Leistungsfähigkeit, bei gleichzeitig günstigem Verbrauch, Bestand haben dürften.

Gute Tankstelleninfrastruktur

Bei Volkswagen ist längst entschieden, die viel beachtete Kleinwagenstudie "Up" auch mit Elektromodul auf den Markt zu bringen. Prof. Leohold, Leiter der Volkswagen Konzernforschung: "Nach großen Fortschritten in der Batterietechnologie in den letzten Jahren zeichnet sich momentan ab, dass Elektrofahrzeuge wesentlich schneller in den Markt eingeführt werden können. Ein Grund dafür ist sicherlich die im Fall des Elektrofahrzeuges einfache und im Wesentlichen vorhandene Infrastruktur des Betankens. Eine solche Tankstelleninfrastruktur fehlt für die Wasserstoffbrennstoffzelle völlig." Die Zeit, bis Elektro-Fahrzeuge einen merklichen Teil der Mobilität bestimmen, wird nach Ansicht von Volkswagen jedoch erst im weiteren Verlauf des nächsten Jahrzehntes anbrechen. Bis dahin wird mit Start-Stopp-Systemen, Mild-Hybrid, Full-Hybrid, Twindrive-Plug-In eine zunehmende Elektrifizierung aller Fahrzeuge erfolgen.

Frank Weber, Ingenieur und Manager und bei General Motors zuständig für das Elektroauto-Projekt Chevrolet Volt: "Wenn man eine neue Technologie einführt, ist der Aufwand größer als sonst. Aber der Start in Europa wird zeitnah hinter dem US-Launch erfolgen. Auch Opel wird die Technik anbieten. Bis 2012, wie vielfach kolportiert, muss man sicher nicht warten." "Sehr langfristig betrachtet haben Wasserstoff und / oder die reine Elektrifizierung die besten Zukunftsaussichten" berichtet Monika Wagener, der Ford Europa verantwortlich für Zukunftstechnologien. Das Schlagwort "Strom" allein löst nicht alle Probleme. "Die große Frage bleibt, wie die effiziente Erzeugung von Elektrizität auf Basis regenerativer Energien in Mengen gelingt, die den Mobilitätsbedarf der Gesellschaft decken. Bis eine signifikante Marktdurchdringung erreicht ist, wird eine verbesserte Nachhaltigkeitsbilanz bei Fahrzeugen hauptsächlich durch die Optimierung herkömmlicher Antriebe erzielt werden müssen durch Beimischungen von Biokraftstoffen, Downsizing von Motoren, Leichtbau sowie durch Hybridisierungsmaßnahmen."

Mittelfristig führt kein Weg an Diesel- und Benzinfahrzeugen vorbei

Auch Mercedes setzt auf Elektrokomponenten. Im kommenden Jahr kommen Mercedes S- und M-Klasse mit Hybridantrieb auf den Markt. Und auch mittelfristig arbeitet man an "Stromern": "Elektrifizierung von Fahrzeugen ist bereits seit vielen Jahren integraler Bestandteil unserer Roadmap für nachhaltige Mobilität. Daher verfügen wir hier auch bereits über umfassende Erfahrungen und Know-how", so Dr. Thomas Weber, im Entwicklungsvorstand im Hause Daimler, "wir verfolgen dabei eine modulare Antriebsstrategie, die abhängig vom Einsatzprofil und den Anforderungen kombiniert wird. Damit stellen wir sicher, dass bei uns immer der Kundennutzen im Fokus steht - ob in der Stadt-, im Überland- oder Reiseverkehr."

Es bleibt abzuwarten, wer mit welcher Antriebsart das Rennen machen wird. Zuliferer Bosch erwartet einen Weltmarktanteil von Hybrid- und Elektrofahrzeugen im Jahr 2015 von gerade einmal drei Prozent. An effizienten Diesel- und Benzinfahrzeugen wird daher mittelfristig kein Weg vorbei führen.

Ein stärkeres Wachstum des Elektro-Segments ist allerdings nicht ausgeschlossen, wenn auch auf eher unfreiwilliger Basis. Wenn die gewohnte Mobilität nicht mehr zu bezahlen sein sollte, könnte der Kunde notgedrungen zu Kompromissen sein, die er heute noch ablehnt. Zurzeit kann man nur spekulieren, zu welchen Einschnitten man bei Komfort, Reichweite und Sicherheit bereit sein wird. Aber wenn die Alternative "Fahrrad" oder "per pedes" lautet, wird man sich von manchen Standards trennen können.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.