HOME

Gebrauchtwagen: Die alten Säufer

Gebrauchte werden nur aus einem Grund gekauft: Sie sind billiger als Neuwagen. Sparsamer sind sie darum nicht. stern.de zeigt, wie man herausbekommt, was ein Gebrauchter konsumiert.

Von Christoph Schwarzer

7,11 Millionen Deutsche haben letztes Jahr ein gebrauchtes Auto gekauft. Die Zahl der vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) so genannten "Besitzumschreibungen" lag damit auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Damals waren es gepusht von der Wiedervereinigung 8,74 Millionen. Und jeder Käufer musste und muss grübeln: Kann ich mir den Traumwagen aus zweiter Hand leisten? Bei Versicherung und Steuer ist die Rechnung leicht und transparent. Anfrage genügt. Aber was ist mit dem Spritverbrauch – waren früher nicht alle Wagen Säufer?

Berechnung aus den CO2-Emissionen

Bei neueren Gebrauchten gibt der Fahrzeugschein einen Anhaltspunkt. Unter Position V.7 stehen die CO2-Emissionen in Gramm pro Kilometer. Sie lassen sich leicht in den Normverbrauch umrechnen. Imaginäres Beispiel: 138 g/km. Da beim Spritkonsum jeder in hundert Kilometern rechnet, muss man das Ganze erst mal mit hundert multiplizieren. Ergebnis hier: 13800 Gramm oder 13,8 Kilogramm. Bis zu dieser Stelle geht es noch ohne Taschenrechner. Aber jetzt muss der Wert entweder durch 2,65 (Diesel) oder durch 2,36 (Benziner) geteilt werden. Das Ergebnis entspricht dem Normverbrauch (hier: 5,2 Liter Diesel oder 5,8 Liter Benzin).

Normverbrauch meist zu niedrig

Normverbrauch, da war doch was? Richtig, der wird im "Neuen Europäischen Fahrzyklus" NEFZ ermittelt und ist nur bei Menschen mit sehr sanftem Gasfuß und ruhigem Gemüt der Realwert. Und weil bei den Messfahrten nie schneller als 120 km/h gefahren wird und auch sonst kein Zusatzverbraucher eingeschaltet ist, weicht die Wirklichkeit fast immer deutlich nach oben ab. Bei der "auto, motor und sport" hält der Lexus GS 450 Hybrid mit 60,8 Prozent Abweichung den Rekord. Immerhin: Der NEFZ ist besser als der alte Drittelmix, bei dem die Werte aus Konstantfahrten bei 90 und 120 km/h plus dem Stadtverkehr zu einem Mondwert kombiniert wurden.

Persönliche Verbrauchswerte

Eine mögliche Lösung für das Problem gibt es im Internet: Auf Seiten wie spritmonitor.de hinterlassen Tausende ihre persönlichen Verbrauchswerte und geben dazu ihren Nutzungsbereich an: Stadtverkehr, Landstraße oder Autobahn, dazu die Außentemperatur und ob sie geheizt oder geschlichen sind. Das Spektrum der protokollierten Verbräuche ist weit. Beim einem aktuellen Opel Astra mit Benzinmotor reicht es von 6,3 bis 10 Litern. Durchschnitt: 7,4 Liter. Das zeigt nicht nur, dass das größte Einsparpotenzial zwischen den Ohren des Fahrers sitzt. Sondern auch, wo man sich selbst kritisch und korrekt einordnen kann. Also einfach das aktuelle Auto nehmen, bei spritmonitor.de oder vergleichbaren, typspezifischen Seiten reinklicken und prüfen: Bin ich im unteren, mittleren oder oberen Drittel der Heizer? Das Ergebnis ist dann auf den Wunschwagen übertragbar.

Problemfall Uralt-Wagen

Alles Rechnen ist vergebens, wenn die Schlurre extra-alt ist. Da verändern mangelnde Wartung und Verschleiß gerne mal den Verbrauch nach oben. Ein Luftfilter, der keine Luft durchlässt. Ein Vergaser, der Luft reinlässt, wo sie nicht rein soll. Alte Reifen, die steinhart sind und trotzdem miese Reibwerte haben. Verschlissene Lager, die den Wagen auch ohne Bremsen schnell zum Stillstand bringen. Motoröl, das zäh wie Honig ist. Und, und, und plötzlich ist die Überraschung da: Das Ding säuft wie ein Loch. Also Vorsicht bei den Oldies. Wenn diese Schnäppchen in Anzeigen mit dem Hauptvorzug "fahrbereit" beworben werden, sollte jedem Interessenten klar sein, dass man hier kaum etwas erwarten kann. Meist lassen sich die Mängel nicht heilen, jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten.

Dreistes Manöver: Instant Karma: Dieser ungeduldige Fahrer überholt das falsche Fahrzeug

Alt kann auch sparsam sein

Eine Freude kann dem Gebrauchtwagenkäufer aber niemand nehmen. Die der guten Gesamtkostenbilanz. Ein moderner Kleinwagen vom Schlag eines Toyota Aygo kostet mindestens 10.000 Euro. Normverbrauch 4,6 Liter. Für kleine 3.000 Euro gibt es dagegen bereits zum Beispiel einen schneidigen 5er BMW aus den 90ern. Der nimmt zwar gerne das Doppelte und mehr zu sich. Aber auch, wenn man höhere Steuer und Versicherung plus Reparaturreserve einrechnet, muss man die Differenz erst mal reinfahren.

p.s.: Ein Audi 80 Diesel hat übrigens in den 80er schon fünf Liter genommen. Wer nicht dauernd in umweltzonengeschützte Innenstädte muss, findet auch bei den alten Autos die Nipper zwischen den Schluckern.

Wissenscommunity