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Schluss mit dem Gefummel Die Handschaltung stirbt aus - endlich!

Der Handschaltung droht das Aus. Gut so. Wir wurden lange genug mit Kupplung und Schaltgefummel gequält. Autofahrer sollten sich darüber freuen.

Das Ende des Handschalters kommt unausweichlich – damit geht für jeden von uns eine Ära zu Ende. In Deutschland wurden die Fahrer auf Handschaltung geeicht. Schon in der Fahrschule gibt es Automatik nur in Ausnahmen und auf Wunsch: Denn für die normale Fahrerlaubnis musste man Kupplung und Schaltknüppel beherrschen. Wer mit Automatik gelernt hat, durfte dann auch nur mit Automatik fahren. Die ersten Stunden am Steuer waren für das Anfahren-Üben reserviert. Kupplung treten – Gang einlegen und Kupplung laangsam …. Abgewürgt. Eine spätere Stunde widmete sich dann dem Komplex "Anfahren am Hang".

Nichts als Ärger 

Frustrierende Erfahrungen , die nur die wenigsten in guter Erinnerung haben dürften. Doch nach einigen Jahren hatten wir uns dann so an den Schalter gewöhnt, dass wir ihn nicht mehr missen wollen. Die älteren Semester kennen auch noch die Drei-Gangs-Wandler oder gar die verrückte Variomatik–Systeme, die dem Motor gefühlt die halbe Leistung geraubt haben. 

Aber wenn wir ehrlich sind: Das ist alles Vergangenheit.  In der Theorie verbraucht die Automatik noch ein Quentchen mehr Sprit. Vielleicht gibt es auch eine Handvoll Rallyefahrer, die besser und schneller schalten. Nur:  Ich gehöre nicht dazu. Wer sollte den Knüppel auch vermissen? Nostalgiker, die den Zeiten nachtrauern, als ein Wagen beim Bremsen in der Kurve sich gern wie ein Kreisel drehte? Oder die gern wieder einmal blubbernd Zwischengas geben würden, bevor sie einen Gang einlegen dürfen?

Der Preisvorteil verschwindet

Beim Rest von uns ist es schlicht der Preis, der uns manuell schalten lässt. Je nach System und Hersteller kostet mehr Schaltkomfort zwischen 1000 und 2500 Euro Aufpreis. Bei einem Kleinwagen ist das ein deutlicher Aufschlag. Aber sollten sich Verhältnisse wie in den USA bei uns durchsetzen und umgekehrt ein Aufschlag für den nostalgischen Handschalter verlangt werden, dürfte er sang- und klanglos verschwinden. 

Geht damit ein Kulturgut unter? Um auf diese Idee zu kommen, muss man schon ziemlich verstrahlt sein. Wenn in Zukunft nur noch Elektroautos rollen, wer wird dann brummende Diesel in der Stadt und schwarze Wolken an der Ampel vermissen? Am Ende setzt sich immer die Bequemlichkeit durch: Klimaanlage statt Schwitzen und Servolenkung anstelle von Muskelschmalz.

Rückkehr als Spielkram

Zum Glück kehrt beim Auto alles als spaßige Simulation zurück, was der Fortschritt vorher über Bord geworfen hat. Das ESP verhindert, dass ein Wagen sich dreht, aber auf Wunsch lässt die Elektronik einen kecken Hüftschwung beim forschen Einbiegen zu. Total ungefährlich und doch so archaisch. Selbst das Zwischengas wird simuliert: Der Computer jagt total sinnlos einen blubbernden Gasstoß durch den Auspuff. Und wer will, darf auch bei der Automatik an Schaltwippen oder Ganghebeln fummeln. Wer weiß, vielleicht gibt es bald noch ein künstliches Getriebequietschen.

Nachtrag: Einige Leser wiesen auf die hohen Reparaturkosten von Automaten und DSG-Getrieben hin. Das ist richtig. Es ist aber nicht so, dass es gehäuft Probleme mit Automatik oder DSG-Getrieben gäbe. Ohnehin muss man sagen, dass Probleme, die sich erst beim dritten Besitzer nach zehn Jahren einstellen, die Erstkäufer eines Autos nicht beeindrucken.


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