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Auto-Getriebe: Jetzt Abschied nehmen - Die Handschaltung stirbt aus

Eine Hand am Lenkrad, die andere auf dem Schaltknüppel – so hat man in Deutschland Fahren gelernt. Nun verschwindet die Handschaltung, auch, aber nicht nur, weil das Elektroauto sie nicht braucht.

Der Schaltknüppel zählt zu den aussterbenden Arten.

Der Schaltknüppel zählt zu den aussterbenden Arten.

Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und ... abgewürgt. In Deutschland haben die meisten das Autofahren in einem Fahrzeug mit Handschaltung gelernt. Zeit Abschied zu nehmen, denn in Zukunft werden die Gänge automatisch eingelegt – wenn es denn überhaupt noch ein Getriebe geben wird.

Elektroautos

Fahrzeuge mit Elektromotor machen kurzen Prozess mit der Handschaltung. Ein Elektromotor braucht weder Getriebe noch Kupplung noch Schaltung. Er dreht einfach von Null hoch. Gangwechsel überflüssig. Grundsätzlich ist es denkbar, dass Stromer irgendwann über mehr als nur einen Vorwärtsgang verfügen. Das könnte dazu dienen, den Motor immer im möglichst effizienten Drehzahlbereich laufen zu lassen. In der Theorie lässt sich so der Verbrauch reduzieren. In der Praxis müssen Mehrkosten, Gewicht und Reibungsverluste der Bauteile gegengerechnet werden, zumal das hohe Drehmoment von Strommotoren höhere Anforderungen an Getriebe und Kupplung stellt. Aber selbst, wenn es zum Elektromotor mit Getriebe kommt, wird es mit Sicherheit keinen Schaltknüppel geben.

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Piotr Degler hatte nicht damit gerechnet, so viele Wagen zu finden, die nicht dem klassischen US-Straßenkreuzer entsprechen.

Piotr Degler hatte nicht damit gerechnet, so viele Wagen zu finden, die nicht dem klassischen US-Straßenkreuzer entsprechen.

Autonomes Fahren

Soll das Auto selbst lenken, müssen Lenkung und Bremsen durch die Elektronik angesteuert werden. Wenn der Fahrer selbst nicht mehr am Lenkrad kurbelt, muss diese Aufgabe ein Motor übernehmen können. Genauso ist es bei der Schaltung: Das Roboterauto muss selbst den Gang wechseln, der klassische Schalthebel, gedacht für die Bedienung mit Muskelkraft, hat keinen Platz im autonomen Auto. 

Länder voller Schaltmuffel

In den USA und Asien stehen Handschalter - außer bei besonderen Sportfahrzeugen - nicht hoch im Kurs. Die Kunden schätzen die Bequemlichkeit. Wer nicht mit der Handschaltung aufgewachsen ist, tut sich mit einem Umstieg ohnehin sehr schwer. Da diese Märkte immer bedeutender werden, rutscht der Stellenwert der Handschalter in der Planung der Hersteller immer weiter nach hinten.

Doppelkupplungsgetriebe

Das DSG-Getriebe (Doppelkupplungsgetriebe) ist keine klassische Automatik, sondern ein Mehrganggetriebe, bei dem die Gänge automatisch eingelegt werden. Automatisierte Schaltgetriebe gab es schon länger, der typische Ruckler beim Gangwechsel machte einen größeren Erfolg aber zunichte. Beim DSG werden zwei Teilgetriebe eingebaut, das führt zu einem vollautomatischen Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung. Ergebnis: Fühlt sich an wie eine aufwändige Automatik, ist aber billiger. Das DSG-Getriebe hat etwa in Deutschland erstmals die Kombination kleinerer Motoren mit einem automatischen Gangwechsel populär gemacht.

Schneller und sparsamer

Die Zeiten einer lahmen Dreistufen-Automatik sind lange vorbei. Eine moderne Automatik oder ein DSG-Getriebe wechselt die Gänge beziehungsweise Schaltstufen schneller als ein menschlicher Fahrer. Gleichzeitig arbeitet sie schonender und verbraucht weniger, weil sie den Motor länger mit der optimalen Drehzahl arbeiten lässt. Immer mehr Verkehr findet zudem in den überfüllten Städten statt. Freunde des Handschalters hängen an einer "gefühlten Sportlichkeit", doch bei Anfahren und Abbremsen im Stop-an-Go-Verkehr nerven Kuppelung und Schalthebel selbst die hartgesottensten Schaltfans.

Bald auch billiger

In Deutschland ist ein Handschalter derzeit mindestens 1500 Euro billiger als jede Form von Automatik. Besonders bei günstigen Modellen ist das ein Grund, doch lieber beim Schaltknüppel zu bleiben. Im US-Markt sieht man, dass immer mehr Hersteller dem Handschalter den Rücken kehren. Das hat Folgen: Eine Erhebung des "Consumer Reports" zeigt, dass die Marktpreise für Handschalter häufig über denen des gleichen Modells mit einer Automatik liegen. Wenn diese Entwicklung nach Europa schwappt, stirbt der Handschalter quasi über Nacht aus. Denn wer - außer ein paar Nostalgikern - würde bei einem Ford Fiesta 1200 Euro zusätzlich bezahlen, damit er weniger Schaltkomfort hat? 

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