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Helmpflicht für Radfahrer: Schnuller für alle

Helm auf für Radfahrer! Das ist das Gebot der Stunde von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Endlich, noch mehr Gängelei. Darauf hat der Bürger nur gewartet.

Eine Glosse von Arno Luik

Es ist höchste Zeit, dass in diesem Land noch ein paar Verbote erlassen werden. Ja, mehr Verbote braucht das Land. Um die Bürger noch mehr zu schützen. Vor sich selbst zu schützen. Vor ihrer Dummheit. Ihrer Dussligkeit. Wir brauchen eine neue Volkserziehung, noch viel mehr erigierte Zeigefinger, die uns sagen: Mach dies! Mach jenes! Lass aber das! Trink keinen Alkohol auf den Straßen! Trink kein Bier in der U-Bahn! Fahr ja nicht Rad – fahr ja nicht Rad ohne Sturzhelm!

Helm auf! Das ist das Gebot der Stunde. Nicht nur in Afghanistan. Sträflicherweise gibt es noch immer helmfreie Zonen im Land. Da ist die Politik gefordert. Noch immer dürfen Kleinkinder hierzulande krabbeln und gehen lernen – ohne Helm auf dem Kopf! Dabei weiß doch jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind, wie verdammt gefährlich das ist, wie schnell die Babys beim Versuch, den aufrechten Gang zu üben, auf Bauch, Po und die Köpfe fallen. Also Helmpflicht für alle Babys über neun Monate – von morgens bis abends!

Und: Wo passieren denn die meisten tragischen Unfälle? Im Haushalt! Also, verdammt nochmal, höchste Zeit, dass die Politik auch da schützend eingreift: Hausfrauen am Herd, Hausmänner am Kochtopf, überall lauern Gefahren und gar der Tod – Helmpflicht also auch für sie!

Ramsauer – ein Mann voll Ehrgeiz und Ideen

Helmpflicht auch für Studenten. Für Studenten? Ja, zumindest für jene, die in schlagenden Verbindungen sind. Unglaublich was für unfassbaren Gefahren sich die Burschen beim Hauen, Stechen und Schlagen aussetzen. Die Elite von Morgen gefährdet sich. Was für Schäden mit Dauerfolgen da passieren können! Und damit sind wir bei Peter Ramsauer, CSU.

Er ist Mitglied einer schlagenden Verbindung. Er ist Bundesverkehrsminister, Herr über einen Etat von knapp 30 Milliarden Euro. Er ist ein Mann voll Ehrgeiz und voller Ideen und auch voller Sprachwitz. Er schafft es (obwohl er dafür eines auf den noch helmfreien Kopf kriegen müsste), Sätze wie diese zu kreieren: "Wir können es uns in Deutschland nicht leisten, auf Dauer in der Fläche Substanz auf Verschleiß zu fahren."

Nein, Verschleiß auf die Dauer in der Substanz – das können wir uns nicht leisten. Und so möchte der Herr Minister, dass für Radfahrer das Tragen von Helmen zur Pflicht wird. Das ministerielle Argument: Von zuletzt 450 toten Radfahrern im Jahr sei jeder Zweite an Kopfverletzungen gestorben.

Die Leute verlieren die Lust am Radeln

"Dramatisch" habe die Zahl der getöteten Radfahrer zugenommen. Wo hat der Minister seine Daten bloß her? Keine Ahnung. Dramatische Zunahme? Das Statistische Bundesamt macht ganz, ganz andere Angaben. Danach geht die Zahl der tödlich verletzen Fahrradfahrer seit Jahren zurück: Kamen 2002 noch 425 Radfahrer um, waren es 2010 381 Menschen – obwohl der Radverkehr stark zugenommen hat. Auch die Zahl der verletzten Radfahrer ging in dem Zeitraum um über 13.000 zurück – auf zuletzt 65.192. Zum Vergleich: 211.556 Autofahrer verletzten sich 2010 bei Unfällen. Und viele, viele, viel zu viele Autofahrer starben - trotz Airbag und Sicherheitsgurten – an Kopfverletzungen. Ein weites Feld also für den Verkehrsminister – da könnte, nein, müsste er doch sofort die Helmpflicht einführen, sich vielleicht sogar an etwas ganz Merkwürdiges wagen: eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen und in Städten?

Was der Minister übrigens wissen könnte, nein, wissen sollte: In Ländern mit Helmpflicht für Radfahrer ging die Zahl der Verletzen anders als erhofft nicht zurück. Aber etwas geschah dort: Die Leute verloren die Lust am Radeln. Das Radeln bekam ein anderes Image: Plötzlich galt es – völlig zu unrecht – als unsicher und gefährlich. Und Radfahrer wurde in Ländern mit Helmpflicht tatsächlich das – viel unsicherer. Die Behelmten halten sich für unverwundbar. Sie fahren schneller und rücksichtsloser. Das zeigte unlängst auch eine internationale Studie. Ihr Ergebnis: In Ländern, in denen wenige Radler Helme tragen, gib es mehr Radfahrer, aber merklich weniger Verletzte pro geradelten Kilometer.

Es ist paradox

Warum also bloß will dieser Minister eine Helmpflicht? Was soll dieser Aktionismus? Hat dieses Handeln vielleicht mit Frust in der großen Politik zu tun? Damit, dass die Politik in den wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen kaum mehr Antworten findet, schlimmer noch, sie sich in den vergangenen Jahre bei den großen und wichtigen Fragen immer handlungsunfähiger gemacht hat?

Es ist ja paradox: Einerseits liberalisiert, dereguliert die Politik wichtige Bereiche – etwa das Banken- und Finanzwesen. Sie baut da Sicherungen ab, lässt ein Hauen und Stechen, ein wildes Spekulieren zu, lässt dem Gierig-Wölfischen im Menschen freien Lauf – bis das ganze System am Abgrund steht. Aber die Politik steht den selbst geschaffenen Problemen der Finanzmärkte hilflos gegenüber, weiß nicht, was zu tun ist, eiert hilflos herum.

Und handelt, wo es nichts zu handeln gäbe. Gängelt die Bürger mit kleinlichen Verboten und Geboten. Übt sich in Ersatzhandlungen. Und entmündigt ihre Bürger, die zur Arbeit oder einfach nur herumradeln wollen, immer mehr.

Helm auf und Schnuller her - so werden Erwachsene zum Kleinkind.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.