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Hybridtechnik Stuttgart 21 - die Zukunft von Porsche


Nächstes Jahr stellt Porsche seinen neuen 911er vor. Im Frühjahr 2012 folgt der nächste Boxster. Alle Baureihen danach sollen Hybridtechnik bekommen. Sparsam ja - weniger Leistung nein.

"Das Thema Downsizing heißt bei uns nicht Downscaling - so etwas wird es bei uns nicht geben", ermahnt Dr. Heinz-Jacob Neußer, Direktor Porsche-Powertrain, seine Mannen zu unbeirrter Sportlichkeit. Heißt, kleinere Hubräume und weniger Zylinder sind auch bei Porsche denkbar, doch weniger Leistung soll es bei den Zuffenhausenern nicht geben. Unmöglich erscheint ein Boxster oder gar ein Porsche 911 mit einem aufgeladenen Vierzylinder-Boxer als Einstiegsmotorisierung dagegen nicht. "Wenn man zurückschaut ist abzulesen, was wir auch in Zukunft fortführen werden", ergänzt Neußer energisch, "bei jedem neuem Modell oder einer Modellpflege gab es mehr Leistung und weniger Verbrauch. So werden wir es auch weiterhin machen."

Nach den kommenden Generationen 911 und Boxster / Cayman, die in den nächsten beiden Jahren vorgestellt werden, soll mittelfristig in jeder Porsche-Baureihe ein ebenso leistungsstarkes wie effizientes Hybridmodell verfügbar sein. Zudem soll eine Turboaufladung nicht allein dem absoluten Topmodell der Baureihe vorbehalten bleiben. Wolfgang Dürrheimer, Entwicklungs-Chef bei Porsche: "Wenn die Hubräume wegen der gesetzlichen Vorgaben kleiner sein müssen, bleibt für uns allein die Aufladung."

Normverbrauch von unter neun Litern

So wird die nächste Generation des Porsche 911, die im kommenden Herbst auf der IAA ihre Premiere feiern soll, nicht nur über Direkteinspritzung und Turboaufladung verfügen. Unter anderem dürfte es regenerative Bremssysteme, entkoppelbare Nebenaggregate und eine Start-Stopp-Automatik geben, die bei Panamera und Cayenne bereits verfügbar ist. Ein Normverbrauch von unter neun Litern auf 100 Kilometern trotz 350 PS und rund 300 km/h Spitze dürfte der sportlichen Konkurrenz die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die gleichen technischen Komponenten halten danach bei der nächsten Generation von Boxster und Cayman Einzug, die 2012 die aktuellen Modellgenerationen ablösen. "Alle neuen Triebwerke werden bei uns aufladefähig sein", unterstreicht Antriebs-Mann Dr. Heinz-Jacob Neußer.

Auf dem Weg zu sparsameren Motoren hilft den Porsche-Entwicklern dabei auch die zunehmende Anzahl von automatisierten Getrieben. Mittlerweile entscheiden sich selbst bei der Sportikone 911 bis zu 80 Prozent der Kunden für die Doppelkupplung PDK, die die Vorteile von manueller Schaltung und automatisiertem Fahren kombiniert und ganz nebenbei noch den Verbrauch um mehr als einen halben Liter auf 100 Kilometern senkt. So ist aus Unternehmenskreisen schon seit längerer Zeit zu hören, dass die handgeschalteten Versionen von Panamera und Cayenne bald der Vergangenheit angehören könnten. Nur die Sportwagen 911 und Boxster / Cayman haben nach wie vor zahlreiche Kunden, die sich mit großer Überzeugung für einen Handschalter entscheiden.

Serienfahrzeugen mit gewöhnlichem Batteriespeicher

Gerade erst am Wochenende hat der Porsche 911 GT3 R Hybrid erstmals in den USA gezeigt, was er kann. Beim renommierten Petit Le Mans Rennen auf der ebenso kurvenreichen wie hügeligen Rennstrecke Road Atlanta machte der Fast-Sieger des 24-Stunden-Rennens vom Nürburgring eine exzellente Figur. Neben dem 480 PS starken Saugmotor im Heck wird die Vorderachse rein elektrisch von zwei jeweils 60 Kilowatt starken Elektromotoren angetrieben, die aus einem Rotationsspeicher gespeist werden. "Eine solche Technik ist für Porsche jedoch nur in einem echten Rennwagen denkbar", erklärt Porsche-Entwicklungs-Chef Wolfgang Dürrheimer. Heißt, die Technik des Erprobungsträgers hat allenfalls die Chance, in Rennfahrzeugen Realität zu werden. Möglich erscheint allenfalls ein Einsatz im Carrera-Cup oder ähnlichen Rennserien.

Bei Serienfahrzeugen sollen die Hybridversionen aus einem gewöhnlichen Batteriespeicher ihre Leistung beziehen. "Beim Cayenne Hybrid ging es allein um Reichweite", so Dr. Heinz-Jacob Neußer, "daher hat dieser auch einen entsprechenden chemischen Akku und keinen Rotationsspeicher. Da die Technik noch nicht so weit war, arbeitet der Akku mit Nickel-Metallhybrid-Technik. Das wird sich zukünftig ändern." Das nächste Hybridmodell kommt 2011 mit dem Porsche Panamera Hybrid, der über eine ähnliche Technik wie der Cayenne Hybrid verfügen wird. Aufgrund der geringeren Stirnfläche wird sich die Reichweite von derzeit rund zwei Kilometern rein elektrischem Fahren auf vier bis sechs Kilometer erhöhen.

Deutlich mehr elektrische Leistung

"Der Kunde will jedoch deutlich längere Strecken elektrisch fahren", räumt Neußer ein, "mittelfristig brauchen wir bei unseren Hybridfahrzeugen eine Reichweite von 20 bis 25 Kilometern." Nachdem der Porsche Cayenne Diesel bereits in der Vorgängergeneration in Europa ordentliche Verkaufszahlen brachte, ist eine Einführung von Dieselantrieben bei Cayenne oder Panamera auch in den USA ein Thema. "Wenn der Markt hier für einen Dieselantrieb bereit ist, werden wir diesen dort auch bringen", räumt Dürrheimer ein.

Langfristig hält Porsche auch ein Elektroauto für möglich. "Wir arbeiten beispielsweise an einem Boxster-Prototypen mit Elektromotor", erläutert Wolfgang Dürrheimer, "das Mittelmotorkonzept bietet sich für den schweren Akku in Verbindung mit Heck- oder Allradantrieb geradezu an." Die nächste Generation von Cayenne und Panamera sowie in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts dann auch die Sportwagen sollen allesamt eine Hybridversion in der Modellreihe bekommen. Alle mit Lithium-Ionen-Technik und deutlich mehr elektrischer Leistung. Dr. Heinz-Jacob Neußer: "Jetzt haben unsere Fahrzeuge 288 Volt. Bald werden es 400 und dann wohl 600 Volt sein.

Um längere Strecken elektrisch fahren zu können, reichen 50 bis 60 Kilowatt nicht aus. Wir brauchen 80 oder besser 100 Kilowatt." Besondere Bedeutung kommt dabei dem Porsche 918 Spyded, der auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr 2010 erstmals gezeigt wurde. Die Technik des 320 km/h schnellen Supersportwagens soll später auch in die kleineren Modelle kommen. Dazu dürfte auch ein neuer kleiner Geländewagen mit dem Projektnamen Porsche Cajun gehören, der unterhalb des Cayenne positioniert wird. "Über die Umsetzung eines solchen Fahrzeugs ist nicht entschieden. Wir müssen das ganze erst einmal dem Aufsichtsrat präsentieren", so Wolfgang Dürrheimer, "fest steht, dass wir ein etwaiges Fahrzeug dieser Klasse jedoch nicht bauen würden, um unseren Flottenverbrauch zu reduzieren. Wer Heizkosten sparen will, zieht deshalb ja auch nicht gleich in eine kleinere Wohnung."

Stefan Grundhoff; press-inform press-inform

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