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Luxus-Garagen: Parkplatz für die oberen Zehntausend

Was soll man machen? Der 52er Rolls steht im Regen rum und die Cobra verkümmert im Dunkeln. Nicht verzagen - in den USA gibt's demnächst "Taj Garages". stern.de-Autor Helmut Werb hat sich mal umgehört.

Von Helmut Werb

Das Wort "Garage" kommt Jack Griffin nur schwer über die Lippen. "Garage Suites" kann er schon eher. Dreihunderttausend Dollar geht noch besser. So viel Moos will Jack Griffins Firma 'Dream Garage USA' von Leuten, denen der Bugatti (sowohl der alte, als auch der neue) oder der Maybach (ditto) mehr wert ist als das Wohl der Erben. "Wir reden hier nicht über schnöde Lagerung", betont der Texaner in seinem schick ausgestatteten Büro in Dallas. "Wir reden über Ihr eigenes, persönliches Automuseum!" Sechs Meter hohe Decken, so schwärmt er, die eine umlaufende Gallerie ermöglichen, um die wertvollen Automobile von oben bewundern zu können, eine eingebaute Bar, Entertainment Lounge mit riesigen Farbfernsehern, Toiletten, Sicherheit rund um die Uhr - kurz: alles, was das Herz des sammelnden Krösus begehrt. Das sollte einem der Spaß schon wert sein.

Automobilistisches Wohnheim

Ganz unrecht hat er nicht, der gute Mann. Wer auf der Auktion im kalifornischen Pebble Beach einen Aston Martin DB4 Zagato für satte dreieinhalb Millionen ersteigert, dem bereiten sechsstellige Summen wenig Kopfzerbrechen. "Eindeutig ein Wachstumsmarkt", meint auch Nicolas Patin, der nächstes Jahr 'Luxury on Main' in Irvine eröffnen wird, eine dreistöckige Luxusgarage mit achtzig Einheiten, eine starke Autostunde südlich von Los Angeles. Die Idee sei ihm eines Tages gekommen, so erzählte der kalifornische Jungunternehmer ehrfürchtig lauschenden Reportern, als er eines Samtags in das Parkhaus fuhr, in dem sein Porsche Speedster aus dem Jahr 1956 vor sich hin rostete, und er die Plane vom Wagen zog. "Das ist nicht die Art und Weise", exaltierte Patin, "wie ich meine Sammlung managen will." Sprach's und begann mit der Planung für sein automobilistisches Wohnheim.

So wie ihm und Jack ging's wohl auch Michael Rhodig, Besitzer von 'GarageMahal' in Arizona, der seinen Kunden Extras wie In-House Mechaniker und alle innenarchitektonischen Kinkerlitzchen anbietet, die sich der Kunde vorstellen - und bezahlen - kann, von der Bar für zwölf Personen über die eigene Zigarren-Lounge bis hin zum Whirlpool für die begleitenden Damen der stolzen Autobesitzer. "Wenn Sie wollen, bauen wir auch eine Sonnenbank ein", lächelt Jack Griffin in Texas. Oder den eigenen Hubschrauberlandeplatz, da sei der Kunde König. Und in San Jose, dem Immer-Noch-Mekka amerikanischer Dot.Com-Millionäre, entsteht zur Zeit der Club Auto Sport, ein elftausend Quadratmeter grosses Garagen-Paradies für ambitionerte Autosammler im Silicon Valley, in dem der wohlbetuchte Sammler dann die Freunde zur Neiderfüllung empfangen kann.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Siebzig Dollar pro Quadratmeter

Der Markt sei reif, meinen die Investoren, immerhin gingen laut der renommierten Tageszeitung Los Angeles Times bei der letzten Barrett-Jackson Car Classic-Auktion in Arizona hundertzwölf Millionen Dollar über den Tisch, und das für insgesamt 1270 Oldtimer. Bei solchen Preisen seien Quadratmeterpreise von knappen siebzig Dollar für ein anständiges Dach über dem Stoffverdeck nicht übertrieben. Dreihunderttausend Dollar für ein hundertdreißig Quadratmeter großes 'Auto-Apartment' seien ein druchaus angemessener Preis für einen ambitionierten Sammler, meint Jack Griffin: "Einstiegspreis! Mit Luft nach oben" Die Standardgrösse bei Dream Garage USA läge allerdings bei rund zweihundertachtzig Quadratmeter, genug für vier, na ja fünf Autos.

Luxus-Garage inklusive Leasing-Lambo

Jack Griffin jedenfalls ist optimistisch, wie die TajGarages genannten Auto-Eigentumswohnungen beim wohlbetuchten Publikum ankommen werden. "Unser erstes Projekt eröffnet nächsten März in Dallas." Danach plant er seine Traum-Garagen in Los Angeles, Long Island, Boston und - wenn alles klappt - London. Finanzamt-bewusste Sammler, die die Einstiegskosten nicht aufbringen wollen, bietet Jack attraktive Alternativen, und da hört er bei der Garage, sorry, Garage Suite, nicht auf: "Wir leasen zur entsprechenden Garage auch noch einen Lamborghini mit dazu!"

Na,dann. Da sollte es ja kein Halten mehr geben.

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