Mercedes-Ökoprogramm Blau, blauer geht es nicht


Was BMW seit einem Jahr "Efficient Dynamics" nennt, heißt bei Mercedes ab sofort "BlueEfficiency". Der älteste Autobauer der Welt will sich nicht länger vorwerfen lassen, nur Spritschlucker zu produzieren. Geplant ist ein Spar- und Ökoprogramm über alle Baureihen hinweg. Codename: TrueBlueSolutions.
Von Michael Specht

Die Zahlen, die BMW-Chef Norbert Reithofer kürzlich auf dem Genfer Autosalon verkündete, dürften den Mercedes-Verantwortlichen auf dem Nachbarstand nicht so ganz gefallen haben. Dabei ging es nicht einmal um Verkaufszahlen. Vielmehr gab Reithofer zum Besten, was passiert, wenn man sich rechtzeitig ums Spritsparen kümmert und wie toll man damit sein Image aufpolieren kann. Schon vor vier Jahren, also weit vor der Diskussion um Ressourcen-Knappheit, hohen Spritpreisen und Klimaverschiebung, legte der Münchener Autobauer mit der Sparformel "Efficient Dynamics" den Grundstein. Das ist ein ganzes Tuningpaket von technischen Innovationen, mit dem Ziel, den Verbrauch zu senken und damit auch den CO2-Ausstoß. Vor einem Jahr dann stellte BMW sein "Efficient Dynamics" offiziell vor, ebenfalls in Genf.

Ein halber Liter hier, ein viertel Liter dort, ob Mini, 1er- oder 3er-BMW, ob Diesel oder Benziner, in der Summe über alle seit dem Frühjahr 2007 verkauften Modelle wurden daraus laut BMW über 150 Millionen gesparte Liter. Reithofer: "Dies entspricht einer Einsparung von etwa 373 Tonnen Kohlendioxid." Mit solch einer Öko-Trumpfkarte konnte Daimler-Boss Dieter Zetsche unmittelbar im Anschluss an die Rede Reithofers nicht winken, erzählte aber, das man bei Mercedes sehr wohl in der Lage sei, ebenfalls die Stern-Modelle auf Sparkurs zu trimmen. Eine griffige Bezeichnung dafür habe man auch schon gefunden: "BlueEfficiency".

Rekuperatives Bremssystem

Was sich abgekupfert und ähnlich anhört, ist auch ähnlich. Prinzipiell macht Mercedes nichts anderes als BMW. Überall werden ein paar Details optimiert oder erleichtert. Mit einem Unterschied: Während bei BMW "Efficient Dynamics" meistens auch mit einer Start-Stopp-Automatik gekoppelt ist, verkauft Mercedes sein "BlueEfficiency" nur selten. Lediglich der A150 und A170 (ab September erhältlich) verfügen darüber, andere Modelle wie B-, C-, SLK-, SL- und S-Klasse, die alle noch dieses Jahr als "BlueEficiency"-Versionen in den Handel gehen, haben deutlich weniger zu bieten, teilweise nur eine längere Antriebsübersetzung und Reifen mit weniger Rollwiderstand.

Dabei umfassen die "BlueEfficiency"-Maßnamen zusammen genommen eine ganze Menge: Zum Beispiel ein so genanntes rekuperatives Bremssystem. Hier schaltet die Lichtmaschine beim Beschleunigen ab und bildet so keinen Widerstand. Beim Bremsen und im Schubbetrieb läuft sie an und arbeitet als Stromerzeuger, speist die Batterie. Eine Öko-Lenkung passt ihre Pumpleistung exakt der Fahrsituation an, die Frontscheibe ist dünner und selbst an der Karosserie betrieben die Mercedes-Techniker Feinschliff. Sie liegt bis zu drei Zentimeter tiefer. Zudem helfen anders geformte Außenspiegel, abgedichtete Trennfugen an den Scheinwerfern oder die vollständige Verkleidung von Motorraum und Unterboden, Sprit zu sparen. Braucht der Motor wenig Kühlluft, verschließen Jalousien den Zugang, so gibt es weniger Luftverwirbelungen. Und da auch viel Sparpotenzial in der Fahrweise steckt, gibt es im Cockpit eine Schalt- und Verbrauchsanzeige.

Roadmap to the Future

Doch ist "BlueEfficiency" bei Mercedes längst nicht der Obergriff für die zukünftige CO2-Strategie des Unternehmens, sondern "TrueBlueSolutions", der Weg zur emissionsfreien Mobilität. Eine "Roadmap to the Future" hatten die Stuttgarter bereits im September auf der IAA bekannt gegeben. Auf dieser "Straße" waren nicht weniger als 19 Modelle in Richtung Zukunft unterwegs, von Smart mit Start-Stopp-Technik über verschiedene Hybridantriebe in Mercedes-Limousinen und –Geländewagen bis hin zum Diesotto-Motor und der Brennstoffzelle. Mercedes hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass Umweltschutz in allen Bereichen gelten und nicht nur das fahrende Auto betreffen soll. "TrueBlueSolutions" beginnt mit der Entwicklung eines Automobils und endet mit dessen Zerlegung.


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