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Mietwagen: Die große Winterreifen-Abzocke

Wer jetzt einen Mietwagen fährt, braucht Winterreifen. Autovermieter lassen sich das als "Extra" bezahlen - obwohl die meisten Flottenfahrzeuge ohnehin mit wintertauglichen Reifen ausgerüstet sind.

Von Gernot Kramper

Der Fahrer und nicht der Autovermieter ist für die richtige Bereifung verantwortlich

Der Fahrer und nicht der Autovermieter ist für die richtige Bereifung verantwortlich

Sinnvoll war die Benutzung von Winterreifen schon immer, nun sind sie bei entsprechenden Wetterbedingungen Pflicht - für den Fahrer, aber nicht für den Vermieter. Diese Gesetzeslücke machen sich die Autovermieter zunutze.

Die Preise für Mietwagen kann jeder Kunde im Internet leicht vergleichen, der Wettbewerbsdruck ist hoch. In den Anzeigen wird fast immer mit Kampfpreisen geworben. Bei Sonderleistungen vom besseren Versicherungsschutz bis hin zu Kindersitzen und mobiler Navigation werden kräftige Aufschläge fällig. So auch bei Winterreifen. Das ist besonders ärgerlich, weil der Fahrer um dieses "Extra" nicht herumkommt.

Stiftung Warentest hat ausprobiert, wie hoch der Reifenzuschlag tatsächlich ist. Alle untersuchten Anbieter ließen sich Winterreifen extra bezahlen: Will ein Fahrer am Freitag um 16 Uhr einen VW Golf am Berliner Flughafen Tegel für ein Wochenende mieten, zahlt er bei Sixt mit Winterreifen 203 Euro - der Zuschlag beträgt satte 58 Euro. Pro Tag verlangt Sixt für die Winterreifen 19 Euro, in einer Woche macht das 133 Euro. Das ist der Spitzenwert, Easycar verlangt mit 12 Euro am Tag am wenigsten. Diese Preise gelten für die Golfklasse, bei größeren Wagen ist der Zuschlag etwas höher. "Für wintertaugliche Bereifung fallen für alle Autovermieter zusätzliche Kosten für Beschaffung und Logistik an. Diese Kosten reichen wir nicht einmal voll an den Endkunden weiter", sagt Frank Elsner für die Sixt AG.

"Das ist ganz eindeutig, dass sich die Unternehmen eine goldene Nase damit verdienen", hält Rüdiger Stumpf von Stiftung Warentest dagegen. Die Aufschläge stünden in keinem Verhältnis zu den Kosten. "Die Vermieter machen einen Supergewinn mit den Reifen. Bereits mit dreimal Ausleihen können die Kosten für die Reifen wieder drin sein." Der Vorwurf ist nicht von der Hand zu weisen. Kalkulierte man das ganze Fahrzeug mit derartigen Margen, müsste das Wochenende mit einem Golf 5000 und nicht etwa 150 Euro kosten.

Verantwortung liegt beim Fahrer

Möglich ist diese Abzocke, weil die Straßenverkehrsordnung keine allgemeine Winterreifenpflicht vorschreibt. Daher sind die Autovermieter nicht verpflichtet, ihre Fahrzeuge vollständig mit Winterreifen auszustatten. Der Fahrer allein trägt beim Mietwagen die Verantwortung für die geeignete Bereifung. Verunglückt er auf glatter Fahrbahn und ist mit Sommerreifen unterwegs, kann selbst die Autoversicherung trotz Kaskoschutz hohe Forderungen stellen. Der Fahrer muss sich den Vorwurf grober Fahrlässigkeit gefallen lassen.

Fieser Crash beim Driften

Der Zuschlag ist besonders ärgerlich, weil Winterreifen kaum höheren Kosten für die Autovermieter verursachen. Auf den meisten Fahrzeugen der Mietflotten sind ohnehin Ganzjahresreifen mit dem "M+S"-Symbol montiert. Die Vermieter geben Quoten von 90 Prozent an. Beim Autokauf wird ein geringer Aufschlag für Ganzjahresreifen verlangt.

Als Winterreifen gelten auch diese Ganzjahresreifen, die mit "M+S" gekennzeichnet sind, auf schneebedeckter Fahrbahn jedoch nicht den gleichen Grip bieten wie Winterreifen mit dem Schneeflocken Symbol. Einen Anspruch auf "echte" Winterreifen mit Schneelamellen hat der Kunde übrigens trotz des saftigen Zuschlag nicht. In den Geschäftsbedingungen wird von "wintertauglicher Bereifung" gesprochen.

Nicht auf Glück und Zufall bauen

Mieter könnten daher eigentlich auf ihr Glück hoffen und darauf vertrauen, dass "ihr" Fahrzeug ohnehin mit Winterreifen ausgerüstet ist. Wird ein Fahrzeug ohne das Extra "Winterreifen" bestellt, muss diese Leistung nämlich nicht bezahlt werden. Die Vermieter werden diese Kalkulation allerdings zunichte machen und keinen Wagen mit Winterreifen ohne Aufpreis herausgeben, solange noch ein Fahrzeug ohne Winterreifen verfügbar ist.

Wer sicher gehen will, sollte schon bei der Reservierung des Wagens Winterreifen buchen und sich seine Wahl bestätigen lassen. Sollte ihm dennoch ein Wagen mit Sommerreifen übergeben werden, kann man die Annahme verweigern. Umgekehrt funktioniert es nicht. Wer aufgrund starken Schneefalls Winterreifen nachbestellen möchte, hat keinen Anspruch darauf, dass ihm dieser Wunsch erfüllt wird. Ein praktischer Ausweg sind SUVs. Diese geländetauglichen Wagen werden fast nie mit reinen Sommerreifen, sondern eigentlich immer mit "M+S"-Reifen ausgerüstet – außerdem verfügen sie über Allradantrieb. Ein Spartipp sind die teuren SUVs jedoch nicht.

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