Nokian-Reifen Nimm den Öko-Roller!


Das Reifenmännchen von Michelin und das Continental-Pferdchen kennen die Deutschen. Die Finnen wollen, dass wir auch das Birkenblatt entdecken. Damit macht Nokian auf Öko. Der nordische Marktführer hat dieselben Wurzeln wie Handygigant Nokia und entwickelt einen ähnlichen Appetit auf den Weltmarkt.
Von Martin Westerhoff, Ivalo

Warm eingepackt haben wir uns: mit Skiklamotten, Handschuhen, Mützen. Ein Trupp deutscher Journalisten ist im finnischen Ivalo gelandet, 300 Kilometer nördlich vom Polarkreis. Hier testet Nokian Winterreifen. Das Thermometer zeigt -32 Grad Celsius. Als wir aus dem Flughafen ins Freie stapfen, prickelt die kalte Luft in der Nase, als hätten wir Ahoi-Brause geschnupft. Der ehemals mit der weltberühmten Handy-Marke Nokia unter einem Dach geführte Reifenhersteller Nokian hat einen neuen Winterreifen entwickelt, den WR. Wir sollen ihn hier ausprobieren können, mitten in den verschneiten Wäldern Lapplands. Speziell für die Anforderungen Mitteleuropas entwickelt, hofft Nokian, mit den nordischen Schlappen in Deutschland Käufer zu erobern. Die erste Liga der Reifen, die Premium-Sparte, steht auf dem Schlachtplan. Hier soll die neueste Kreation für Furore sorgen.

Ganz, ganz vorsichtig

Zwei Testgelände stehen auf dem Programm. Ein Action-Park mit Schneestrecken, in dem normalerweise wintertaugliche Buggys in Go-Kart-Größe rumheizen. Und ein Flughafen. Leider so mit Schnee überschüttet, dass wir hier gar nicht ausprobieren können, was ursprünglich geplant war: ein Bremstest bei Nässe sowie das Kurvenverhalten auf trockener Straße. In den meisten Teilen Deutschlands besonders entscheidend, denn geschlossene Schneedecken gehören nicht zum überwiegenden Straßenbild im Winter. Marketingchef Antti-Jussi Tähtinen spielt die Situation mit einem seiner Witzchen runter, die er hier und da gerne anbringt: "Um den Asphalt trocken zu bekommen, hätten wir so viele Chemikalien gebraucht, dass sich unsere Reifen darin bestimmt aufgelöst hätten."

Also fahren wir nur auf Schnee. Das ähnelt einem Sicherheitstraining für Fahranfänger. Erste Übung: Mit konstanter Geschwindigkeit in eine Pylonengasse einbiegen, ab einer Markierung voll bremsen und dann einem Hindernis in Form von anderen Pylonen ausweichen. Das klappt, je nach Geschwindigkeit, ganz gut. Was der neue Reifen dazu beiträgt, können wir nicht herausfinden. Ein mit dem Vorgänger-Gummi bereiftes Auto gibt es nicht, somit auch keine Vergleichsmöglichkeit.

Der hat es drauf!

Ebenso laufen die anderen Fahrübungen ab. Slalom um einen Hütchen-Parcours und eine Kreisfahrt, beides auf geschlossener Schneedecke. Unterschiedliche Testwagen zeigen, dass sich front-, heck- und allradgetriebene Fahrzeuge dabei anders verhalten. Wär hätte das gedacht. Was der neue Nokian alles drauf hat, wird dafür zwischendurch in aufwendig gemachten Präsentationen erklärt. Ob Lamellen, die beim Bremsen das Wasser von der Straße wischen oder im Reifen integrierte Skalen, die die Profiltiefe anzeigen – die finnischen Ingenieure legen Wert darauf, uns klarzumachen, dass sie besonders kreativ sind. Eine Botschaft, die zu den deutschen Autofahrern durchsickern soll. Damit sich diese künftig häufiger für Reifen des größten skandinavischen Herstellers entscheiden sollen.

Der Öko-Roller

Preisdumping oder große Werbeaktionen lehnt Nokian ab. Mit jeweils einem Prozent Marktanteil bei Sommer- sowie Winterreifen spielt die Marke bei uns bisher eine untergeordnete Rolle. Das wachsende Umweltbewusstsein soll nun mithelfen, auf die Sprünge zu kommen. Ein eigens verliehenes Symbol macht auf der Seitenwand des neuen Nokian WR auf die besondere Naturverbundenheit seines Herstellers aufmerksam: ein Birkenblatt. Statt schädlicher Weichmacher mischen die Finnen Rapsöl ins Gummi. Dass die Reifen ihre Qualitäten haben, zeigen Tests von Fachzeitschriften. Taucht ein Nokian auf, schneidet er meist gut ab. Einen ähnlich durchschlagenden Erfolg wie bei den Mobiltelefonen zu erreichen, ist trotzdem deutlich schwieriger. Zu viele Mitbewerber tummeln sich auf dem deutschen Markt. Nokian will sich deshalb erstmal einen Namen bei den Winterreifen machen. Antti-Jussi Tähtinen und seine Marketing-Strategen haben sich dafür schon einen Slogan überlegt, der auch für unsere Testeindrücke vom neuen Reifen gelten könnte: "Trust the Natives", was soviel heißt wie "Vertraue den Einheimischen."


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