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Rekordfahrt mit Elektro-Auto A2: Wunderbatterie reloaded

Nach ihrer 600-Kilometer-Rekordfahrt mit einem E-Mobil sah sich die Berliner Firma DBM Energy Betrugsvorwürfen ausgesetzt. Untersuchungen beweisen nun, dass die Außenseiter nicht geschummelt haben. Ob die Wunderbatterie auch für die Praxis taugt, muss sich allerdings noch zeigen.

Zuerst sah es wie der Triumph von David über Goliath aus. Mirko Hannemann und einem Tüftler-Team von der Berliner Firma DBM Energy gelang am 26. Oktober eine Weltrekordfahrt über 600 Kilometer von München nach Berlin. Noch nie hatte ein alltagstaugliches E-Auto ohne Aufladen so eine Strecke bewältigt, die einer Tankfüllung entspricht. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) feierte die Fahrt als "Durchbruch bei der Elektromobilität". Als Lohn wurde ein Lorbeerkranz aufs Autodach gelegt und Hannemann gab Dutzende Interviews. "Jetzt müssen alle umrüsten auf die Technik, dann haben wir es geschafft", sagte Brüderle zu Hannemann. Die Autokonzerne waren entsetzt, schließlich war eine solche Reichweite ohne Aufladen erst für etwa 2015 erwartet worden. Anstelle ein sündhaften teuren Leichtbauautos hatte Hannemann die Elektrotechnik einfach in einen alten Audi A2 eingebaut. Die Autohersteller wurden von einer Kleinstfirma öffentlich gedemütigt.

Zweifel und Betrugsvorwürfe

Dann aber brannte der lila-gelbfarbene Audi A2 im Dezember in einer Berliner Lagerhalle ab. An mehreren Stellen wurde Feuer gelegt. Glück im Unglück: Die Erfolgsbatterie befand sich zum Zeitpunkt des Brandes nicht im Auto. Wer den Brand gelegt hat, ist unklar.

Hinzu kamen Zweifel vor allem des ADAC, ob bei der Rekordfahrt alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Negativ-Welle erwischte Hannemann und Co. auf dem falschen Fuß, die Homepage wurde erstmal weitgehend abgeschaltet. Man erklärte, sich neu aufstellen zu wollen. Da das Brüderle-Ministerium DBM für sein Elektroauto-Projekt mit 275.000 Euro gefördert hatte, ließ das Ministerium die verwendete Batterietechnik von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) umfassend testen. Und mit dem nun vorliegenden Ergebnis sieht sich zumindest DBM Energy rehabilitiert.

Die BAM attestierte der Kolibri-Zelltechnik eine hohe technische Sicherheit. Die Zellen wurden bei den Tests nicht undicht, weder erwärmten oder entzündeten sie sich bei über 170 Grad Celsius und hielten mehr als 90 Prozent der Spannung.

Dekra bestätigt Reichweite

Hinzu kam ein unabhängiger Reichweitentest der Dekra mit einem neuen Auto: Mit weniger Batteriekapazitäten als bei der Rekordfahrt wurden laut DBM 454 Kilometer geschafft. Mit dem Versuchsfahrzeug und der Wunder-Batterie wird DBM auch bei der Hannover Messe präsent sein.

Irrsinniges Überholmanöver

Der Reichweiten-Test der Dekra entkräftet zumindest die Schummel-Vorwürfe wegen der Rekordfahrt. Weil die begleitenden Journalisten den Elektro-A2 zeitweise aus den Augen vorloren hatten, wurde offen über Manipulationen spekuliert. Offen bleiben dagegen die Fragen zur Alltagstauglichkeit der DBM-Technik, wie sie auch der stern gestellt hat. Für den Einsatz in der Praxis sind Lebensdauer und Kosten der Batterien entscheidend. Auch andere Akkus können deutlich höhere Ladungsdichten ertragen, allerdings geht das auf Kosten der Lebensdauer.

Nun will DBM Energy weiter an der Alltagstauglichkeit der E-Auto-Batterie arbeiten. Hannemann sagte, DBM müsse niemanden mehr etwas beweisen, aber er gibt zu: "Wir sind vielleicht etwas naiv an die ganze Sache herangegangen."

kra/DPA / DPA

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