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Sicherheit beim Klassikerkauf: Auf Nummer sicher

Oldtimer liegen voll im Trend - Youngtimer sowieso. Doch auf dem Markt der betagten Gebrauchtwagen tummeln sich tausende von Gurken. Autos von zweifelharter Herkunft, mit Unfallschäden oder zurückgedrehten Tachos sind an der Tagesordnung. Längst sind die Autohersteller darauf gekommen, das Geschäft selbst in die Hand zu nehmen.

Mercedes SL 320

Mercedes SL 320

Wer beim Kauf eines Klassikers auf Nummer sicher gehen will, hat es nicht leicht. Denn mit dem immer größer werden Trend zu klassischen Fahrzeugen wächst auch die Zahl der Fahrzeuge, die man sich auf keinen Fall in die eigene Garage holen möchte. Verheimlichte Unfallschäden, aufgehübschte Historien, zweifelhafte Technik und das alles zu einem mehr als stattlichen Preis. Beim Klassikkauf sind viele blind - weil es um automobile Emotionen geht. Da sind Fehler nur verständlich. Die Autohersteller nutzen die Klassikabteilungen seit Jahren nicht nur zu imageträchtigen Marketingzwecken, sondern zunehmend auch dazu, Fahrzeugsammlern die Sicherheit zu geben, keinem Irrtum aufzusitzen. Die einen wollen den Klassiker am Wochenende bei einer sonnigen Ausfahrt genießen, andere zeigen bei Oldtimerrallyes sportlichen Ehrgeiz oder wollen die Preziose einfach in der eigenen Sammlung genießen. Was auch die Nutzung sein mag - Probleme will beim Klassikerkauf niemand haben.

Auf Nummer sicher
Mercedes SL 320

Mercedes SL 320

Der Klassikbereich von Mercedes sucht dabei weltweit seinesgleichen. Bei kaum einem anderen Hersteller kann man Klassiker so sicher kaufen, wie ein Neuwagen. Die Schwaben nennen ihr Programm "All Times Stars" und bieten in einer Börse Fahrzeuge wie beim Kauf eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchten an. "All Time Stars senkt das Risiko eines Kaufs von Old- oder Youngtimer", erläutert Patrik Gottwick, seit mehr als drei Jahren verantwortlich für den Klassikbereich von All Time Stars, "in dieser Zeit haben wir weit über hundert Fahrzeuge verkauft. Langsam schließen jüngere Mercedes-Fahrzeuge wie ein 190 2.5 Evo 2 oder ein W 111er Cabrio wertmäßig immer mehr zu Exotenmodellen auf." Mercedes hat einen großen Fundus an Klassikern aus den drei Klassen Drivers Edition, Collectors Edition und Concours Edition.

Während in der Drivers Edition Alltagsklassiker wie ein Mercedes 200 D der Baureihe W 110 oder Youngtimer wie SLK oder 124er angeboten werden, wird es in der Collectors Edition mit einem Mercedes 320 SL der Baureihe R129 oder einem 280 SE aus 1982 schon exklusiver. Bei den Concours-Modellen gibt es so exklusive Stücke wie das Replica des originalen Benz Patent Motorwagens von 1886 oder ein spektakulärer 300 SL Flügeltürer von 1954 - natürlich in klassischem silber. Die Preise beginnen bei knapp 20.000 Euro und gehen bei besonders exklusiven Modellen in die Millionen. Wer will kann nicht nur in der deutschen Zentrale, sondern auch in den All Time Stars Außenstellen in den USA oder Japan auf die Suche gehen - oder das Traumauto suchen lassen. "Wir erkennen gerade in Japan eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Klassikern. Die japanischen Kunden sind sehr anspruchsvoll und suchen absolut gute Fahrzeuge", erklärt Patrik Gottwick, "das passt hervorragend zu unserer Philosophie und dem Anspruch, den wir mit All Time Stars haben. Die Anzahl der Vorbesitzer ist wichtig. Wir kaufen normal nur bis dritter Hand. Unsere Kriterien sind streng - unter einem Zustand 2 kaufen wir nichts. Besonders beliebt sind bei unseren Kunden Cabrios und Roadster aus den Baureihen R 107 oder R 129."

Auf der Suche nach Klassikern aus den vergangenen Jahrzehnten reisen die Experten von Mercedes durch das gesamte Europa und die USA. "Wir kontrollieren bei der ersten Inaugenscheinnahme zunächst alle Nummern an Fahrzeug, Lack, Fugen und Teilen. Alles wird in einem entsprechenden Protokoll festgehalten", erklärt Klassikexperte Gottwick, "dann wird entschieden, ob wir den Wagen kaufen. Kaufen wir ihn, gibt es bei uns einen umfangreichen Werkstattcheck mit insgesamt 160 Punkten." Für besonders wertvolle Autos sieht das Prozedere noch aufwendiger aus. Dann bekommt der Oldtimer im Klassikcenter Fellbach einen aufwendigen Drei-Tage-Check, um die Echtheit von Teilen, Zustand und Ausstattungen zu klären.

Auf einen ähnlichen Geschmack ist mittlerweile auch Jaguar Land Rover gekommen, die in Essen im vergangenen Jahr ein neues Klassikzentrum eröffnet haben. Hier werden nicht nur Fahrzeuge von Jaguar, Land Rover und Range Rover repariert, gewartet und restauriert, sondern auch gebrauchte Klassiker des britischen Markendoppels verkauft. "In der Tat ist es bei uns so, dass wir unseren Fahrzeugen bei Verkauf eine Werksgarantie mitgeben", sagt Dr. Ralf Klasen, Leiter von Jaguar Land Rover Classic Deutschland, "unsere Kunden dürfen beim Kauf also sicher sein, dass das positive Momentum ihrer Kaufentscheidung bestehen bleibt. Wir verstehen uns als integrierten Dienstleister, der Kunden auf Dauer begleitet, von der Fahrzeugsuche über den Kaufprozess hin zur dauerhaften Pflege und zum Service des Fahrzeugs. Das kann meines Erachtens in diesem angebotenen Umfang am besten ein OEM - wie wir einer sind - leisten."

Klasen hat Fahrzeuge aus verschiedensten Preissegmenten im Angebot. Wer es schnell und extravagant liebt, dürfte keine Mühe haben, sich in einen Silverstone Green farbenen Jaguar XJ 220 zu verlieben. Etwas klassischer ist das letzte gebaute Exemplar des Jaguar XK 150 OTS, linksgelenkt und top gepflegt aus den USA oder das coole XJS pre-HE Coupé mit deutscher Erstauslieferung, scheckheftgepflegt und gerade einmal 30.000 km gelaufen.

Einen etwas anderen Weg gehen Hersteller wie BMW und Porsche. Die Bayern haben am ursprünglichen Standort im Münchner Norden eine neue standesgemäße Stätte für den Klassikbereich gefunden. "Wir haben keinen eigenen Bestand an Klassikern, die wir verkaufen", erläutert BMW-Klassik-Chef Ulrich Knieps, "die Kunden kommen mit einem Suchauftrag zu uns und wir suchen dann das gewünschte Fahrzeug. Haben wir dieses gefunden, klären wir die Historie, den Zustand und erstellen auf Wunsch auch ein entsprechendes Gutachten, damit der Kunde auf Nummer sicher gehen kann." In der Klassikwelt an der Moosacher Straße lockt im Schaufenster gerade ein hellblauer BMW 507 Schönling - ein privater Kunde will sich von dem schicken Bayern trennen.

Beim Porsche ist das Thema Klassikerkauf dezentral aufgehängt. Wer beim Kauf eines Old- oder Youngtimers aus Zuffenhausen keine böse Überraschung erleben sicher gehen will, dass die Historie stimmt, die bekannten Motorüberdreher ausgeblieben sind oder das G50-Getriebe das originale im G-Modell ist, der findet in den großen Porsche-Zentren spezielle Ansprechpartner. Die dort angebotenen Klassiker sind bereits auf Herz und Nieren geprüft und wer einen historischen Porsche kaufen will und sich vor dem Kauf rückversichern will, kann dies ebenfalls in der lokalen Klassikabteilung überprüfen lassen. Das kostet ein paar Euro mehr; erspart aber jede Menge böse Überraschungen. Und genau die will bei einer Herzensangelegenheit wie einem Oldtimerkauf niemand erleben.

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Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.