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Fahrrardwerkstatt: So machen Sie Ihr Fahrrad fit für Schnee und Eis

Licht, Kette, Bremse – das Rad muss für den Herbst und gerüstet werden. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen und wie Sie Geld sparen.

Damit das Rad im Winter schnurrt, muss man etwas Arbeit investieren.

Damit das Rad im Winter schnurrt, muss man etwas Arbeit investieren.

Getty Images

Bevor das Rad in den Winter geht, wird es Zeit, es einmal durchzusehen. Rostvorsorge ist bei Fahrrädern wegen des Materials Aluminium kein Thema mehr, aber Licht und Bremsen sollten gut funktionieren. Beim Händler kostet einmal Durchsehen und Einstellen zwischen 35 und 50 Euro, Reparaturen sind damit nicht abgedeckt. Das Geld können Sie sparen. Den kleinen Service kann jeder Heimwerker selbst machen.

Werkzeug und Vorbereitung

Für normale Arbeiten an einem Rad benötigen Sie kein Spezialwerkzeug, dafür reicht der normale Werkzeugkasten. Für einen Radservice benötigen Sie: Einen guten und vollständigen Gabelschlüsselsatz (Ein weiterer Satz Ringschüssel und Stecknüsse sind willkommen, aber nicht notwendig), einen Satz Inbusschlüssel, kleine und mittlere Schlitz- und Kreutzschlitzschraubendreher, eine gute Kombizange mit Schnittfläche, eine Luftpumpe, Reiniger, eventuell Motor- oder Motorradreiniger und Schmiermittel.

Felgen-Prüfung

Stellen Sie das Rad kopfüber auf Lenker und Sattel. Vorher sollten Sie ein altes Badetuch unterlegen, damit nichts verkratzt. Beide Räder sollten leicht gängig drehen und nirgends anstoßen. Häufig schleifen die Räder an den Bremsen, oder an den Schutzblechen. Verbogene Halterungen der Schutzbleche kann man mit der Hand wieder gerade biegen. Das Ergebnis sieht besser aus, wenn die Halterungen abgebaut und in einem Schraubstock gerichtet werden. Die Verschraubungen sind bei ungepflegten Rädern allerdings auch mit Lösemitteln wie D40 schwer zu lösen. Achtung: Wer Gewalt anwendet, sollte Ersatzschrauben besitzen.

Eine verbogene Felge ("Acht") oder kaputte Lager (knirschende Laufgeräusche) in den Radnaben kann ein Laie nicht reparieren. Bei einem Standard-Bike ist ein neues Rad billiger als ein Reparatur. Sie müssen aber darauf achten, ob wirklich die Felge eiert, oder ob der Mantel nur aus der Form geraten ist.

Reifen-Check

Anschließend steht die Sichtprüfung der Reifen an. Wenn das Profil der Reifen abgefahren ist, es poröse Stellen im Material gibt, der Reifen Beulen hat oder an der Flanke Risse zeigt, dann muss der Mantel ausgetauscht werden. Das Flicken des inneren Schlauchs nach einem Platten lohnt sich nur, solange das Material makellos ist.

Beim Kauf eines neuen Mantels müssen Sie Reifengröße (etwa 26er oder 28er) und Breite kennen (etwa 1,75 oder 2,1), beim Schlauch Größe und Ventilform. Achtung: Die Ventile passen jeweils nur in die dazugehörige Felge. Tipp: Altes Material mit ins Geschäft nehmen. Kosten: Ein Marken-Schlauch kostet etwa sechs Euro. Ein Mantel kostet zwischen 10 und 40 Euro.

Ein kompletter Wechsel der Bereifung mit teuren Pannenschutzreifen kann also fast 100 Euro an Material kosten. 

Achtung: Mäntel mit einer Drahteinlage lassen sich teilweise nur sehr schwer über die Felge ziehen.

Reifen für den Winter

Spezielle Winterreifen für Fahrräder gibt es nicht. Erlaubt sind Reifen mit kleinen Spikes, die auch auf Eis bremsen. Auf Asphalt fahren diese Reifen allerdings unkomfortabel. 

Unser Tipp: Reifen mit Spikes auf der Lauffläche lohnen sich nur, wenn man ein zweites Rad zum Wechseln zur Verfügung hat. Reifen mit Spikes nur am Rand der Laufflächen kann man auch benutzten, wenn mal kein Schnee liegt.

Wunder sollte man nicht erwarten, das Radfahren auf gefrorenen Radwegen oder durch tiefen Schnee bleibt auch mit Spikes-Reifen eine sportliche und wackelige Angelegenheit.

Bremsen-Check

Alle Bremsbeläge besitzen Markierungen, um den Verschleiß abzulesen. Wenn der Belag bis auf diese Kerben verschlissen ist, müssen die Beläge ausgetauscht werden. Der Austausch der Bremsbeläge (Kosten etwa sieben Euro) ist bei den gängigen Felgenbremsen problemlos möglich. Dazu muss zunächst der Bremszug aus den Felgenzangen ausgehoben werden. Die Bremsschuhe lassen sich mit einem Inbusschlüssel lösen.

Tipp: Machen Sie ein Foto, bevor Sie alles zerlegen.

Nehmen Sie die alten Beläge als Vorlage mit ins Geschäft. Später muss die Bremse neu justiert werden. Hierfür benötigen Sie einen Helfer: Die Einstellschraube am Bremsgriff wird in die Mittenposition gedreht. Anschließend drückt der Helfer die Zangen der Bremse fest zusammen, dabei wird der Bremszug fixiert. Nachdem die Bremse losgelassen wird, sollte der Reifen bereits genug Spiel haben, um frei rotieren zu können. Die Feinjustierung nehmen Sie an der Einstellschraube am Bremsgriff vor.

Die Bremszüge müssen leichtgängig sein, d.h. sie sollten weder verdreckt noch verrostet sein. Sobald einzelne Drähte des Zuges gerissen sind, muss der Zug ausgetauscht werden. Schwergängige Züge können mit Kriechfett wieder gangbar gemacht werden. Die Wartung von Scheibenbremsen kann komplizierter sein und ist ein Fall für die Werkstatt. Der Belagwechsel ist dagegen meist einfach.

Das Licht muss leuchten

Im Herbst und Winter ist die Beleuchtung besonders wichtig. Außerdem sind Lichtanlagen häufig defekt, meist sind Glühbirnen hinüber oder der Stromfluss ist unterbrochen. Beide Probleme können leicht behoben werden. Wenn das Kabel nicht gerissen ist, gibt es nur am Dynamo und an der Lampe Anschlussstellen, die Sie kontrollieren müssen. Ein gerissenes Kabel sollten Sie ersetzen. Wenn Sie schon dabei sind, sollte die Verkabelung auf exakten Sitz geprüft werden. Kabelbinder fixieren die Drähte dauerhaft. Wenn möglich sollten die Lampen über zwei Kabel mit Strom versorgt werden.

Wenn Sie noch eine alte Lampe mit einer kleinen Glühbirne besitzen, sollten Sie auf eine moderne LED-Beleuchtung umrüsten. 

Kette und Schaltung warten

Eine Nabenschaltung hat kaum Wartungsaufwand. Sollten die Gänge nicht richtig einrasten, kann sie mit der Einstellschraube einfach justiert werden. Defekte innerhalb der Nabenschaltung sind nicht reparabel.

Häufiger werden Kettenschaltungen eingebaut. Eine Kettenschaltung arbeitet nur gut, solange sie einigermaßen sauber ist. Die Schaltung (Umwerfer, Schaltwerk, Ritzelpaket) sollte zumindest grob gesäubert werden. Dabei hilft ein Spezialreiniger. Mit alten Bürsten und Putzlumpen kann man das angelöste Fett und den darin gebundenen Schmutz entfernen. Kratzen Sie den Schmutz zwischen den Ritzeln , Schaltwerk und den Führungsrollen heraus.

Achtung: Weder aus der Kleidung, der Bürste oder dem Untergrund bekommen Sie diese Flecken wieder heraus. Anschließend werden Schaltung und Kette neu geschmiert. Bei regelmäßiger Pflege sind leichtlaufende Teflonpräparate oder dünnflüssige Öle die beste Wahl. Wird das Rad aber kaum gewartet, schmieren zähe Fette wie etwa ein Sprühfett für Motorradketten besser.

Schaltung neu einstellen

Eine Kettenschaltung kann mit der nötigen Konzentration selbst eingestellt werden. Folgt man einer Anleitung Schritt für Schritt ist das Einstellen einfach, auf keinen Fall darf man auf gut Glück an den vielen Einstellschrauben drehen. Eine exakte Anleitung finden Sie hier für das Schaltwerk und hier für den Umwerfer. Ob Ritzel und Kette verschlissen sind, kann der Fachmann mit einer Lehre nachmessen. Sie müssen sich mit dem Augenschein begnügen und die Form der Ritzelzacken begutachten. Weiteres Anzeichen von Verschleiß: Die Kette rutscht bei Belastung durch, obwohl die Schaltung korrekt eingestellt ist. Ritzelpaket und Kette verschleißen gleichzeitig, der Austausch erfordert Spezialwerkzeug.

Lenker und Sattel richten

Stellen Sie sich vor das Rad und kontrollieren Sie, ob der Lenker im Vergleich zum Vorderrad exakt ausgerichtet ist. Um ihn neu zu justieren müssen Sie die Schrauben am sogenannten Vorbau lockern und anschließend wieder anziehen. Kontrollieren Sie danach, ob Lenker und Gabel nicht locker sitzen. Wenn das Spiel gegenüber dem Rahmen zu groß ist, müssen sie die Inbusschraube oben am Vorbau fester anziehen. Sitzen Gabel und Lenker zu fest, können Sie die Schraube zunächst lockern und die Kugellager im Rahmenrohr neu fetten. Wenn die Lager knirschen oder unrund laufen, müssen sie in der Werkstatt ausgetauscht werden. Der Sattel ist mit mehreren Schrauben befestigt. Häufig verstellt sich die Neigung des Sattels. Er sollte in etwa waagerecht sein.

Kra
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.