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Tata Nano: Der Billig-Inder rollt an

Das neue Billigauto Nano soll ab Juli auf den indischen Straßen rollen. Umgerechnet 1500 Euro soll der Winzling kosten und all jene begeistern, für die ein Auto bislang nur ein teurer Traum gewesen ist. In Deutschland muss man auf das puristische Vehikel allerdings noch etwa drei Jahre warten.

Das neue Billigauto Nano soll ab Juli auf den indischen Straßen rollen. Mit dem umgerechnet knapp 1.500 Euro teuren Fahrzeug will der Konzern Tata Millionen Menschen erreichen, die sich bislang kein Auto leisten können. Firmenchef Ratan Tata sagte am Montag in Bombay, das Miniauto sei keine große Ingenieurleistung. Ziel sei lediglich, dass sich indische Familien zu einem günstigen Preis fortbewegen könnten. Ab April wird das Auto verkauft. Der Wagen ohne Airbag oder Antiblockiersystem soll nur 100.000 Rupien (knapp 1.500 Euro) kosten.

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Geboten wird wenig Komfort: Das 3,10 Meter lange Fahrzeug verfügt nur über einen Scheibenwischer, einen Heckmotor mit einem Hubraum von 623 Kubikzentimetern und einen winzigen Kofferraum. Klimaanlage, Radio oder Servolenkung kosten extra. Nach Angaben von Tata stößt der Nano weniger Kohlendioxid als die meisten Motorräder aus. Nach Protesten von Bauern und Oppositionspolitikern musste der Konzern seine Fabrik von Westbengalen in den Unionsstaat Gujarat verlagern. Der Verkaufsstart des Nano verzögerte sich deswegen um sechs Monate. Bis zur Fertigstellung der Fabrik in etwa einem Jahr kann daher auch nur eine begrenzte Anzahl Nanos produziert werden.

Eine europäische Variante des Wagens wurde in diesem Monat beim Genfer Autosalon vorgestellt. Ende 2011 bringt Tata den Kleinen nach Europa. Marktstart soll zunächst in Süd- und Osteuropa sein. David Saldanha, Europa-Chef von Tata: "Ende 2011 starten wir dort, wo Tata heute schon unterwegs ist - in Spanien, Italien und Polen." Weitere europäische Staaten sind ebenfalls im Gespräch. Auch Deutschland steht auf der Agenda von Firmenchef Ratan Tata. Wann genau Tata Nanos die nordeuropäischen Straßen bevölkern könnten, steht noch in Sternen. Zumindest bis 2012 aber sollte Deutschland Schonfrist haben.

Seine Weltpremiere feierte der Tata Nano Anfang 2008 auf der Dehli Motorshow. Eine Automesse, für die sich in der westlichen Hemisphäre bis dahin kaum jemand interessiert hatte, rückte über Nacht ins Licht der Öffentlichkeit. Firmenchef Ratan Tata zeigte dem Publikum seinen knuffig-rundlichen Nano. Einen kompakten Kleinwagen, der umgerechnet gerade mal 1.700 Euro kosten sollte.

Anfang April wird der Tata Nano nun zu Preisen ab 2.000 Euro in den indischen Autohäusern stehen. Die Nachfrage ist bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart riesig und der bisherige indische Autoprimus Maruti-Suzuki bangt mittelfristig um seine Vorherrschaft. Langfristig will Ratan Tata pro Jahr mehr als eine Million Nano-Modelle produzieren und in alle Welt verschiffen lassen.

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Angesichts des höheren Sicherheits- und Komfortniveaus ist in Europa war für 2.000 Euro allerdings nichts zu machen. "Wir werden den Wagen daher für einen Grundpreis von rund 5.000 Euro anbieten", kündigt David Saldanha an.

Auch wenn der Angstpreis von unter 2.000 Euro damit in weite Ferne gerückt ist, dürfte die europäische Billigkonkurrenz an dem neuen Konkurrenten zu knabbern haben. Denn Tata ist auch in Europa längst keine ferne und unbekannte Autofirma mehr. "Pro Jahr verkaufen wir hier gut 10.000 Fahrzeuge", sagt Saldanha, "vorrangig Indica und unseren Pick Up." Und: Zu Tatas automobilem Imperium gehören mittlerweile auch Jaguar und Land Rover.

Seine offizielle Europa-Premiere feierte der Tata Nano auf dem Genfer Salon. Auf den ersten Blick gibt es zwischen dem europäischen und dem indischen Modell keine Unterschiede. "Die Modelle, die nach Europa kommen, sind technisch und optisch zwar weitgehend mit den indischen Versionen identisch", erklärt Saldanha. "Doch wir werden den höheren Ansprüchen natürlich Rechnung tragen."

So wird der Tata Nano in unseren Breiten serienmäßig mit Details wie zwei Airbags, ABS, elektrischen Fensterhebern oder Zentralverriegelung ausgestattet sein. Nachbessern müssen die Entwicklungsabteilungen auch noch bei Qualität und Ergonomie. Zwar bietet der Nano Platz für - nicht allzu stämmige - vier Personen. Doch die Sitze sind viel zu dünn und ein ausgewachsener Europäer dürfte den Nano dank unzureichend verstellbarem Sitze und einem festen Lenkrad kaum sinnvoll steuern können.

Auch Schalter, Konsolen und Bedienelemente machen kaum den Eindruck, als könnten sie den europäischen Spargeschmack treffen. Angetrieben werden soll der Tata Nano von einem ein Liter großen Dreizylinder mit fünf Gängen und rund 70 PS. "Sein CO2-Ausstoß wird dabei unter 100 g/km liegen", unterstreicht David Saldanha.

Pressinform/AP / AP

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