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Automarkt: Rabattschlacht und Billigautos

In einem über Jahre stagnierenden Automarkt müssen Hersteller mittlerweile zu anderen Mitteln der Verkaufsförderung greifen, als immer neue Rabatte zu gewähren. Eine weitere Möglichkeit sehen Unternehmen im Billigauto.

Der Automarkt stagniert: Nach einer Studie des Automobil-Forschungsinstituts CAR der Fachhochschule Gelsenkirchen ist der Durchschnittsrabatt auf dem deutschen Markt inzwischen bei 15 Prozent auf den Listenpreis angekommen - im Sommer 2004 waren es noch 13 Prozent.

Die Fantasie der Hersteller kennt dabei keine Grenzen. Der französische Autobauer Renault lockt kinderreiche Familien in den "Rackerwochen" mit einem Rabatt pro Kind. Der angeschlagene Hersteller Opel gibt bis zu 5000 Euro Preisvorteil beim Kauf von Sondermodellen. Bar auf die Hand zahlt die Opel-Schwester Daewoo 500 Euro beim Kauf eines Wagens. Einen Bonus von 1000 Euro für Führerscheinneulinge bietet VW. Selbst auf junge Modelle wie den Peugeot 307 gab es bei dem französischen Hersteller zum Jahresende 2004 ein "Weihnachtsgeld".

Rabatte für Absatzprobleme

So spaltet sich der Automarkt immer mehr auf: auf der einen Seite das Massensegment mit VW und Opel, die unter Absatzproblemen leiden und mit Rabatten gegensteuern. Auf der anderen das Hochpreissegment mit Porsche, BMW und Mercedes-Benz, die starke Marken und gute Zahlen verbuchen und bislang nur geringe Nachlässe gewähren.

Die Kompaktwagenhersteller handeln aus Not, weil sie unter Überkapazitäten leiden. "Wer ein Auto gefertigt hat, muss es einfach loswerden", sagt die Branchenkennerin Carola Hunger-Siegler von der Commerzbank. Bevor Hersteller Fabriken schlössen, versuchten sie, den Verkauf anzukurbeln. Der Absatz in Deutschland hat aber auch 2004 mit rund 3,2 Millionen Neuzulassungen stagniert - zum fünften Mal in Folge gab es keinen Zuwachs. Im Vergleich zu 1999 sanken die Zahlen um ein Drittel.

Markenverlust und gebeutelte Kassen

"Eine echte Trendwende sehe ich noch nicht", sagt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. "2005 ist ein Absatz leicht über dem Vorjahresniveau drin." Der VDA ruft die Hersteller zu einem raschen Ende der Rabattschlacht auf: "Am Schluss hat man sonst beides: Marktanteilsverluste und gebeutelte Kassen."

Die Verweigerung vieler Kunden hat mehrere Gründe: Angst um den Arbeitsplatz, Einkommenseinbußen und immer neue Steuerdebatten. Die Autos werden länger gefahren als in früheren Zeiten. Im Durchschnitt ist ein Wagen auf deutschen Straßen inzwischen 7,6 Jahre alt - ein neuer Rekordwert. "Es gibt einen großen Nachholbedarf, der 2005 endlich mal befriedigt werden muss", sagt Analystin Hunger-Siegler.

Autos im Niedrigpreis-Segment haben ein Image-Problem

Ihre Hoffnungen setzen die Autohersteller auf die Vielzahl neuer Modelle. 2005 stoßen sie zudem in ein neues Niedrigpreis-Segment vor. Renault wird den in Rumänien gebauten Dacia Logan für rund 7500 Euro in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern anbieten. Volkswagen will mit dem Kleinwagen Fox für weniger als 10.000 Euro ab Frühjahr dagegen halten. "Die Volumenhersteller haben bisher das Preissegment unter 10.000 Euro vernachlässigt", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Dennoch erwartet er keine großen Marktanteile in diesem Bereich. "Diese Wagen haben ein Image-Problem."

Das Heil für die deutschen Hersteller könnte auch im Ausland liegen. 2004 wurde ihr Geschäft im Wesentlichen vom Export getragen. Bis November exportierten die deutschen Autokonzerne 3,4 Millionen Fahrzeuge, zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 70 Prozent der hierzulande gebauten Wagen gehen inzwischen ins Ausland. "Der starke Euro wird in diesem Jahr den Export allerdings erschweren", warnt der Branchenverband VDA.

Billigautos können Neuwagenmarkt in Deutschland beleben

Billigautos können nach Ansicht des Branchenexperten Prof. Wolfgang Meinig den seit Jahren stagnierenden Neuwagenmarkt in Deutschland beleben. "Allerdings werden die Automobilkonzerne mit diesen Autos wohl eher Verluste als Gewinne erzielen", sagte Meinig von der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft. Das Ziel der Hersteller sei es, Marktanteile zu halten. "Wer Marktanteile verliert, über den wird geredet", sagte Meinig.

Der Bamberger Automobilforscher spricht von einem versteckten Rabatt, der dem Kunden gewährt werde. Nachlässe, wie heute beim Autokauf üblich, werde es dann kaum noch geben. "Und auch der Händler wird an diesen Autos nicht viel verdienen." Möglicherweise sollten mit den Billigautos auch neue Kundenschichten erschlossen werden. "Wer einmal ein kleines Auto fährt, der träumt auch von größeren Autos."

Auswirkungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt

Ford will den Ka Student für weniger als 8000 Euro verkaufen, und auch Renault und VW bringen Billigautos auf den Markt. "Die anderen Hersteller werden erst einmal abwarten, ob die Kunden dieses Angebot annehmen", sagte Meinig. Sollten die Billigautos eine Erfolgsgeschichte werden, dann würden sie nachziehen. Auswirkungen der Billigangebote seien auch auf den Gebrauchtwagenmarkt zu erwarten, sagte Meinig. "Der eine oder andere Kunde wird sich schon überlegen, ob er 8000 Euro in einen Gebrauchtwagen investiert oder gleich einen Neuwagen kauft."

Volkswagen will für Südostasien ein Billigauto bauen. Gedacht sei an ein kleines, kostengünstiges Modell mit Herstellkosten von 2300 Euro, sagte Konzernchef Bernd Pischetsrieder dem Nachrichtenmagazin "Focus" zufolge. Der Wagen solle gemeinsam mit dem malaysischen Hersteller Proton entwickelt und in dessen Fabrik gebaut werden. In dieser Region sei Volkswagen bislang noch kaum vertreten.

VW will dem Magazin zufolge in Malaysia auch eine Variante des Fox sowie einen technisch auf dem Passat beruhenden Proton bauen. Zwei gemischte Teams sind laut Pischetsrieder derzeit in dem asiatischen Land mit der Vorbereitung beschäftigt. Zu Gerüchten über eine neue VW-Fabrik in Indien sagte er laut "Focus": "Davon weiß ich nichts."

Ford prescht mit Günstig-Modell vor

Im Preiskampf setzt Ford mit dem Billigauto unter 8000 Euro zum Überholmanöver an. Nach der Ankündigung des französischen Autobauers Renault, das Billigauto Dacia Logan im Sommer auf den Markt zu bringen, legt Ford beim Tempo vor: Ab sofort bietet die Kölner Autoschmiede das neue Modell Ford Ka Student für einen Preis ab 7990 Euro an. "Mit diesem Angebot sind wir als erster deutscher Hersteller in dieser Preiskategorie auf dem deutschen Markt", sagt Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes.

Renault hatte angekündigt, den ursprünglich nur für Osteuropa vorgesehenen Logan auch in Deutschland und in anderen westeuropäischen Ländern anzubieten. Mit einem Verkaufspreis von 7500 Euro soll der Dacia Logan der billigste Neuwagen in Deutschland werden.

Preiswerte Produktangebote ohne Abstriche

Ford-Deutschland-Chef Mattes kommentiert die Entscheidung für die Einführung des Ford Ka Student mit den Worten: "Wir unterstreichen damit, dass wir in der Lage sind, flexibel und schnell auf wechselnde Kundenwünsche und ein wettbewerbsintensives Marktumfeld zu reagieren." Es bestehe zunehmend Interesse der Kunden an "preiswerten Produktangeboten ohne Abstriche an bewährten Qualitäts- und Sicherheitsstandards".

Basierend auf dem Einstiegsmodell des Ford Ka sei das Günstig-Modell unter anderem mit einem Antiblockiersystem, Front- und Seitenairbags für Fahrer sowie Beifahrer und Servolenkung ausgestattet. Weiteres Zubehör sei für einen Aufpreis erhältlich. Der Ford Ka in der Standardausführung kostet ab 9250 Euro.

"Trotz des Namens richtet sich unser Angebot natürlich nicht nur an Studenten, sondern an alle besonders preisbewussten Kunden, die für unter 8000 Euro ein neues Auto mit frischem Design und keinen Gebrauchtwagen kaufen wollen", sagt Mattes. Ford habe im vergangenen Geschäftsjahr rund 10.000 Ford Ka in Deutschland verkauft. "Das neue Modell soll dazu beitragen, dass der Absatz in diesem Jahr deutlich steigen wird."

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters