Testprogramm Auto-Prüfer suchen "Test-Opas"


Rentner gehören für ihn nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Jürgen Bauer, Geschäftsführer des Autotesters Modus, sucht Hände ringend erfahrene Lenker mit mindestens 40 Jahren Fahrpraxis.

Rentner gehören für ihn nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Jürgen Bauer, Geschäftsführer des Autotesters Modus in Raunheim bei Frankfurt, sucht Hände ringend erfahrene Lenker mit mindestens 40 Jahren Fahrpraxis. "In Deutschland sind 43 Prozent der Bevölkerung über 59 Jahre alt", erläutert der Ingenieur seine Beweggründe: "Wer realistische Belastungsergebnisse von Fahrzeugen erhalten will, muss deshalb auch diese Generation in die Tests einbeziehen." Modus organisiert seit knapp zehn Jahren Tests von Autos mehrerer großer Hersteller aus dem In- und Ausland.

"Das spiegelt nicht die Realität wieder"

Bislang haben von den rund 60 Modus-Testfahrern nur fünf das halbe Jahrhundert überschritten, im Rentenalter sind nur zwei. "Das spiegelt nicht die Realität wieder", bemängelt Bauer, denn ältere Menschen fahren oft anders Auto als jüngere. Das lässt sich jeden Tag beobachten. "Wahrscheinlich werden die Fahrzeuge dadurch auch auf andere Weise abgenutzt, etwa bei den Bremsen", mutmaßt der Ingenieur. Außerdem legen Senioren beim Auto auf andere Dinge Wert als die junge Generation. "Das muss in die Bewertung einfließen."

Spezielles Testprogramm

Bauer legt großen Wert auf realitätsnahe Ergebnisse. Dafür hat er ein eigenes Testprogramm entwickelt, mit dem die zehnjährige Lebenszeit eines Autos innerhalb eines halben Jahres durchlebt werden kann: Die Fahrzeuge werden zwölf Stunden am Tag gefahren und zwar auf speziellen Routen in Schweden, Frankreich und Spanien. Nachts schlagen Hilfskräfte die Türen zu und fahren die Fenster hoch und runter, um den Alltag zu simulieren. "Damit kommen wir der wirklichen Belastung sehr nahe", erklärt der Geschäftsführer.

"So können viele Rückrufaktionen verhindert werden"

< In bestimmten Zeitabständen werden die Testautos durchgecheckt und die Fahrer um eine Beurteilung gebeten. Die Zehn-Punkte-Skala reicht von "vollkommen überzeugt" bis "Ich lasse das Auto abschleppen und überlege mir rechtliche Schritte". Die jeweilige Entscheidung muss detailliert begründet werden. "Auf diese Ergebnisse können die Hersteller aufbauen", wirbt Bauer in eigener Sache. "So können viele Rückrufaktionen verhindert werden."

"Testopas"

Die Aussagen seiner bislang einzigen "Testopas" hält der Ingenieur nur für bedingt verwertbar, denn beide kommen aus der Automobilbranche. Der 69-jährige Richard Fischer sitzt seit 1961 für Probefahrten hinterm Steuer: "Ich fahre noch genauso wie früher". Sein gleichaltriger Kollege Herbert Fabian hat lange Jahre als Mechaniker im Ralley-Sport gearbeitet und hört sofort jedes auffällige Motorengeräusch: "Ich bin nicht mehr so ein Draufgänger wie früher. Heute fahre ich vorausschauend."

Die Routine der beiden Oldies kann leicht den unvoreingenommenen Blick verstellen. Bauer will die beiden deshalb verstärkt im Anlernprogramm der Nachwuchs-Alten einsetzen. Doch diese lassen auf sich warten. Die Resonanz auf die ersten Anzeigen war mager. Die versprochene "interessante Aufgabe" und das "Stück Abenteuer" lockten bislang kaum einen Senior hinter dem Ofen vor.

Technisches Verständnis und Englischkenntnisse

Vielleicht schrecken die Anforderungen die Interessenten ab. Verlangt werden ein gutes technisches Verständnis und gute Englischkenntnisse. Täglich sind mindestens vier Stunden Testfahrt abzuleisten - und das oft fern von zu Hause in Schweden oder Spanien. Bauer ist dennoch zuversichtlich, bald über einen ausreichenden Pool an Testfahrern zu verfügen: "Im Moment sind doch jede Menge Vorruheständler auf dem Markt." Dann bleibt ihm nur noch ein Problem: Die Frau am Steuer. Denn auch das weibliche Geschlecht ist bei den Testfahrern deutlich unterrepräsentiert.

Ingo Senft-Werner DPA

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