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Von wegen Spritsparen: Der Normverbrauch ist reine Fantasie

In den Verkaufsprospekten sind unsere Autos extrem sparsam. Doch in Wirklichkeit schlucken sie 38 Prozent mehr als angegeben. Eine neue Studie zeigt, wie dreist getrickst wird.

An der Zapfsäule zeigt sich wie realitätsfern der Normverbrauch ist.

An der Zapfsäule zeigt sich wie realitätsfern der Normverbrauch ist.

Auf dem Datenblatt verbrauchen unsere Autos immer weniger - eine Studie zeigt, dass der Verbrauch auf der Straße seit 2001 allerdings kaum sinkt. Die Diskrepanz zwischen Praxisverbrauch und Normwerten nimmt dagegen von Jahr zu Jahr zu. Inzwischen beträgt der Zuschlag 38 Prozent, so das Fazit einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT).

Abweichung wächst immer mehr

Während die durchschnittliche Abweichung zwischen Test- und Realwerten im Jahr 2001 noch bei rund acht Prozent lag, stieg sie bis 2013 auf knapp 38 Prozent an. Dieser Anstieg war insbesondere in jüngsten Jahren besonders deutlich - allein zwischen 2007 und 2013 verdoppelte sich die Diskrepanz. Die Abweichungen kommen nicht von ungefähr: Die Lücke zwischen Real- und Normverbrauch wächst erst, seitdem die EU verbindliche Klimaschutzvorgaben formuliert hat. Danach scheint die Industrie sehr viel Fleiß in einen optimierten Normverbrauch zu investieren, während der tatsächliche Verbrauch unwichtig ist. Ein großer Teil der hochgelobten Spritspartechniken funktioniert offenbar nur auf dem Rollstand, in der Praxis führen sie zu keiner Ersparnis.

Umfassende Datenbasis

Für die ICCT Analyse wurden die Daten von Portalen wie spritmonitor.de ausgewertet, dazu kommen die Tests des ADAC und die Verbrauchwerte von großen Leasinggesellschaften. Die Ergebnisse der verschiedenen Datenquellen zeigen das gleiche Bild: Die tatsächlichen Verbräuche liegen weit über den Normangaben. Wie ist die Diskrepanz zu erklären? Das derzeitige Verfahren des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) bietet den Herstellern viele Schlupflöcher, um die Wagen verbrauchsoptimiert zu präparieren. Leichtlaufreifen und Spezialöle gehören noch zu den harmloseren Tricks.

Ein Problem sitzt am Lenker

Neben der Industrie sitzen auch die Fahrer auf der Anklagebank, denn sie interessiert umweltschonendes Fahren offenbar nicht. Die Daten von spritmonitor.de zeigen nämlich auch, dass man die meisten Fahrzeuge durchaus mit einem Verbrauch nahe den Normangaben fahren kann, wenn man es denn will. Eine andere Informationsquelle ist der renommierte ADAC Eco-Test. Seine Werte relativieren die Aussagen der Studie. Bei vielen Modellen, die vom ICCT in einer früheren Untersuchung kritisiert wurden, erzielte der ADAC Verbrauchswerte, die zehn bis 15 Prozent über der Norm lagen. Allerdings versuchen die ADAC-Tester zwar zügig, aber auch sparsam zu fahren.

Die Studie räumt auch mit dem Irrtum auf, dass große Luxuswagen durch ihre fortgeschrittene Technik besonders sparsam seien. Im Gegenteil: Bei den meistverkauften Autos im Premiumsegment (Mercedes E-Klasse, 5er BMW und Audi A6) lag die Abweichung des realen Verbrauchs 2006 noch bei 10 Prozent, im Jahr 2013 betrug sie schon 45 Prozent. Man könnte die Ergebnisse so übersetzen: Je teurer der Wagen, umso mehr wird geschummelt.

Von Gernot Kramper
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