Winterchaos in Deutschland FDP fordert nationale Streusalzreserve

Deutschland wie es rutscht und schliddert: Weil ihnen das Streusalz ausgegangen ist, sind viele Kommunen nicht mehr in der Lage, ihre Straßen und Bürgersteige von Schnee und Eis zu befreien. Die FDP will nun Abhilfe schaffen und fordert das Anlegen einer nationalen Salzreserve.

Alarmstimmung bei vielen Kommunen und Gemeinden: Die über Wochen anhaltende Schneefälle in Deutschland haben die Vorräte an Streusalz aufgezehrt. Vielerorts können nur noch die Hauptstraßen von Schnee und Eis befreit werden, Nebenstraßen, Bürgersteige und Radwege haben sich längst in eisglatte Rutschbahnen verwandelt.

Angesichts der Engpässe im Winterdienst hat sich die FDP nun für eine bundesweite Streusalzreserve ausgesprochen. "Der Bund muss als Auftraggeber alle Bundesländer zur Vorhaltung einer Mindestreserve an Salz drängen, damit im gesamten Bundesgebiet die Bundesverkehrswege auch in Wintersituationen uneingeschränkt befahrbar sind", sagte der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring der "Rheinischen Post". Es dürfe zu keinen Engpässen bei der Salzversorgung kommen. "Hier muss der Bund einschreiten." Auch der ADAC forderte einen ausreichenden Vorrat von Streumitteln.

In Nordrhein-Westfalen reicht das Streusalz offenbar nicht einmal mehr für die Autobahnen. Bald könnten nur noch Gefahrenstellen wie Gefälle gestreut werden, kündigte eine Sprecherin des Landesbetriebs Straßen NRW an. Um die letzten Salzreserven zu schonen, streckt die Hamburger Stadtreinigung das Streusalz inzwischen mit Sand. "Wir mischen 25 Prozent Salz in den Sand", sagte der Sprecher der Stadtreinigung, Reinhard Fiedler. Der Salzberg in den 12.000 Tonnen fassenden Lagerhallen ist inzwischen auf weniger als 700 Tonnen zusammengeschmolzen.

Nachschub ist erst für die kommende Woche zu erwarten. Zwei Schiffe seien auf dem Weg. Andere Bezugsquellen sind nicht in Sicht. Fiedler: "Es ist absolut kein Salz mehr auf dem Markt." Auch andere Städte tun alles, um an Salz zu kommen - egal woher und zu welchem Preis. Die Stadt Heidelberg hat zum Beispiel Salz in Serbien bestellt - zum Preis von 195 Euro je Tonne, statt sonst knapp 80. "Der Markt hat auf die extrem hohe Nachfrage reagiert", sagte eine Sprecherin. Bei Auktionen werde Salz teilweise für mehr als 300 Euro je Tonne verkauft. Das seit Donnerstag salzlose Reutlingen hat eine Bestellung in Rumänien aufgegeben. 15 Lastwagen sollten sich am Dienstag auf den mehr als 1500 Kilometer langen Weg machen.

DPA/APN DPA

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