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stern exklusiv: So könnte der Mercedes der Zukunft aussehen

Daimler-Chef Dieter Zetsche ist sich sicher: Seine Branche steht vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Die Roboterautos kommen. Der stern warf erste Blicke auf den Mercedes der Zukunft.

Von Jan Boris Wintzenburg

Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht die Autoindustrie vor dem größten Umbruch in ihrer Geschichte: "Ich glaube, man kann das autonome Fahren vergleichen mit dem Sprung von der Pferdekutsche zum Motorfahrzeug", sagt Dieter Zetsche in einem Interview mit dem stern. Künftig sollen Fahrzeuge völlig ohne den Eingriff des Menschen von A nach B fahren können. Seit Carl Benz habe das Auto viele Fortschritte gemacht, "aber dass sich das Fahren so signifikant verändert, das gab es noch nicht."

Die Technik ist so weit entwickelt, dass Ihr Mercedes-Benz sein nächstes Forschungsfahrzeug widmet. Der im internen Sprachgebrauch "REC 14" genannte Wagen – das steht für "Research Car 14" – soll im Januar auf der Consumer-Electronics-Messe in Las Vegas präsentiert werden. Die Leitmesse der IT- und Unterhaltungsbranche entwickelt sich immer mehr auch zum Anlaufplatz für die Autokonzerne. Sie läuft reinen Automessen wie der Auto-Show in Detroit, die nur wenige Tage später stattfindet, den Rang ab. Alle großen deutschen Hersteller werden in Las Vegas mit Ständen vertreten sein.

Vision vom autonomen Fahren

Der REC 14 ist Daimlers Vision vom autonomen Fahren und der Mobilität der Zukunft: Die deutlich über fünf Meter lange Limousine hat vier Sitze die sich wie in einer Lounge zueinander hin drehen lassen. Das Lenkrad verschwindet dann im Armaturenbrett und das Fahrzeug soll in der Lage sein, seine Ziele autonom anzusteuern, während die Passagiere lesen, reden oder auch schlafen. Der stern zeigt exklusiv die ersten Bilder vom Fahrzeug, das auf der Messe einen neuen Namen tragen wird.

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Innen wie außen wird im REC 14 sichtbar gemacht, wie das Fahrzeug seine Umwelt wahrnimmt. Dazu sind an der Front großflächig LEDs angebracht, die Richtungswechsel oder Bremsmanöver anzeigen. "Es ist wichtig, dass ein Roboterauto seine Absichten kundtut, damit sich die Umwelt darauf einstellen kann", sagt Dieter Zetsche. An der Kommunikationsfähigkeit des Fahrzeugs hat Daimler viele Jahre geforscht.

"Beim vollautomatisierten Fahren ist letztlich der Fahrzeughersteller verantwortlich", so Zetsche. Das werfe rechtliche, aber auch ethische Fragen auf. Entscheidungen, die Menschen täglich unbewusst und instinktiv träfen, müssten allgemein verbindlich festgelegt werden, so Zetsche. "Da brauchen wir Regeln, auf die wir uns als Gesellschaft verständigen – eine Art Roboterethik." Um die zu entwickeln, sei es nötig, jetzt die Diskussion zu beginnen: "Ich kann mir vorstellen, dass die Lösung dieser ethischen Fragen länger dauern kann, als die Technik zu entwickeln."

Daimler sieht sich bei der Entwicklung selbstfahrender Autos vorne. Vor Konzernen wie Google fürchte man sich bei dem Thema nicht: "Wir respektieren Google, aber wir haben keine Angst", so Zetsche. Man wolle mit seinen Fahrzeugen aber auch nicht zur Datenkrake werden: "Das ist nicht unser Geschäftszweck, wir stellen Autos her. Es ist möglich, dass wir anonymisierte Bewegungsdaten nutzen, um den Verkehr besser zu steuern. Aber den Zugang zu unseren Kunden, den werden wir nie verkaufen." Mercedes habe einen guten Ruf bei der Sicherheit. Und Datensicherheit sei inzwischen genauso wichtig wie die physische Sicherheit im Auto.

Ein ausführliches Interview mit Daimler-Chef Zetsche...

... lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des stern.

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