Taxiwelt Dubai Kameltreiber im Toyota


Wer glaubt, dass in den Mega-Emiraten Dubai oder Abu Dhabi in erster Linie Luxuskarossen wie Mercedes S-Klasse, Range Rover oder Porsche Cayenne die Straßen bevölkern, irrt nicht. Viele Bewohner der Wüstenstaaten setzen jedoch auf den Kamelnachfahren namens Taxi.
Von Stefan Grundhoff

In Dubai treffen Welten aufeinander. Während um fünf Uhr morgens der Muezzin zum Gebet ruft und verschleierte Frauen ihren Männern hinterher stapfen, zeigen prunkvolle Hotelpaläste, atemberaubende Hochhausstadtteile oder die mächtigen Einkaufszentren wie groß die westlichen Einflüsse mittlerweile sind. Die Parkplätze sind überfüllt und die Straßen bis um zwei Uhr nachts verstopft.

Die Reichen gönnen sich einen Chauffeur, doch immer mehr Bewohner setzen auf das Taxi. Dabei ist die Taxischlange vor der luxuriösen "Mall of the Emirates" so imposant wie das überdimensionale Einkaufszentrum selbst und nahezu im Zehn-Sekunden-Takt springen Einheimische und Touristen in die beigefarbenen Vehikel. Ähnlich wie in den meisten deutschen Städten sind die Taxis durch die markante Färbung selbst im dichtesten Straßenverkehr zu erkennen.

Unprätentiös, aber praktisch

Die meisten Fahrer machen es wie Rachan und setzen auf bewährte Toyota-Modelle. Besonders beliebt ist der lange gescholtene Toyota Camry. In Deutschland ist der geräumige Camry längst von den Straßen verschwunden und wurde von der kaum weniger emotionalen Limousine Avensis ersetzt. In den USA ist der Camry seit Jahren ein Bestseller, wurde mehrfach zur besten Limousine des Jahres und zum besten Sechszylinder-Fahrzeug gewählt. Hinter den nach wie vor übermächtigen Pick Ups ist der Camry in den USA das meistverkaufte Auto. So wenig emotional er sich auch dem geneigten Kunden präsentiert, so praktisch ist er im Alltag - wie in Dubai.

Gezahlt wird in bar

Der wortkarge Rachan fährt seit ein paar Jahren Taxi in der Megametropole. "Der Camry lässt einen keinen Tag im Stich", erzählt er, "geräumig ist er zudem." Die meisten Kunden sind Hotelgäste. So sind die Standzeiten kurz. Der Concierge im Hotel Marriott Dubai weiß dann auch ein Lied von der Taxi-Problematik zu singen: "Wenn wir zu normalen Geschäftszeit per Telefon ein Taxi bestellen, muss man mindestens eine halbe Stunde warten - oft auch länger." Viele Hotels bieten deshalb mittlerweile eigene Shuttles an. Die sind edler und schneller verfügbar, jedoch zumeist auch deutlich teurer.

Die Taxis sind ungezählt, doch die Nachfrage wird durch den immer wichtiger werdenden Wirtschaftsstandort Dubai immer größer. In der belebten Altstadt vom Dubai entlang des Creeks braucht man durch Handzeichen gar nicht erst versuchen, ein Taxi an den Straßenrand zu winken. Hat man mit viel Glück und unter Einsatz seines Lebens beim Straße überqueren dann doch eines gesichert, freut man sich über saubere Innenräume, wortkarge Fahrer und einen günstigen Preis. Für umgerechnet ein bis zwei Euro ist man gut zehn Minuten unterwegs. Gezahlt wird in bar. Die Kreditkarte kann man gleich eingesteckt lassen. Viele sind in Dubai auf ein Taxi angewiesen. Da die meisten Touristen in Gruppen reisen, ist das Interesse an Mietwagen vergleichsweise gering. Selbst vor Luxustempeln wie dem Emirates Palace in Abu Dhabi oder dem mächtigen Burj al Arab fahren die Taxis ein und aus.

Kostengünstig zum Einkaufen

Nicht anders sieht das ganze im Nachbarstaat Abu Dhabi aus. Hier sind die Taxis weiß und als Toyota Corolla zumeist eine Nummer kleiner als in Dubai. Der Fahrpreis sind auch hier überschaubar, die Autos sind sauber und die Fahrer verzichten zumeist auf landestypische Musik in Zimmerlautstärke. Ähnlich wie in Dubai fahren auch im beschaulicheren Abu Dhabi viele Bürger mit dem Taxi kostengünstig zum Einkaufen. Die "Marina Mall" zwischen Yachthafen und dem Mega-Hotel "Emirates Palace" hat einen mächtigen Parkplatz. Doch die Schlange vor dem Taxistand geht ins unendliche. So verteilen Getränkefirmen gerne einmal werbewirksam noch ein paar Erfrischungen, während das Publikum schwer bepackt auf die Taxis wartet. Eine Tour in die Innenstadt kostet nicht einmal zwei Euro.


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