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Tokio Motor Show: Viele, viele bunte Autos

Während die europäischen Autobauer bei Messen die dezente Präsentation bevorzugen und auf weiblichen Blickfang verzichten, gehört bei japanischen und koreanischen Firmen die verführerische Pose und der besonders knappe Minirock zu einem gelungenen Messeauftritt.

Der kleine Roboter Asimo wünscht fröhlich "Gut Tag" und beginnt, die Vorzüge der neuen Honda-Modelle zu erläutern. Nebenan verteilen bei der Tokio Motorshow junge Frauen im Minirock aus Lack und Leder die dazugehörigen Prospekte. Während die europäischen und amerikanischen Autobauer bei Messen zunehmend die dezente Präsentation bevorzugen und auf weiblichen Blickfang verzichten, gehört bei japanischen und koreanischen Firmen die verführerische Pose und der besonders knappe Minirock in diesen Tagen in Tokio zu einem gelungenen Messeauftritt.

Mini-Flitzer

Dabei hat die Rocklänge nach Ansicht von langjährigen Motorshow- Besuchern in diesem Herbst durchaus zugelegt. Unverändert Mini bleiben dagegen die "Kei-Cars", eine Fahrzeugkategorie, der in Europa höchstens der kleine smart nahe kommt. Weil im stark bevölkerten Japan Platz knapp ist, sorgt der Gesetzgeber mit zahlreichen Steuernachlässen und Vergünstigungen dafür, dass sich in der Stadt der Kauf der automobilen Winzlinge lohnt. Wer ein "Kei-Car" mit maximal 600 Kubikzentimeter-Motor kauft, muss beispielsweise den vorgeschriebenen eigenen Parkplatz nicht vorweisen.

Durchgeknalltes Design

Namen wie "Town Box" oder "Cube" zeigen den Trend bei den Mini- Autos. Da die Länge dieser Fahrzeuge auf maximal 3,40 Meter begrenzt ist, wachsen sie in die Höhe. Das Ergebnis sind wie bei Daihatsu bunte Schachteln, in denen phantasievolle Designer viel Platz geschaffen haben - etwa indem der Motor unter den Sitzen platziert ist. Die Brennstoffzelle oder der bereits angebotene Hybrid-Antrieb mit der Kombination von herkömmlichen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb werden für die Mini-Autos der Zukunft angesichts der scharfen japanischen Abgasbestimmungen selbstverständlich sein. Kehrseite der Experimentierfreude: Viele der Winzlinge sehen aus wie überdimensionale Küchengeräte.

Dass ein "Kei-Minicar" durchaus europäisch anmuten kann, zeigt in Tokio der Franzose Olivier Boulay. Er entwarf als Chefdesigner von Mitsubishi ein Auto namens "i", das in ähnlicher Form ab 2005 durch Japans Städte rollen soll. Extrem löst Toyota das Platzproblem mit dem "PM", der sich von 1,75 Meter auf 2,65 Meter Länge strecken lässt.

Ganz japanisch gab sich der amerikanische Autobauer Chrysler bei der Autoausstellung in der japanischen Hauptstadt: Seine Jeep-Treo-Studie ist ein Stadtauto - wahlweise als Drei- oder Zwei-Sitzer. Das kleine Fahrzeug mit den freistehenden Rädern könnte einem japanischen Manga-Comic entsprungen sein - und weil es sich in Tokio so gehört, postierten die Amerikaner auch ein Mini-Girl vor die Konzept-Studie.

Frank Heidmann, dpa / DPA
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