VERKEHR Amish kämpfen gegen Markierung ihrer Kutschen


Drei Tage lang saß der Amish Jonas Swartzentruber im Gefängnis. Er hatte sich geweigert, ein reflektierendes Dreieck an seiner Pferdekutsche anzubringen.

Drei Tage lang saß der Amish Jonas Swartzentruber in dem Gefängnis der kleinen Stadt Ebensburg im US- Bundesstaat Pennsylvania. Sein Vergehen: Er hatte sich geweigert, ein orangefarbenes reflektierendes Dreieck an seiner schwarzen Pferdekutsche anzubringen. Alle langsamen Fahrzeugen in Pennsylvania müssen mit einem solchen Warnzeichen markiert werden. Stattdessen hatte er seine Kutsche mit grauem Reflektorband und einer Laterne sichtbar gemacht.

Keine Elektrizität

Die Amish isolieren sich so weit wie möglich vom Rest der Gesellschaft und verweigern die Benutzung fast aller modernen Innovationen. Sie haben weder Elektrizität noch Telefone, sie fahren keine Autos und sind nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Ihr Nachwuchs geht zu privaten Amish-Schulen, in denen Kinder jeden Alters in einem Raum unterrichtet werden. Die Amish tragen altmodisch anmutende Trachten und sprechen als Muttersprache einen pfälzischen Dialekt.

Verbotene Bußgelder

Die strengen Regeln der Gruppe verboten es Jonas Swartzentruber, ein Bußgeld von 100 Dollar zu zahlen oder Sozialarbeit in der Gemeinde zu leisten. Der Vorsitzende Richter hatte ihm dies an Stelle der Gefängnisstrafe angeboten. »Durch die Gemeindearbeit hätte er vielleicht in einem Auto mitfahren müssen oder wäre mit elektrischen Geräten in Kontakt gekommen«, erklärt Donna Doblick, die Anwältin der Swartzentrubers, das Problem.

Leuchtende Farben sind verboten

Zehn weitere Mitglieder der Swartzentruber-Gemeinde stehen inzwischen wegen der mangelnden Markierung ihrer Kutschen unter Anklage. »Das orangefarbene Dreieck verstößt gegen die Regeln der Swartzentrubers. Helle leuchtende Farben dürfen die Mitglieder der Gruppe nicht benutzen. Sie lehnen jede Art von Dekorierung ab. Außerdem wollen sie vermeiden, dass sich ihre Mitglieder häufiger als notwendig auf den Straßen aufhalten. Das Dreieck könnte jedoch einen Anreiz zu mehr nächtlichen Ausflügen bieten, sagt Witold Walczak, Leiter der Bürgerrechtsorganisation «American Civil Liberties Union» (ACLU) in Pennsylvania.

Unterstützung für die Amish

Vor Gericht soll nun der Freispruch der zehn Angeklagten und eine Befreiung von der Markierungspflicht der Kutschen erreicht werden. Unterstützung erhalten die Amish dabei von einem Senator des Staates Pennsylvania. Er will eine Gesetzesvorlage einbringen, die es religiösen Gruppen erlauben soll, statt des Dreiecks andere Markierungen zu benutzen. »Es ist das verfassungsmäßige Recht der Swartzentrubers, ihre religiösen Überzeugungen auszuleben«, meint Walczak. »Mindestens fünf andere amerikanische Bundesstaaten haben es den Amish bereits erlaubt, statt des Dreiecks das graue Reflektorband zu benutzen. Eine höhere Unfallquote haben sie deshalb aber nicht zu verzeichnen.«


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