VORSTELLUNG Feuer fürs blaue Oval

Nachdem man bei Ford die schwächelnde Modellpalette auf Vordermann gebracht hat, machen sich die Kölner jetzt daran, wieder an bessere, weil sportlichere, Zeiten anzuknüpfen.

Nachdem man bei Ford so langsam die schwächelnde Modellpalette auf Vordermann gebracht hat, machen sich die Kölner jetzt daran, wieder an bessere, weil sportlichere Zeiten anzuknüpfen. Auf Basis von Mondeo und Focus entstehen zwei Straßensportler für die breite Masse. Den Ford Focus ST170 gibt es ab sofort, auf seinen großen Bruder, den Mondeo ST220, müssen Ford-Fans noch bis zum Sommer warten.

Sportliche Vergangenheit

Lange hat man es in Köln vermisst, das heisere Brüllen sportlich modifizierter Motoren. Statt dessen regierte langweilige Serien-Tristesse. Dabei stand Ford mal für echt angesagte Jedermann-Sportler. Egal ob Sierra RS oder Escort XR3i, wer sich so eine protzige PS-Schleuder zulegte, konnte sich locker mit den Linkespurblockierern von Mercedes und BMW messen.

Dezente Optik

Angesichts ihrer extremer Vorgänger sind sowohl der Focus als auch der Mondeo in der ST-Version zwar immer noch Waisenknaben, aber immerhin ein Anfang. Nach außen hin verkaufen sich die Sportler mit dem blauen Oval im Kühlergrill relativ dezent. Neben tieferen Frontspoilern, ausgestellten Radhäusern, Nebelscheinwerfern und verchromten Auspuffendrohren, stechen vor allem die breiten Reifen aus der Serien-Masse hervor. Der Focus spaziert immerhin auf 17-Zoll-Rädern über Stock und Stein, der Mondeo steht sogar auf 18-Zoll-Walzen.

Motor-Kosmetik

Etwas Plastik, Metall und Chrom machen noch längst keinen Sportler. Dementsprechend stecken die ST-For(d)tschritte auch unter Metall. Durch einen neuen Zylinderkopf, eine variable Ventilsteuerung, einen zweistufigen Krümmer und eine große Abgasanlage aus Edelstahl mutiert der Zweiliter-Duratec-Vierzylinder aus dem Serien-Focus vom Durchschnitts-Krabbler zum Autobahn-Piraten. Immerhin 43 PS mehr kitzelten die Ford-Ingenieure aus dem einst 130 PS starken Triebwerk. Ähnlich umfangreich fielen auch die Arbeiten unter der Mondeo-Motorhaube aus. Der Serien-Sechzylinder leistet nach erfolgter Fitness-Kur stolze 226 PS.

Das Resultat: recht beeindruckende Fahrleistungen. Der ST-Focus sprintet nun in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer, der Mondeo schafft den Spurt sogar in 7,4 Sekunden.

Professionelle Autonarren

Verantwortlich für die Bastelarbeiten ist eine neue, alte Ford-Abteilung. Sie hört auf den schmucklosen Namen SVE (Special Vehicle Engineering) und soll sich zukünftig ganz der Entwicklung von exklusiven Fords widmen. Die Ingenieure und Schrauber von SVE sind keine Unbekannten. Unter ihrer Federführung entstanden in der Vergangenheit Klassiker wie der Sierra RS oder auch die aktuellen Wühler, die um die Rallye-Weltmeisterschaft fahren. Neu ist nur die eigene Organisation, in der sich die Motorsport-Spezialisten nun austoben können. »Wir sind die professionellen Autonarren bei Ford. Wir sind dazu da, Fahrspaß zu einem ernsten Geschäft zu machen«, definiert SVE-Chef Jost Capito den Sinn seiner Truppe.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Für Porsche hat er ab 1989 den Porsche Supercup entwickelt. Das Fernziel ist klar: eine eigene, sportliche Marke und dem Ford-Dach zu etablieren.

Es kommt noch mehr

Mindestens 24.200 Euro muss man an Ford überweisen, um den flotten Focus über die Straße zu prügeln. Der genaue Preis für den Mondeo steht noch nicht fest. Wem die beiden Alltags-Sportler noch zu lahm sind, sollte sich noch etwas gedulden. Im nächsten Jahr kommt der kompromisslose Focus RS - die zivile Version des Rallye-Focus.

Jochen Knecht


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