VW Golf V Schade Opel...


Beim neuen Astra haben die Rüsselsheimer scheinbar alles richtig gemacht und werden doch nur die zweite Geige spielen. Der Golf kommt. Und wie...

Es ist eine unendliche Geschichte. Seit der Kadett Astra heißt, fährt ihm der Golf bei den Zulassungszahlen um die Ohren. Beim neuen Astra haben die Rüsselsheimer scheinbar alles richtig gemacht und werden doch nur die zweite Geige spielen. Der Golf kommt. Und wie...

Klassenprimus im Wachstum

Die Generation-Golf kommt in die Jahre, und ihr bevorzugtes Fortbewegungsmittel wächst mit. Evolution statt Revolution stand bei den bisherigen Entwicklungsschritten des Klassenprimus im Vordergrund. Mit schöner Regelmäßigkeit wurde der Golf immer runder, größer, komfortabler und teuer. Überraschungen? Fehlanzeige.

Unter Druck

Mit dem anstehenden Modellwechsel von der vierten auf die fünfte Golf-Generation witterte die Konkurrenz Chancen für eine Wachablösung. Peugeot (307) und Renault (Mégane) setzten dem konservativen Wolfsburger neue Ideen und mutiges Design entgegen. Opel zog sogar die Präsentation des neuen Astra vor und geht nun zeitgleich mit dem Golf ins Rennen. Als jüngst die ersten Bilder des Astra an die Öffentlichkeit kamen, schienen die Tage des Golf gezählt. Modernes Design, sportliche Details und viel Mut zu einem anderen Look. Was hatte der nächste Golf diesem schicken Astra entgegen zu setzen?

Dynamisches Gesicht

Viel, auch wenn die optische Revolution ausblieb. Natürlich. Vielmehr ist der die Summe der kleinen Schritte, mit denen der Golf erneut die Meßlatte in der nach ihm benannten Klasse legen wird. Beim Design bleibt der Golf ein Golf. Aber ein sehr dynamischer. Große Klarglas-Scheinwerfer, in hochwertigen Versionen mit Bi-Xenon-Technologie, und darunter Blinkerbänder wie beim Phaeton fassen den neuen Kühlergrill mit dicken Querbalken und großem VW-Emblem ein. Unter dem Kennzeichen sammeln drei große Kühlluft-Öffnungen Sauerstoff zur Beatmung der Motoren.

Fälschungssicheres Original

Verantwortlich für die sportliche Schnauze ist die auffällig eingedellte Motorhaube. Zu den Scheinwerfern hin sind Motorhaube und Kotflügel deutlich gewölbt und bilden so zwei Höcker, die dem Golf einen auffälligen Auftritt verschaffen. Zusätzlich steht die Kante der Motorhaube im Bereich der Scheinwerfer einige Millimeter über. Das erste Auto mit Blech-Augenbrauen. "Fälschungssicheres Original" nennt VW den neuen Look und degradiert damit die Konkurrenz zu Plagiaten.

Dickes Ding

Eine konsequentere Weiterentwicklung der bisherigen Linie zeigt sich am Ende des Wagens. Dicke C-Säule, wuchtiger Stoßfänger und eine größere Heckscheibe signalisieren Größe, die vom Phaeton und Touareg bekannten Heckleuchten stehen für den oft zitierten Premium-Anspruch. Dabei hat der neue Wolfsburger optische Tricks kaum nötig. Der Golf ist ein dickes Ding. Mit einer Gesamtlänge von 4.204 Millimetern ist er 5,7 Zentimeter länger als sein Vorgänger. Bei Breite und Höhe stehen 2,4 beziehungsweise 3,9 Zentimeter auf er Zuwachs-Seite.

Mehr Platz im Cockpit

Wie gehabt sollen die Passagiere vom Blech-Wachstum profitieren. Bei Cockpit-Gestaltung und Raumangebot orientiert sich der Golf an der "nächst höheren Klasse". Wohl konnte man sich auch bisher im Golf fühlen. Sicher sowieso. Serienmäßig sind sechs Airbags, fünf Kopfstützen, eine neu entwickelte Sicherheits-Lenksäule und Pedale, die bei einem Unfall zurückweichen. Der Fußraum wird eine weitere Überraschung bereit halten. Nach langen Jahren der Abstinenz kommt im Golf wieder ein stehendes Gaspedal zum Einsatz. Das heißt, das Pedal hängt nicht von oben in den Fußraum, sondern kommt "aus" dem Fahrzeugboden. VW verspricht sich von dieser Maßnahme vor allem auf längeren Strecken einen Komfortgewinn.

Motoren-Vielfalt

An Motorisierungen herrschte in Wolfsburg noch nie ein Mangel. So stehen zum Golf-Start vier Motoren zur Verfügung. Neben dem bekannten Einstiegs-Benziner mit 75 PS und einem bewährten 105 PS TDI, ist auch ein neuer Zweiliter-Diesel mit satten 140 PS am Start. Die vorläufige Spitzenmotorisierung bei den Ottomotoren bildet ein FSI mit 1,6 Litern Hubraum und 115 PS. Vier zusätzliche Motoren sollen folgen. Dabei setzt VW weiter auf die Benzin-Direkteinspritzung (FSI). Auf die sportlichsten Benzin- und Dieseltriebwerke werden Golf-Fans allerdings noch etwas warten müssen.

Das aus dem Audi TT und dem Golf R32 bekannte Direktschaltgetriebe DSG soll erstmals nicht nur den Top-Modellen vorbehalten bleiben. Vor allem der 140-PS-Diesel darf von der schnellen Schaltung profitieren. Für die restlichen Modelle stehen manuelle Fünf- und Sechsgang-Getriebe sowie eine Sechsgang-Automatik zur Verfügung.

Die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt (IAA) im September wird zeigen, ob der Golf dem neuen Astra gewachsen ist. Ihre Hausaufgaben haben beide Hersteller offensichtlich gemacht. Der Golf wirkt allerdings souveräner und auf den ersten Blick auch erwachsener.

Jochen Knecht

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