VW Scirocco Rebel Yell mit Schaumwein


Es war ein absolutes Kultauto: der Scirocco. Jetzt gibt es ihn wieder. Um das Rebellenimage zu pflegen, hat VW kesse Schweden-Jungs, Kraken-Salat und Pro-Secco aus der Büchse aufgeboten.
Von Kathrin Buchner/Berlin

Flach wie eine Flunder, metallisch-grün mit schwarzem Dach aus Glas. Scharf ist er geschnitten mit bulliger Kühlerfront. Im Cockpit sind zwei Zylinder aus leuchtenden Stäben, der Schalt-Hebel liegt flach in der Mittelkonsole und fährt erst raus, wenn man die Zündung einschaltet. Mit 150 PS rast das Designstück mit dem Decknamen "Iroc" durch die Halle. "Ein cooles Auto, ein mutiges Auto, ein wildes Auto, ein richtig scharfes Teil mit Stil". Man hat das Gefühl, dem Mann reichen die Worte nicht um die Sensation zu verkünden: dass das nach einem Wüstensturm benannte Kultauto Scirocco zurückkommt. VW-Vorstand Wolfgang Bernhard ist hin und weg von seinem eigenen Produkt, dem schärfsten Auto, das VW je vorgestellt hat und "rebellisches Lebensgefühl" vermitteln soll, wie Bernhard sich ausdrückt.

Geiz ist un-geil

Für den ersten Auftritt des neuen Rebellen hat VW nicht gespart: Zwei Wochen wurde der Hangar im Berliner Flughafen Tempelhof für die Präsentation umgebaut: Der Raum ist komplett schwarz bis auf die Rahmen an der Wand, die in gleisend neon-grünem Licht leuchten. Hinter dem Leuchtband verbirgt sich eine Rennbahn, auf der VW-Vorstandschef Wolfgang Bernhard ein paar Runden mit dem Flitzer dreht.

1.300 Gäste wurden eingeladen, darunter zielgruppenspezifische Promis wie Bela B. von den Ärzten oder die Moderatorin Sarah Kuttner. Schließlich soll das Auto, das 2008 in Serie gehen wird, zu einem erschwinglichen Preis an junge Leute, die sich weder Porsche noch BMW leisten können, verkauft werden.

Geiz ist un-geil

1974 brachte VW den Scirocco auf den Markt. Das keilförmige Coupé wurde ein echter Renner: Bis 1992 verkaufte sich der schnittige Sportwagen weit mehr als 800.000 Mal. Das Nachfolgemodell Corrado erwies sich als Flop. Jetzt soll der Scirocco wieder kommen und dem angeschlagenen Konzern Profit bringen. VW verkauft zwar in Europa so viele Autos wie kein anderer Hersteller in Europa, verdient aber wenig dabei. Derzeit führen Vorstand und Betriebsrat Verhandlungen zur Sanierung, mindestens 20.000 Arbeitsplätze stehen zur Debatte.

Kesse Schweden-Jungs

Zumindest die potentiellen Käufer hat sich VW gleich dazu eingeladen: Nachdem sich die meisten Anzugträger und Pressevertreter mit Butterfisch, Salat vom Oktopus, Himbeer-Mojito und Prosecco aus der Dose gestärkt und das Auto ausgiebig bewundert haben, durfte ab 22 Uhr hippes Szenevolk in die heiligen Hallen. Über Emails an Mitarbeiter in Eventagenturen waren die Einladungen verschickt worden. Aber die ausgewählten Trendsetter interessierten sich weniger für den Rebellen auf Rädern, sondern mehr für die rockenden Jungs, die auf einer Plattform von der Decke hintergelassen wurden: Genau zur Veröffentlichung des neuen Albums präsentierte VW ein Exklusivkonzert der schwedischen Rockband Mando Diao. Für die kessen Schweden-Jungs, die in ihrer Heimat für ihre provokante Selbstdarstellung berüchtigt sind, ist das nicht der erste Flirt mit der Industrie: 2003 waren sie bekannt geworden, weil E-Plus ihren Song "Lady" für ihre internationale Handywerbung einsetzte. Wie viel Gage Mando Diao für ihren Gig bekamen, darüber herrscht Schweigen, aber für die Anschaffung eines Rebellen-Autos reicht es sicherlich.


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