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"Disaster: Day of Crisis": Schlechten Tag erwischt

Apocalypse now: In "Disaster: Day of Crisis" muss der Spieler nicht nur Naturgewalten trotzen, sondern auch noch Terroristen Einhalt gebieten ...

Ray scheint vom Unglück verfolgt. Als er seinen Freund und Kollegen bei einem Vulkanausbruch verliert, kündigt er beim Rettungsteam. Die Umstände allerdings zwingen ihn erneut in die Heldenrolle: Der Ex-Elite-Soldat hatte seinem Freund versprochen, sich um dessen kleine Schwester Lisa zu kümmern, falls ihm etwas zustößt. Als diese von Terroristen als Geisel genommen wird, nimmt Ray die Verfolgung auf, während die Welt um ihn herum im Chaos versinkt ...

Der Spieler hat in "Disaster" alle Hände voll zu tun. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die speziellen Bewegungsmöglichkeiten der beiden Wii-Controller kommen bei diesem wüsten Genre-Mix exzessiv zum Einsatz. So wird bei Schießereien die Wiimote wie eine Lightgun benutzt, bei Rennspiel-Einlagen mutiert sie zum Lenkrad. Flieht Ray aus einer einstürzenden Lagerhalle, müssen die Fernbedienung und das Nunchuck abwechselnd auf- und abgeschwungen werden. Und sollten Rays Klamotten Feuer fangen, sollte er sich schnell nach Kräften schütteln. Je nach Situation werden die Controller anders eingesetzt.

So abwechslungsreich die 23 Katastrophen-Kapitel und die Rettung in Not geratener Zivlisten inklusive Erster-Hilfe-Leistung, gut getimter Herzmassagen und simpler Wundversorgung umgesetzt wurden, so öde sind die eingestreuten Shooter-Sequenzen. Alle paar Minuten laufen Ray ein paar Terroristen über den Weg, die dann in einer Fadenkreuzballerei aus dem Weg geräumt werden müssen. Kniffliger wird's allenfalls bei Duellen gegen Bossgegner, bei denen eine gewisse Taktik erforderlich ist.

Für bewältigte Missionen gibt's Heldenpunkte, mit denen sich Rays Fähigkeiten und Waffen verbessern lassen. Hat er eigentlich aber gar nicht nötig. Denn der muskelbepackte Philanthrop ist der wohl härteste Hund auf diesem Planeten. Feuer löscht er mit bloßen Händen. Auf Tsunami-Wellen reitet er in einem Auto. Und wenn er nicht gerade Steine mit seinen Fäusten zerschlägt, steckt er sich eine Leiter in die Hosentasche ...

Desaströs ist nicht nur die Flut an Logik-Patzern, sondern auch die Grafik. Zwar ist das Setting wirklich gelungen, die altbackenen Effekte und die matschigen Texturen könnten jedoch glatt aus einem GameCube-Spiel stammen. Auch die Kameraführung ist nicht immer glücklich gewählt, wenn der passionierte Lebensretter sich durch die zerstörte Stadt hangelt und deshalb immer wieder im Abgrund landet. Dafür können sich die orchestrale Musikuntermalung und die englische Sprachausgabe wirklich hören lassen. Eine kleine Idee mit großer Wirkung: Funksprüche tönen direkt aus der Fernbedienung, sodass die Illusion entsteht, man habe ein Funkgerät in der Hand.

Disaster: Day of Crisis

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Action-Adventure

Plattform

Wii

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Fazit: "Disaster: Day of Crisis" ist ein hässlicher, aber abwechslungsreicher Survival-Trip durch eine Stadt am Abgrund. Für Gutmenschen mit Helfersyndrom und Nerven wie Drahtseilen ist der Wii-Titel ein idealer Zeitvertreib, um sich zehn bis zwölf Stunden auszutoben - zumal die düstere Inszenierung sich wohltuend von den üblichen zuckersüßen Wii-Games abhebt.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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