"Grand Theft Auto IV" Spielekonzern Take-Two pokert hoch


Der weltweit erfolgreiche Start des Videospiels "Grand Theft Auto IV" bricht alle Branchenrekorde. Nun sieht sich Take-Two in einer äußerst guten Position für laufende Übernahmegespräche. Allerdings bleiben dem Unternehmen eigentlich gar nicht viele Möglichkeiten.
Von Helene Laube und Arndt Ohler

Take-Two Interactive Software bricht nach jetzigen Erwartungen mit seinem seit Dienstag erhältlichen Gangsterspiel "Grand Theft Auto IV" in der ersten Verkaufswoche alle Rekorde der Branche. Mit diesem Erfolg im Rücken startet das Videospielunternehmen nun in Gespräche mit Kaufinteressenten. "Wir werden formelle Verhandlungen mit interessierten Parteien aufnehmen", sagte eine Take-Two-Sprecherin. Ob es bereits Gespräche gibt und mit wem, sagte sie nicht.

Mehrere Parteien hätten Interesse bekundet, behauptet das New Yorker Unternehmen, das die Übernahme durch den Rivalen Electronic Arts (EA) zu dessen Konditionen verhindern will. Der weltgrößte Computerspiele-Produzent bietet in seiner Offerte von Ende Februar rund 2 Mrd. $, was Take-Two als zu niedrig zurückgewiesen hat.

Take-Two hatte bislang Verkaufsverhandlungen mit der Begründung ausgeschlagen, bis zum Tag nach der Einführung der neuesten Version von "Grand Theft Auto" (GTA) warten zu wollen, also bis zum 30. April. Der Entwickler hofft, dass die Popularität des Spiels dazu beitragen könnte, seine Investoren im Kampf gegen das EA-Angebot hinter sich zu bringen und den Preis steigern zu können. Alle strategischen und finanziellen Alternativen würden erwogen - auch die Möglichkeit, unabhängig zu bleiben, teilte Take-Two vor zwei Wochen mit.

Keine Alternative zu EA

Viel Spielraum bleibt dem Unternehmen nach Meinung von Analysten jedoch nicht. "Es gibt keine Alternative", sagte Michael Pachter von der US-Investmentbank Wedbush Morgan Securities in Bezug auf weitere mögliche Bieter als EA. Nicht-strategische Investoren wie Risikokapitalgeber scheiden nach Ansicht des Experten als mögliche Bieter aus, da diese nur geringe Synergien verwirklichen könnten und ihnen die Branchenkenntnis fehle.

Einige Analysten spekulieren auf eine Erhöhung des Angebots durch EA. Die Offerte des Konzerns aus dem Silicon Valley liegt seit Mitte April unter der Notierung der Take-Two-Aktie. Der Aktienkurs pendelt immer wieder im Bereich der EA-Offerte von 25,74 $ pro Aktie.

Nach Einschätzung der US-Investmentbank Cowen and Company dürfte das neu eingeführte Videospiel auch bei einem hohen kommerziellen Erfolg einen nur "minimalen Einfluss" auf die Aktienkursentwicklung haben. Viel stärker falle ins Gewicht, wie sich EA in Zukunft verhalten werde.

"Der Aktienpreis liegt mal über und mal unter unserem Angebot, und er ändert nichts", sagte ein EA-Konzernsprecher. "Wir wussten, dass GTA ein großer Erfolg würde - all das haben wir in unser Angebot von 2 Mrd. $ einkalkuliert."

Erste Verkaufswoche ein voller Erfolg

Ob EA den Kaufpreis erhöhen werde, sagte der Sprecher nicht. "Wir sind der Meinung, dass unser Angebot von 25,74 $ fair ist." Gespräche mit Take-Two gebe es noch keine. EA sei aber bereit, sich mit dem Take-Two-Management zu treffen und Verhandlungen aufzunehmen, hieß es.

EA hatte Ende Februar nach monatelangen erfolglosen Gesprächen mit dem Management den Aktionären ein Angebot von 26 $ je Aktie unterbreitet. Mitte April verlängerte EA die Offerte zu veränderten Konditionen bis zum 16. Mai. Der Konzern bietet nur noch 25,74 $ je Aktie. Der Grund für den niedrigeren Kaufpreis je Aktie ist die Ausgabe neuer Wertpapiere durch Take-Two. Die Offerte liegt somit unverändert bei rund 2 Mrd. $.

Experten zufolge könnten in der ersten Verkaufswoche in den USA rund sechs Millionen Exemplare von "Grand Theft Auto IV" über den Ladentisch gehen. Den bisherigen Rekord hält Microsofts "Halo 3": Der Titel verkaufte sich in seiner ersten Woche fünf Millionen Mal . Weltweit haben Fans von Take-Two bislang 70 Millionen Stück der GTA-Serie abgenommen. Spielfigur Niko Bellic lebt als Kleingangster in Liberty City und übernimmt heikle Aufträge, die oft im Gemetzel enden.

FTD

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